Landtag

Kinder leiden besonders unter Long Covid. (Foto: Image Source, Jane Looker)

16.10.2026

Long Covid bei Kindern: Fachleute fordern mehr Hilfe und flexible Beschulung

Bei einer Anhörung im Bayerischen Landtag fordern Fachleute besser koordinierte Hilfen für Kinder und Jugendliche mit Long Covid. Auch die Beschulung soll stärker an den Gesundheitszustand angepasst werden – belastbare Zahlen zur Zahl der Betroffenen fehlen bislang

Fünf Jahre nach dem Ende der Pandemie leiden noch viele damals mit dem Coronavirus infizierte Kinder und Jugendliche in Bayern an Covid-Symptomen. Die Ausschüsse für Gesundheit und für Bildung verschafften sich in einer Anhörung ein Bild über die Lage und mögliche Hilfen für Betroffene.

In einer Landtagsanhörung zu Long Covid bei Kindern und Jugendlichen haben mehrere Fachleute empfohlen, die Hilfsprogramme für Betroffene auszubauen und besser zu koordinieren. Zudem wurde gefordert, die Beschulung im Rahmen des rechtlich Zulässigen stärker an das jeweilige Krankheitsbild und die individuellen Möglichkeiten anzupassen. Belastbare Daten zur Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen gibt es wegen der weiterhin nur unzureichend erforschten Zusammenhänge zwischen einer Corona-Infektion und den damit in Verbindung gebrachten Langzeitsymptomen wie dauerhafter Erschöpfung, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen nicht.

Lotsenstelle und Recht auf Bildung

Die Vorständin des Vereins Nicht-Genesen-Kids, Magdalena Riepl, der in Bayern rund 1400 Familien unterstützt, erklärte, es brauche eine „unabhängige Lotsenstelle“, die den stark belasteten Eltern den Weg durch die verschiedenen Institutionen im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen weisen müsse. Für besonders schwere Fälle plädierte Riepl für eine „aufsuchende Versorgung“ der betroffenen Kinder in ihrem Zuhause. Riepl sah zudem die Notwendigkeit, in Behörden, an Schulen und unter Medizinern das Wissen über Long Covid und die Notwendigkeit eines besonderen Umgangs mit den Betroffenen stärker zu verankern.

Die Leiterin des Chronische Fatigue Centrums bei jungen Menschen an der TU München, Uta Behrends, betonte, neben der medizinischen Versorgung der Betroffenen müsse für diese auch das Recht auf Bildung sichergestellt werden. Ansonsten drohten nicht nur der Verlust von Zukunftschancen, sondern auch soziale Isolation und psychische Folgeerkrankungen. Mit weiteren Fachleuten war sich Behrends einig, dass es mehr fachübergreifende Forschung und eine bessere Koordination von Hilfs- und Betreuungsangeboten brauche. So sprach sich Thorsten Langer vom Freiburger Universitätsklinikum für eine bessere Verknüpfung von stationärer und ambulanter Versorgung von Long-Covid-Patienten aus.

Mehr Personal an Schulen – offene Fragen zur Diagnose

Mehr personelle Ressourcen für mobile sonderpädagogische Dienste (MSD) an Bayerns Schulen hielt Studienrätin Edeltraud Maninger für erforderlich. Zwar sei die Zahl der vom MSD wegen Long Covid betreuten Kinder und Jugendlichen vergleichsweise klein, der damit verbundene Aufwand aber immens.

Der Heidelberger Allgemeinarzt Gunter Frank vermisste einen klaren Kriterienkatalog für die Long-Covid-Diagnose. Ob die Symptome von der Virusinfektion herrührten, sei in der Wissenschaft nicht geklärt. Er vermute anhand von vergleichenden Studien, dass die Symptome eher in den Corona-Schutzmaßnahmen wie den Schulschließungen oder der Maskenpflicht begründet lägen. (Jürgen Umlauft)

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