Landtag

Der oberfränkische SPD-Mann Klaus Adelt im Landtag. (Foto: BSZ)

07.02.2020

Der Volksnahe

Im Porträt: Klaus Adelt, Vizevorsitzender der SPD-Fraktion

Im Landtag sitzt ein leibhaftiger Ritter: Der SPD-Abgeordnete Klaus Adelt wurde zwar nicht von der Queen geadelt – und auch nicht per Schwert. Mit einem Stockfisch haben Padres aus dem italienischen Rovereto den oberfränkischen SPDler zum Ritter ihrer Stockfisch-Bruderschaft geschlagen. Der getrocknete Fisch ist Adelts große Leidenschaft. Gerade ist eine neue Lieferung aus Norwegen angekommen. Eine Tonne Stockfisch lagert nun in der Garage des 63-Jährigen. In den nächsten Wochen wird er ihn in seiner Heimatstadt Selbitz und auf Märkten im Landkreis Hof verkaufen. Einziger Nachteil des außergewöhnlichen Hobbys: Der Fisch stinkt. „Er hat einen produkteigenen intensiven Geruch“, formuliert Adelt und seufzt. „Die Klamotten muss man schon häufig wechseln.“

So sehr der Fisch stinkt, er hat auch einen handfesten Vorteil für den Politiker Adelt. „Als Fischverkäufer komme ich mit Menschen ganz anders in Kontakt“, betont er. „Da treffe ich Leute, die kommen zu keiner Wahlkampfveranstaltung.“ Wahlkampftermine hat Adelt derzeit jede Menge. Denn er will am 15. März Hofer Landrat werden. In einem Alter, in dem andere langsam an den Ruhestand denken, sucht er eine neue Herausforderung. „Eine nachberufliche Lebensphase wird es für mich nie geben“, sagt Adelt bestimmt. „Ich werde immer etwas machen.“

Etwas machen – das könnte Adelt, der im Innen- und Umweltausschuss des Landtags sitzt, auch weiterhin im Maximilianeum. 2013 wurde er in den Landtag gewählt. Seit 2018 ist er Vize der SPD-Fraktion. Einer Fraktion, die nach der Landtagswahl von 42 auf 22 Abgeordnete geschrumpft ist. Adelt selbst holte mit 25,6 Prozent der Erststimmen das beste Ergebnis aller SPD-Kandidaten. Auch das qualifizierte ihn für einen herausgehobenen Posten.

Seine hemdsärmelige Art kommt bei vielen an

Ist er der Oppositionsarbeit überdrüssig? „Nein“, behauptet Adelt, der vor seinem Einzug in den Landtag fast 24 Jahre lang als Bürgermeister die Geschicke seiner Heimatstadt Selbitz lenkte. Doch er gibt zu: „Der Wechsel in die Landtagsopposition war für mich kein einfacher Schritt.“ Beschloss man in Selbitz, einen neuen Parkplatz zu bauen, sei der kurze Zeit später eingeweiht worden. Fordere aber die SPD im Landtag etwas, werde es automatisch von den „Antragsablehnungsbeauftragten der Staatsregierung“ abgeschmettert, klagt Adelt. „Mit welchen Begründungen gute Anträge der Opposition abgelehnt werden, ist haarsträubend“, ärgert er sich. Oft genug stellten die Regierungsparteien kurze Zeit später selbst einen entsprechenden Antrag. „A weng frustrierend ist das schon.“

Adelt ist kein Mann, der Ärger in sich hineinfrisst. Seine Ehrlichkeit wird geschätzt – in München und in seiner Heimat. Der Franke, Chef der Hofer Landkreis-SPD, ist ein Politiker alten Schlags, der sich nicht nur beim Fischverkauf die Sorgen und Nöte der Leute anhört, sondern auch im Wirtshaus, in dem er gerne sitzt. Seine hemdsärmelige Art kommt bei vielen an. „Ned reden, machen“, ist sein Motto – nicht nur als Politiker. Als zum Beispiel ein Feuer in einem Bauernhof am Ort ausbrach, rannte er ohne Zögern in den Stall und rettete das Vieh.

Mit München ist Adelt, der ein breites Fränkisch spricht, nie so recht warm geworden. Weil ihm das Bier nicht schmeckt. Und weil ihm, dem bodenständigen Frankenwäldler, vieles zu abgehoben ist. Muss er während der Sitzungswochen in seiner kleinen Abgeordnetenbude unweit des Maximilianeums übernachten, erwartet ihn dort eine kleine Notfallration fränkischer Lebensfreude – in Form von Presssack. „Zwei Büchsle Wurscht aus Oberfranken.“ Überkommt ihn der Hunger, gönnt er sich ein bisserl was davon: zwei Teelöffel. „Brot brauche ich keins dazu“, sagt Adelt und grinst.

Im Landtag ist Adelt, kommunalpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, ein Kämpfer für seine Region. In der 2016 von der Staatsregierung beschlossenen Förderoffensive Nordostbayern sieht er den Erfolg auch seines hartnäckigen Drängens. Die Stadt Hof sowie die Landkreise Hof, Kulmbach, Kronach und Wunsiedel werden seither im Rahmen der Städtebauförderung und der Dorferneuerung mit etwa 20 Millionen Euro jährlich zusätzlich gefördert.'

Im Kommunalausschuss fühlt sich Adelt pudelwohl – nicht nur thematisch. Er schwärmt vom guten Verhältnis mit den Kollegen – unabhängig vom Parteibuch. Auch der neue 1860-Stammtisch im Landtag – Adelt ist Gründungsmitglied – ist fraktionsübergreifend. Was er als Oberfranke an dem Münchner Verein mag? „Er hat etwas Rustikales, Tradition und vernünftige Spieler.“ Selbst hat Adelt allerdings nie Fußball gespielt. Er ist Mitglied der Wasserwacht. „Und schon als Kind war mir das Schwimmen lieber als das schnelle Laufen“, sagt er.

Er wusste schon als Kind: „Ich werde Bürgermeister“

Aufgewachsen ist Adelt in Selbitz, die Eltern hatten dort ein Lebensmittelgeschäft. Nach dem Abitur studierte er an der Uni Bayreuth Wirtschaft und Geografie für das Lehramt. Als er fertig war, gab’s eine Lehrerschwemme. „Ich hätte einen 20-Stunden-Zeitvertrag an einem Gymnasium im Hasenbergl in München haben können“, erzählt Adelt. Wollte er aber nicht. Auch weil er damals bereits Stadtrat in Selbitz war. Er blieb in der Heimat und arbeitete an der Volkshochschule im Bereich Erwachsenenbildung.

In die SPD eingetreten ist Adelt mit 18 Jahren. Dass er in die Politik wollte, wusste er bereits früh. „Als Kindergartenkind habe ich schon zu den Straßenarbeitern, die sich abgeplagt haben, gesagt: ,Wenn ich einmal Bürgermeister bin, kaufe ich euch einen Unimog.‘“ Als er 1990 wirklich Bürgermeister wurde, hatte die Stadt zwar längst solch ein Nutzfahrzeug. „Es gab aber Leute, die haben sich daran erinnert.“

Sollte es Adelt tatsächlich zum Landrat bringen, wäre er in der Landkreispolitik kein Unbekannter. Seit 30 Jahren gehört er dem Kreistag an, von 1999 bis 2008 war er Vize des Landrats. Allerdings: Adelt tritt gegen den amtierenden CSU-Landrat an – und für eine Partei, die ums Überleben kämpft. Keine einfache Mission. Aber auch keine aussichtslose, wie Adelt betont. Er setzt auf seine Bekanntheit in der Region – gerade bei den Kommunalwahlen sei Persönlichkeit weit wichtiger als die Partei, glaubt er.

Adelt ist Junggeselle. Der Vorteil gerade in Wahlkampfzeiten: Niemand motzt daheim, wenn es wieder später wird. Will er sich Frust von der Seele reden, ruft Adelt den älteren Bruder an. „Manchmal wäre man aber schon froh, gäbe es dafür auch jemanden zu Hause“, gesteht er. Und so führt Adelts Weg, wenn er aus München nach Hause kommt, meist in die Stammkneipe zu seinen Freunden. „Ich kann machen, was ich will“, sagt Adelt und lacht. „Das Auto biegt da von selber ab.“
(Angelika Kahl)

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