Landtag

Eine Lehrerin protestiert gegen die kontinuierlich steigenden Anforderungen im Job. (Foto: dpa/Paul Zinken)

15.09.2023

Dienstunfähigkeit verschärft Lehrkräftemangel

Seit 2020 hat sich die Zahl der teildienstunfähigen Lehrkräfte mehr als verdoppelt und der Anteil der dienstunfähigen Lehrkräfte ist um 36 Prozent gestiegen

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) gab zum Schuljahresstart unumwunden zu, dass es in Bayern einen Lehrermangel gibt. „Ja, selbstverständlich haben wir diese Herausforderung“, sagte er im Interview mit Bayern 2. „Das wird das ganze Jahrzehnt andauern.“ Hauptursache ist die steigende Zahl der Schulkinder: Rund 1,7 Millionen wurden diese Woche eingeschult – knapp 2 Prozent mehr als letztes Jahr. Zwar wurden laut Kultusministerium rund 3700 neue Lehrkräfte eingestellt. Schließen lässt sich die immer größer werdende Lücke damit allerdings nicht.

Grünen-Chefin Katharina Schulze findet Piazolos Worte noch „zu blumig“ für den Ernst der Lage. „Wir haben eine Bildungskrise“, erklärt sie. „Akuter Lehrkräftemangel, ausgebranntes Personal, frustrierte Kinder, Jugendliche und Eltern – das ist die Realität an unseren bayerischen Schulen.“ Die Fraktion wollte daher von der Staatsregierung wissen, wie sich die Dienstunfähigkeit in den letzten Jahren entwickelt hat. Denn dadurch würde sich die Zahl der dringend benötigten Lehrkräfte zusätzlich reduzieren.

Laut Antwortschreiben des Kultusministeriums melden sich vor allem an den Grund- und Mittelschulen, den Schulen mit dem größten Lehrkräftemangel, in den vergangenen drei Jahren immer mehr Lehrkräfte in Bayern dienstunfähig. Seit 2020 hat sich die Zahl der teildienstunfähigen Lehrkräfte mehr als verdoppelt und der Anteil der dienstunfähigen Lehrkräfte ist um 36 Prozent gestiegen. Der Höchststand lag 2020 bei 512. In dem Jahr hatte das Haus von Kultusminister Piazolo die Anforderungen an Grund- und Mittelschullehrkräfte erhöht.

Grüne: "CSU und Freie Wähler verheizen unsere Lehrkräfte"

Die Verordnung der Staatsregierung schränkte zum Beispiel die Altersteilzeit ein. Menschen unter 58 Jahre mussten im Rahmen eines Arbeitszeitkontos vorübergehend 29 statt 28 Unterrichtsstunden pro Woche abhalten. Nach fünf Jahren soll die Mehrarbeit dann ausgeglichen werden. Zudem dürfen Förderschullehrkräfte im Rahmen einer Antragsteilzeit höchstens noch auf 23, Grund- und Mittelschullehrer auf 24 Wochenstunden reduzieren. Ein vorzeitiger Ruhestand wird künftig in der Regel erst ab 66 Jahren erlaubt. Sabbatjahre werden nicht mehr genehmigt. 

Für die Grünen bewirken diese Maßnahmen ein noch schnelleres Ausbrennen der Lehrer*innen. „CSU und Freie Wähler verheizen unsere Lehrkräfte“, schimpft Chefin Schulze. Erst seien unter dem damaligen Finanzminister Söder zu wenig Lehrkräfte eingestellt worden, dann beschneide Piazolo die Teilzeit und brumme ihnen mehr Stunden auf. „Unsere Lehrerinnen und Lehrer bezahlen das mit ihrer Gesundheit.“ Es bringt laut der Abgeordneten auch nichts, wenn sich Piazolo jetzt auf die Zahl von Neueinstellungen auch durch Quereinstieg beruft, wenn gleichzeitig wegen seiner Maßnahmen erfahrene Lehrkräfte dienstunfähig werden. „Das ist dann pure Augenwischerei.“ (David Lohmann)

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