Landtag

Florian Herrmann (CSU). (Foto: dpa/Annette Riedl)

30.09.2022

Der Wortgewandte

Im Porträt: Florian Herrmann (CSU), Leiter der Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien

Söhne bekannter Väter leiden oft unter der Prominenz ihrer Erzeuger. Bei Florian Herrmann ist das ganz offensichtlich nicht so. Dabei ist sein Vater Wolfgang ein international renommierter Chemie-Professor, war 24 Jahre Präsident der Technischen Universität München, Ratgeber des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und beinahe selbst Wissenschaftsminister. Florian Herrmann, seit bald fünf Jahren Chef der Staatskanzlei im Ministerrang und rechte Hand von Regierungschef Markus Söder, hat die Last des prominenten Vorfahren nie gespürt.

„Ich bin nicht der Sohn des TU-Präsidenten, sondern des Assistenten am Lehrstuhl für anorganische Chemie“, erklärt er. Das war sein Vater nämlich, als Herrmann im Dezember 1971 zur Welt kam. „Ich hatte eine ganz normale Kindheit, mein Vater hat mir das Radlfahren und das Schwimmen beigebracht – das ist meine Prägung.“ Als dieser 1995 TU-Präsident und Mitarchitekt von Stoibers Hightech-Offensiven wurde, hatte Sohn Florian längst seinen eigenen Weg eingeschlagen. Mit der Chemie hatte er nichts am Hut, sein Traum war der diplomatische Dienst.

Also studierte Herrmann Jura. Mit der Karriere als Diplomat wurde es nichts, denn Herrmann gründete lieber in seiner Heimatstadt Freising eine Anwaltskanzlei. Da habe ihn niemand als den „Sohn von“ gesehen. Etwa zur gleichen Zeit begann er, sich politisch zu engagieren. Interessiert war er schon länger, und dass es die CSU geworden ist, lag an „familiärer Prägung“, schildert er. Sein Großvater sei in Ihrlerstein (Kreis Kelheim) CSU-Gemeinderat und Gründer des CSU-Ortsverbands gewesen, der Vater schon immer CSU-affin. Wenn er am Wochenende Klavier geübt habe, habe er dies so lange tun müssen, bis der hinter ihm sitzende Vater den Bayernkurier durchgelesen hatte, erzählt Herrmann. „Für mich war immer klar: Politik ist gleich CSU!“

"Weil sie damals keinen anderen hatten", stapelt Herrmann tief

In der Freisinger CSU machte Herrmann schnell Karriere. 2002, mit gerade 31 Jahren, war er schon Landratskandidat – „weil sie damals keinen anderen hatten“, stapelt Herrmann tief. Gegen den Amtsinhaber von den Freien Wählern holte er immerhin 35 Prozent der Stimmen. Kurz darauf wurde er CSU-Ortsvorsitzender, später Kreischef und 2008 als Nachfolger des CSU-Urgesteins Otto Wiesheu Landtagsabgeordneter.

Dabei ist die Region Freising für die CSU kein leichtes Pflaster. Der Grund ist der Großflughafen im Erdinger Moos. Die von Fluglärm und Nebenwirkungen des Airports betroffenen Menschen sind auf die CSU vielfach nicht gut zu sprechen. Obwohl Herrmann versichert, die Sorgen der Anwohner*innen zu teilen und aus Überzeugung innerhalb der CSU die Fahne der Gegner einer dritten Startbahn hochzuhalten, wird ihm das nicht abgenommen. „Der politische Gegner presst mich da in die CSU-Schublade, obwohl das nicht gerechtfertigt ist“, erklärt Herrmann. Eine seiner ersten Amtshandlungen als CSU-Ortsvorsitzender sei eine Resolution gegen den Flughafenausbau gewesen, an seiner Haltung habe sich bis heute nichts geändert.

Das sichtbarste Zeichen der Zweifel von Startbahngegnern an Herrmanns Beteuerungen hängt an einer Scheune neben der viel befahrenen Straße von Freising zum Flughafen. Überlebensgroß prangen dort wenig schmeichelhaft sein und Söders Konterfei, darunter in riesigen Lettern das Wort „Heimatzerstörer“. Obwohl das Plakat nun schon einige Jahre da ist, trifft es Herrmann noch immer. „Ich bin kein Heimatzerstörer“, insistiert er, „diese Unterstellung ist einfach unverschämt und verletzend.“ Die Gesprächsatmosphäre wird an diesem Punkt sofort kälter.

Herrmann zählt zu Söders engstem Beratungsteam

Herrmanns Miene hellt sich aber schnell auf, als er über sein Leben als Staatskanzleichef berichtet. Er könne sich „eigentlich nichts Tolleres“ vorstellen. Er erinnert an seine Koordinierungsaufgaben beim Runden Tisch zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“ oder während der Corona-Hochphase. Überhaupt sei er mit allen Themen befasst, genauso wie der Ministerpräsident, zu dem er schon von Amts wegen einen intensiven Kontakt pflege. Von Söder schwärmt Herrmann inzwischen in höchsten Tönen, er gehört – wie man aus CSU-Kreisen hört – zu dessen engsten politischen Beratern. Dabei war Herrmann in der Frage der Seehofer-Nachfolge lange im Team der oberbayerischen CSU-Bezirkschefin Ilse Aigner.

Obwohl kein Fachminister, hat Herrmann durchaus eigene Kompetenzen. Er ist für die bayerische Medienpolitik verantwortlich und das politische Bindeglied des Freistaats zur Bundeswehr und den US-Streitkräften im Land sowie der Minister für Sonderaufgaben. Außerdem ist er Stimme und Gesicht Bayerns im Bundesrat. In der Hauptsache übt Herrmann aber eine „Scharnierfunktion“ zwischen den politischen Ebenen in Bayern aus. Er kümmert sich um die Abstimmung zwischen den Ministerien, hält die Kontakte zum Landtag und den Regierungsfraktionen und spricht sich mit dem Koalitionspartner ab. Wie er da den Überblick behält? „Indem man eins nach dem anderen macht und das Wichtigste zuerst“, verrät er seine Devise. Man müsse alles mit Ruhe angehen.

Tatsächlich ist Herrmann einer, der im Landtag die sachbezogene Debatte pflegt. In diesem Stil führt er auch durch die Pressekonferenzen nach den Kabinettssitzungen. Nur manchmal, wenn die Opposition zu heftig blökt oder Journalist*innen allzu kritisch fragen, kann Herrmann bissig werden. Dann fixiert er sein Gegenüber streng, die Sätze werden kurz und kernig. Um Antworten ist er selten verlegen. In einem etwas älteren Videoclip der Staatskanzlei hat er auf die Frage geantwortet, was ihn sprachlos mache: „Schwere Halsentzündung.“ Heute würde er anders antworten, erklärt Herrmann. Nämlich: „Bodenlose Aussagen von AfD-Leuten, Querdenkern und Verschwörungstheoretikern.“ Da falle es schon oft schwer, überhaupt etwas darauf zu sagen.

In seiner Freizeit liest Herrmann gerne Bücher, Belletristik genauso wie Historisches oder Fach- und Sachbücher. Auf einem Beistelltisch seines Büros stapeln sich ein paar Dutzend Bücher – sein „Handapparat“, wie er es nennt. Außerdem ist er Fan von Fernsehserien, am liebsten Spannendes aus dem politischen Umfeld wie House of Cards. Und weil seine Frau eher für romantische Familienkomödien schwärmt, setzt er sich auch bei denen dazu. Herrmanns Gattin ist die Tochter des früheren Freisinger SPD-Oberbürgermeisters Dieter Thalhammer. Zu innerfamiliären Verwerfungen habe das nicht geführt. Mit dem Schwiegervater könne man über alles reden. „Er ist ja kein linker Sozi, sondern eher ein königlich-bayerischer Sozialdemokrat“, sagt Herrmann. (Jürgen Umlauft)

 

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