Landtag

Games gehören zu den wirtschaftlich wichtigsten Bereichen der bayerischen Kreativwirtschaft. (Foto: dpa/Christoph Hardt)

24.09.2026

Kreativwirtschaft: Staatsregierung arbeitet mit Zahlen aus der Zeit vor dem KI-Boom

Künstliche Intelligenz verändert Games, Film, Musik und Design. Wie sich die bayerische Kultur- und Kreativwirtschaft wirtschaftlich entwickelt hat, kann die Staatsregierung allerdings nur anhand von Daten bis 2022 beurteilen

Computerspiele entstehen längst nicht mehr nur aus Programmcode und gezeichneten Welten. Künstliche Intelligenz kann Bilder erzeugen, Stimmen verändern und bei der Entwicklung von Spielen helfen. Gerade Games zeigen damit, wie eng Kreativwirtschaft und neue Technologien inzwischen verbunden sind.

Wie aktuell das wirtschaftliche Bild ist, das die Staatsregierung von dieser Branche hat, wollte der Nürnberger SPD-Landtagsabgeordnete Arif Taşdelen wissen. Er fragte nach Umsätzen, Wertschöpfung, Unternehmen und Beschäftigten der Kultur- und Kreativwirtschaft für die Jahre 2022 bis 2025.

Gesamtdaten reichen nur bis 2022

Die Antwort des Wirtschaftsministeriums fällt knapp aus: Der Staatsregierung liegen keine neueren Gesamtdaten vor als jene des dritten Bayerischen Kultur- und Kreativwirtschaftsberichts. Dessen Betrachtungszeitraum endet 2022. Einen weiteren Bericht hat der Freistaat bislang nicht in Auftrag gegeben. Als Grund nennt das Haus von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW), dass die vorhandenen Fördermittel für die Kultur- und Kreativwirtschaft nicht zusätzlich belastet werden sollen.

Hinzu komme ein statistisches Problem. Ein Teil der kreativen Leistungen werde in anderen Wirtschaftszweigen erbracht und deshalb in den elf definierten Teilmärkten der Kultur- und Kreativwirtschaft nicht erfasst. Als Beispiel führt das Ministerium Designtätigkeiten in der Automobilwirtschaft an. Eine zusätzliche Erhebung wäre demnach mit erheblichem Aufwand und zusätzlichen Ausgaben verbunden. Für einzelne Teilmärkte wie Buch, Film, Musik, Presse, Rundfunk, Software/Games und Werbung gebe es aktuellere Umsatz- und Beschäftigungsdaten des Mediennetzwerks Bayern.

Taşdelen sieht darin ein Problem: „Damit bewerten wir eine Branche mit Zahlen, die weitgehend noch aus der Zeit vor dem großen Durchbruch generativer KI stammen.“ Dabei verändere Künstliche Intelligenz große Teile der Kreativwirtschaft gerade rasant. „Was früher Kamera, Ton, Schnitt oder Komposition brauchte, kann heute teilweise aus wenigen Textzeilen entstehen“, sagt der SPD-Abgeordnete.

Neuer Kreativwirtschaftsbericht ist nicht geplant

Auch wann ein neues Gesamtbild vorliegen könnte, bleibt offen. Auf Taşdelens Frage nach dem nächsten Bayerischen Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht antwortet das Wirtschaftsministerium: „Aktuell gibt es keine Planungen.“

Bei der künftigen Datenerhebung setzt die Staatsregierung stattdessen auf eine mögliche bundesweite Lösung. Das Thema werde derzeit in allen Bundesländern diskutiert. Aus Sicht des Ministeriums könnte die bundesweite Erhebung künftig auch Daten der einzelnen Länder umfassen. Das wäre nach Einschätzung des Hauses sowohl mit Blick auf die Kosten als auch auf die Vergleichbarkeit die wirtschaftlichste Lösung.

Daneben fördert der Freistaat die Branche weiter. Allein das Bayerische Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft dokumentierte zwischen 2022 und 2025 insgesamt 419 Beratungen. Wegen eines Systemwechsels kann das Ministerium diese allerdings erst ab 2023 genauer nach Regierungsbezirken aufschlüsseln. 2025 entfielen beispielsweise 58 Beratungen auf Oberbayern, 15 auf Schwaben und jeweils 15 auf Mittel- und Unterfranken.

Taşdelen fordert aktuellere Wirtschaftsdaten

Besonders auf die Games-Branche verweist Taşdelen als Beispiel für den technologischen Wandel. Nach Angaben des Abgeordneten erhielten Ende Juli 16 bayerische Games-Projekte Förderempfehlungen über insgesamt 871.000 Euro. Das Digitalministerium sehe Games dabei an der Schnittstelle von kreativer Gestaltung, Softwareentwicklung, Künstlicher Intelligenz und 3D-Technologien.

„Bayern will bei Games und KI vorne mitspielen, hat aber kein aktuelles Gesamtbild der Branche“, kritisiert Taşdelen. Er vergleicht die Situation mit der Autoindustrie: „Das ist, als würden wir E-Mobilität und autonomes Fahren fördern, die Entwicklung der Autoindustrie aber weiterhin mit Zahlen von 2022 beurteilen.“

Der SPD-Abgeordnete fordert deshalb aktuellere Wirtschaftsdaten und eine stärkere Verzahnung von Wirtschafts- und Digitalpolitik. Die Staatsregierung verweist dagegen auf aktuellere Daten zu einzelnen Teilmärkten und setzt für ein künftiges Gesamtbild auf eine bundesweit vergleichbare Erhebung. Wie stark Künstliche Intelligenz die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten bayerischen Kreativwirtschaft inzwischen verändert hat, lässt sich aus den vorhandenen Gesamtdaten nicht ablesen. (loh)

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