Landtag

Die Zahl der Bauernhöfe sank in zwei Jahren um knapp 2500. (Foto: dpa)

06.07.2018

Immer weniger Landwirte in Bayern

Agrarbericht 2018: Vor allem kleine Höfe sterben

Das Höfesterben in Bayern hat sich verlangsamt, allerdings nimmt die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe vor allem in den traditionellen Größenklassen von 10 bis 50 Hektar Nutzfläche ab. Das geht aus dem Agrarbericht 2018 hervor, den Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber im Agrarausschuss vorlegte. Im Berichtszeitraum von 2015 bis 2017 sank die Zahl der Bauernhöfe in Bayern um knapp 2500 auf 106.718 (-2,3 Prozent). Bei den Betrieben zwischen 10 und 50 Hektar lag das Minus bei mehr als fünf Prozent. Vor allem Milchvieh- und Schweinehalter schlossen ihre Betriebe. Deutliche Zuwächse gab es nur bei den großen Höfen über 100 Hektar. Dort betrug das Plus 7,2 Prozent auf 5219.

Die Einkommenssituation der bayerischen Landwirte hat sich im vergangenen Wirtschaftsjahr laut Bericht deutlich verbessert. Bei den Haupterwerbsbetrieben stieg der Durchschnittsgewinn um 31,7 Prozent auf 52.605 Euro. Hauptursachen waren die Preissprünge bei Milch und Schweinen nach den vorangegangenen Tiefstständen. Wie schon in den Vorjahren kam etwa die Hälfte des Gewinns aus staatlichen Zuschüssen und Prämien. Die höchsten Gewinne machten die Großbetriebe ab 60 Hektar mit durchschnittlich 70.500 Euro, bei kleineren Betrieben bis 30 Hektar lag der Gewinn im Mittel bei nur 35.000 Euro. Von der insgesamt positiven Entwicklung nicht profitieren konnten die Nebenerwerbsbauern. Ihr durchschnittliches Gesamteinkommen sank um 10,9 Prozent auf 38.584 Euro.

Die Einkommensentwicklung der Landwirte hinkte der in der Wirtschaft hinterher

Kaniber erklärte, die Zahlen belegten die Krisenfestigkeit der bayerischen Landwirtschaft und den Erfolg bayerischer Agrarpolitik. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte im Freistaat zu sichern, müsse beim Verbraucher noch stärker für den Kauf hochwertiger Lebensmittel aus heimischer Produktion geworben werden. Zudem bräuchten die Bauern Planungssicherheit bei Tierschutz- und Umweltauflagen sowie bei der Agrarförderung. Kaniber kündigte auch Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität an. So lasse sie derzeit "mit Hochdruck" eine Strategie für einen zukunftsfähigen Ackerbau unter geringerem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erarbeiten. Dies werde im Einvernehmen mit der Landwirtschaft erfolgen.

Horst Arnold (SPD) warf der Ministerin "verharmlosende Zahlenspielereien" vor. Der von Durchschnittswerten verdeckte starke Rückgang bei kleinen und mittleren Betrieben gefährde die Kleinteiligkeit der bayerischen Landwirtschaft. Vor allem beim Nebenerwerb gehe es mit den Einkommen "steil bergab". Hier brauche es eine gezieltere Förderung. Dem pflichtete Leopold Herz (Freie Wähler) bei. Die Einkommensentwicklung der Landwirte hinke immer noch hinter der in der Wirtschaft her. Gisela Sengl (Grüne) beklagte, dass der typische bayerische Bauernhof allmählich aus der Landschaft verschwinde. Der Trend zu größeren Betrieben sei ungebrochen. Mehr Unterstützung forderte Sengl für den ökologischen Landbau, der den Landwirten auch höhere Einnahmen beschere. Dazu brauche es aber auch eine intensivere, staatliche geförderte Vermarktungsstrategie, um den Absatz von heimischen Bio-Produkten anzukurbeln.

Der CSU-Agrarpolitiker Martin Schöffel warf der Opposition vor, mit der Forderung nach ständig neuen Umwelt- und Tierschutzauflagen gerade kleinere Betriebe in Bedrängnis zu bringen. (Jürgen Umlauft)

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