Landtag

881 000 Menschen in Bayern leben allein. Durch die Ausgangsbeschränkungen sind sie noch einsamer. (Foto: dpa/Patrick Pleul)

17.04.2020

Jeder dritte über 65-Jährige in Bayern lebt allein

Die SPD fordert, Beratungsangebote wie spezielle Hotlines für Senioren weiter auszubauen und finanziell zu unterstützen

In der Corona-Krise gelten Alte als Risikogruppe. In Pflegeheimen werden sie nun besonders isoliert und dürfen nur in Ausnahmesituationen raus. Doch auch Senioren, die in ihrer eigenen Wohnung leben, sind wegen der Ausgangsbeschränkungen einsam. Denn rund ein Drittel der über 65 Jahre alten Menschen in Bayern lebt allein. Das ist das Ergebnis einer Anfrage von Natascha Kohnen (SPD). 

In absoluten Zahlen betrifft das laut Sozialministerium etwa 881 000 Menschen. Dabei steigt der Anteil an Einpersonenhaushalten mit zunehmendem Alter deutlich: Während dieser in der Altersgruppe der 65- bis unter 70-Jährigen bei etwa 24 Prozent liegt, beläuft er sich bei den 85-Jährigen und Älteren auf rund 56 Prozent. Die Mehrheit der über 65-Jährigen lebt in Zweipersonenhaushalten: rund 60 Prozent, das sind rund 1,6 Millionen Menschen. Haushalte mit mehr als zwei Personen kommen in dieser Altersgruppe laut Ministerium hingegen kaum vor.

SPD-Fraktionschef Horst Arnold mahnt angesichts dieser Zahlen, beim Gesundheitsschutz für ältere Menschen nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die psychische Dimension zu achten. „Allein zu leben und gerade wie über Ostern keine Freunde und Verwandten besuchen zu dürfen, kann für viele sehr belastend sein“, warnt der Abgeordnete. Es sei daher eine wichtige Aufgabe der Staatsregierung, generell Beratungsangebote wie beispielsweise spezielle Hotlines für Seniorinnen und Senioren weiter auszubauen und finanziell zu unterstützen.

110 000 Menschen in Bayern wohnen in Alteneinrichtungen

Die Zahl der Menschen, die in Bayerns Altenheimen, Altenwohnheimen, Altenpflegeheimen und Schwesternaltenheimen leben, lag zum Stichtag 15. Dezember 2018 bei 110 000 Bewohnerinnen und Bewohnern in 1359 Einrichtungen. Die Erhebung war allerdings freiwillig, weshalb die tatsächlichen Zahlen höher liegen dürften. Die SPD macht sich aber nicht nur um Seniorenwohnheime, sondern auch um Heime für Menschen mit Behinderungen oder für Kinder und Jugendliche große Sorgen.

„Wenn viele Menschen unter einem Dach leben, besteht die akute Gefahr der rasanten Verbreitung des Virus“, warnt die SPD-Gesundheitspolitikerin Ruth Waldmann. Gleichzeitig könnten die Bewohnerinnen und Bewohner nicht einfach heimgeschickt werden. Die Abgeordnete fordert daher mehr Schutzausrüstung und Betreuungskräfte für diese Einrichtungen. Sie sollen bevorzugt auf Corona getestet werden und ein geeignetes Meldesystem erhalten, um personelle Engpässe frühzeitig zu erkennen. Bei einer Infektion in den Häusern müsse auch für Reinigungskräfte, Hausmeister oder Techniker geeignetes Schutzmaterial zur Verfügung gestellt werden. Nicht zuletzt bräuchten alle Einrichtungen ein Corona-Infektionsschutzkonzept. „Die Handlungsanweisungen des Ministeriums sehen einen Pandemiebeauftragten nur in den Pflegeheimen vor“, erklärt Waldmann.

Unterstützung erhält die SPD von den Freien Wählern. Durch das Cocooning, also das vollständige Zurückziehen, könnten „ernsthafte menschliche und medizinische Folgeschäden entstehen“, warnt Freie-Wähler-Fraktionschef Florian Streibl. (David Lohmann)

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