Landtag

Tanja Schorer Dremel (CSU) wird im Landtag interviewt. (Foto: privat)

11.12.2020

Die Stricksüchtige

Im Porträt: Tanja Schorer-Dremel, Vizevorsitzende der CSU-Fraktion

Rote Sitzkissen liegen einladend auf den Fensterbänken. Urlaubs- und Familienfotos zieren die Wände. Auf dem kleinen Tisch neben dem Fenster, das weihnachtlich geschmückt ist, steht ein riesiger Plätzchenteller. So gemütlich wie das Büro der stellvertretenden CSU-Fraktionsvorsitzenden Tanja Schorer-Dremel ist wohl kaum ein zweites im Maximilianeum. Das heißt aber keineswegs, dass sie immer gemütlich und auf Kuscheltour ist. Tatsächlich ist die 56-Jährige eine Frau mit Temperament und Durchsetzungskraft.

Schorer-Dremel sitzt seit 2013 im Landtag – und ergriff, als die CSU-Fraktion nach der Wahl 2018 eine Frau aus Oberbayern für einen der Vizechef-Posten suchte, kurzerhand ihre Chance. Mit knapp 94 Prozent erzielte sie ein super Ergebnis, über das sie sich noch heute „irre freut“. Organisieren liege ihr, sagt Schorer-Dremel selbstbewusst. Der Job sei dem einer Konrektorin auch nicht unähnlich. Sie selbst war vier Jahre stellvertretende Schulleiterin, bevor sie Rektorin an einer Grundschule wurde. „Man ist Bindeglied zwischen den Häuptlingen und Indianern.“

Vor ihrem Landtagseinzug war Schorer-Dremel Lehrerin mit Leib und Seele, bildete von Anfang an auch Lehramtswärter aus. Die Pädagogin kommt aber auch bei der Politikerin noch durch. Sie sei wahnsinnig engagiert, heißt es aus ihrer Fraktion. Aber manchmal auch etwas zu sehr Lehrerin, stöhnen manche. Schorer-Dremel hingegen ist überzeugt: „Die Erfahrungen aus 25 Jahren Schuldienst kann ich im Landtag supergut gebrauchen.“ Sie stört es auch nicht, dass Markus Söder einen Running Gag daraus machte. „Tanja, jetzt machen wir wieder einen Sitzkreis“, sagt er gerne bei Besprechungen, erzählt Schorer-Dremel. Sie denke sich dann immer: „In einem Sitzkreis spielt aber keiner mit dem Handy, hören alle zu und halten sich an die Gesprächsregeln.“

Noch im Studium bekam sie ihr erstes Kind

Dabei war das Grundschullehramts-Studium anfangs eine Notlösung. Eigentlich wollte Schorer-Dremel, die in Neuburg an der Donau als ältestes von vier Kindern aufwuchs, Ärztin werden. Die Noten reichten aber nicht für Medizin. Doch das Studium in Eichstätt erwies sich als Glücksfall. „Weil es einfach nur toll war“, sagt Schorer-Dremel. Und weil sie im dritten Semester an der Uni ihren Mann kennenlernte. Noch während des Studiums bekam sie 1987 ihr erstes Kind. Nummer zwei und drei folgten in den ersten beiden Dienstjahren als Lehramtsanwärterin. Als Schorer-Dremel ihr zweites Staatsexamen in der Tasche hatte, war sie mit der Familienplanung bereits durch.

Ziemlich ungewöhnlich für die damalige Zeit: Während Schorer-Dremel unterrichtete, kümmerte sich der Mann daheim um die Kinder. Anfangs studierte er noch Philosophie, später machte er sich mit einer kleinen PR-Firma selbstständig. Und engagierte sich in der Jungen Union. Er leitete auch mal das Eichstätter Stimmkreis-Büro des damaligen Kultusministers Siegfried Schneider.

Es war aber nicht ihr Mann, der Schorer-Dremel zur CSU brachte. Eine Arbeitskollegin nahm sie 1999 zu einer Veranstaltung der Frauen-Union (FU) mit. Das Engagement der Frauen beeindruckte sie, noch im selben Jahr trat Schorer-Dremel FU und CSU bei. „Weil ich keine halben Sachen mache“, sagt sie. 2001 bereits wurde sie stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende und zog 2002 in den Kreistag des Landkreises Eichstätt ein. „Man kann das Quotenfrau nennen“, sagt Schorer-Dremel. „Man kann aber auch einfach sagen: Ich war zur richtigen Zeit am rechten Ort.“

Ein verpasstes Date mit Kevin Costner

Eine Politkarriere strebte Schorer-Dremel da noch nicht an. Ihr Lebensmotto aber ist: „Es kommt immer so, wie es kommen soll.“ Man müsse deshalb offen sein und zugreifen, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Und das tat Schorer-Dremel immer. 2008 wollte sie der neue Landrat Anton Knapp als Stellvertreterin. „Dass Politik so richtig meins ist, habe ich da erst festgestellt“, sagt sie. Ein Jahr später wurde Schorer-Dremel Eichstätter Kreisvorsitzende. 2013 dann der Einzug in den Landtag. Dort wurde sie, obwohl Landtagsneuling, gleich Vorsitzende der Kinderkommission (KiKo), ein überparteiliches Gremium, das sich für die Belange von Kindern und Jugendlichen einsetzt. Außerdem gehörte sie den Ausschüssen für Umwelt und Landwirtschaft an. Umwelt interessierte sie besonders. Als Direktorin hatte sie die Grundschule Walting zu einer Umweltschule umgebaut – Schafe und Bienen wurden angeschafft.

KiKo-Vorsitzende und Mitglied im Landwirtschaftsausschuss ist Schorer-Dremel auch in dieser Legislatur. Bienenpolitische Sprecherin ist sie ebenfalls wieder geworden. Und gerät dabei auch mal zwischen die Fronten von Imkern und Landwirten, wenn es um das Verbot von insektenschädlichen Pestiziden geht. „Meine Meinung teilen nicht alle, aber ich bin davon überzeugt, dass Glyphosat und Neonicotinoide bei uns nichts verloren haben“, betont Schorer-Dremel. Allerdings: Verboten ist der Einsatz von Glyphosat nur in Privatgärten, ein Verbot in der Landwirtschaft hat auch sie bislang nie explizit unterstützt.

„Soll ich dir eine Sonnenblume und eine Latzhose bringen?“ – Solche Sprüche bringen CSU-Kollegen manchmal bei Schorer-Dremel an. Aber nicht, weil sie in umweltpolitischen Fragen den Grünen näher wäre als ihrer eigenen Partei. Sondern weil Schorer-Dremel „stricksüchtig“ ist, wie sie selbst sagt. Sie strickt auch im Landtag, selbst in einer Plenarsitzung holte sie schon mal ihr Strickzeug hervor. An dem Tag, als vor vier Jahren über das bayerische Integrationsgesetz bis in die Morgenstunden gestritten wurde, wurde Schorer-Dremel zum ersten Mal Oma. „Stricken entspannt total“, erklärt sie. Nach der Nacht waren ein Paar Socken und eine Mütze fertig. Mittlerweile ist Schorer-Dremel dreifache Großmutter, der jüngste Enkel ist elf Monate alt. „Alle 14 Tage ist Oma-Tag, das muss einfach sein“, sagt sie.

Schorer-Dremel reist und liest gerne – und sie liebt Action-Filme. Ganz besonders die mit Kevin Costner. „Ich bin ein totaler Fan“, schwärmt sie. Beinahe hätte sie den Schauspieler schon mal persönlich getroffen. Weil er einen Film in Bayern drehen wollte, hatte er beim damaligen Medienminister Siegfried Schneider einen Termin. „Sigi, du musst es hinkriegen, dass ich ihn treffe“, flehte Schorer-Dremel. Und? Sie seufzt: „Kevin Costner ist dann gar nicht gekommen.“
(Angelika Kahl)

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