Landtag

Ganze 2691 offene Stellen gibt es bei Bayerns Polizei. (Foto: dpa)

26.03.2018

Fast jede zehnte Polizeistelle unbesetzt

Seit Jahren gilt in Bayern das von der Staatsregierung vorgegebene Motto "Sicherheit durch Stärke". Bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber, dass viele Polizeiposten unbesetzt sind - Tendenz steigend

In Bayern ist derzeit fast jede zehnte Stelle bei der Polizei nicht besetzt. Laut einer Antwort des Innenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Fraktion waren zum Stichtag 1. Januar 2018 insgesamt 9,7 Prozent der Stellen vakant - in absoluten Zahlen sind das 2691. "Entgegen der großspurigen Ankündigungen der Staatsregierung hat sich die Situation an den Polizeiinspektionen im Freistaat Bayern im Durchschnitt eben nicht verbessert", sagte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. Vielmehr habe sich die Zahl der offenen Stellen seit 2015 stetig erhöht.

Während es 2015 in ganz Bayern 2472 offene Posten gab (9,03 Prozent), waren es 2016 schon 2545 (9,1 Prozent) und 2017 besagte 2691 Stellen. Das seien 219 nicht besetzte Stellen mehr als noch vor 2015, betonte Rinderspacher. "Im Gegensatz zur bloßen Verkündung von Wohltaten durch das Innenministerium, die Polizei werde personell aufgestockt, ergeben die Zahlen ein anderes Bild und entlarven die Mär, dass in Bayern sicherheitspolitisch alles in Ordnung ist."

Besonders eklatant ist die Situation im nördlichen Oberbayern

Besonders eklatant ist die Unterbesetzung den Angaben zufolge im nördlichen Oberbayern (11,73 Prozent), in Mittelfranken (10,24 Prozent), im nördlichen Schwaben (10,78 Prozent) und in Oberfranken (10,7 Prozent). In der Landeshauptstadt München sind es zwar nur 8,36 Prozent, in absoluten Zahlen entspricht das dort aber 470 Stellen.

Die SPD jedenfalls fordert als Konsequenz aus den offenen Stellen realistische Personalaufstockungen. "Die von der Staatsregierung realisierten Stellen sind bei weitem nichtausreichend", sagte Rinderspacher. Dies sei um so ärgerlicher, da die notorisch unterbesetzen Dienststellen noch bis 2021 warten müssten, bis sie Verstärkung erhielten. So lange dauere die Ausbildung der eingestellten Polizeianwärter.

Angesichts der vielen unbesetzten Stellen verdeutliche sich die enorme Belastung der Polizisten, die sich in einem Überhang von fast zwei Millionen Überstunden zeige, sagte Rinderspacher. "Wir wollen, dass die Beschäftigten der bayerischen Polizei unter angemessenen und familienfreundlichen Bedingungen ihren enorm wichtigen Dienst leisten können." Nur der Arbeit der Polizisten sei es zu verdanken, dass der Freistaat eines der sichersten Bundesländer in Deutschland sei. "Die Staatsregierung muss endlich aufwachen und die Arbeit der bayerischen Polizei auch entsprechend honorieren." Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erklärte, die Bayerische Polizei sei gut aufgestellt und werde bis zum Jahr 2023 um 3500 zusätzliche Stellen aufgestockt. (dpa)

Kommentare (2)

  1. hans g. am 10.04.2018
    Warum sind in Oberbayern nur "so wenige" Polizeistellen offen bzw. fehlen so viele Polizisten im nördlichen Bayern?

    Weil sie nach der Ausbildung aus dem restlichen Bayernland abgezogen werden, nur damit München als die sicherste Stadt der BRD genannt werden kann. Auf die z.B. familiären Hintergründe wird bei den jungen Polizisten keine Rücksicht genommen.

    Zu den Pensionen sei gesagt, dass es der bayerische Staat versäumt hat, in den letzten 50 Jahren ausreichend Rücklagen für die derzeitige Pensionswelle zu bilden. Das Geld wurde für irgend etwas anderes verschleudert oder falsch eingesetzt. Das rächt sich mit dem fehlenden Nachwuchs. Aber wen wundert´s. Schießen darf er Polizist nicht mehr da er dann immer der Schuldige ist, das Gehalt ist schlecht, ca. 70% seiner Tätigkeit ist der Polizeibeamte an den Schreibtisch gebunden, die sozialromantische Politik der SPD und Grünen behindert die Polizeiarbeit und Durchsetzung der vorhandenen Gesetzte.

    Aber da könnte man jetzt auch ein ganzes Buch drüber schreiben........
  2. Zitrone am 29.03.2018
    Etikettenschwindel von unserem IM, wie schon so oft. Es gibt keinen veröffentlichten Zahlenvergleich zwischen 2008 und 2016, wie viele Planstellen durch Stoiber abgeschafft und danach wieder neu geschaffen wurden und auch tatsächlich besetzt waren. Der IM erzählt immer nur was er vorhat, aber wie ist das wirklich. Eine richtig starke Opposition wäre gut für Bayern.

    Eines fehlt mir aber in der ganzen Diskussion, egal ob Land oder Bund.

    Mehreinstellungen führen nicht nur zu höheren Personalkosten aktuell und während der aktiven Zeit, sondern auch danach in Form von Pensionsberechtigungen.

    Wahrscheinlich sind die derzeit Verantwortlichen längst Asche, wenn diese fällig werden. Um so mehr ist es Ihre Verpflichtung, die Bevölkerung über diese Folgekosten aufzuklären und finanzielle Vorsorge zu treffen.
    Wahrscheinlich ereifern sich die Menschen, die diese gesetzlichen Versorgungsansprüche zu tragen haben, genauso über die zu hohe Versorgung der Beamten, so wie es heute geschieht. Dabei dieselbe Forderung der Bürger wie früher, mehr Polizei, mehr Lehrer, usw. Am besten ehrenamtlich.
    Auch die rd. 120 Bundestagsabgeordnete, als der Mindestbestand, hat erhebliche Folgekosten ausgelöst.
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