Landtag

Verschwundene Examen sind der Albtraum von Studierenden. (Foto: dpa/JK)

26.11.2020

Ministerium hat seit 2011 fast 180 Staatsexamen verschlampt

Die FDP fordert, Prüfungen zukünftig zu digitalisieren

Viele Studierende klagen über fehlerhafte Staatsexamensprüfungen, enorme Durchfallquoten und lange Bearbeitungszeiten bei eingereichten Beschwerden. Dass aber auch Prüfungen verloren gehen, schlägt dem Fass aus Sicht der FDP den Boden aus. „Jedes verschlampte Staatsexamen ist ein Skandal“, betont deren Abgeordneter Matthias Fischbach. Er hatte bei der Staatsregierung nachgehakt, wie viele in den letzten Jahren verloren gegangen sind.

Das bayerische Kultusministerium antwortet, seit 2011 seien 178 Staatsexamensarbeiten vor dem ordnungsgemäßen Abschluss der Korrektur verloren gegangen. Den betroffenen Lehramtsstudierenden blieb in 34 Fällen nur die Wahl zwischen Note sechs oder Prüfungswiederholung. In der Praxis akzeptieren viele der Betroffenen eine schlechte Note, damit sich Referendariat und Lehrerlaufbahn nicht weiterhin verzögern.

Die meisten Arbeiten wurden im Frühjahr 2014 verschlampt: 23 Staatsexamina im Fach Sozialkunde für das Gymnasium. Aber auch 2019 gingen 21 Prüfungen im Fach Geschichte für Gymnasium verloren beziehungsweise wurden „irreparabel beschädigt“, zusätzlich fünf Stück in Englisch und Erziehungswissenschaft. Selbst in diesem Jahr waren es bisher immerhin zwölf Staatsexamina im Fach Ethik. Ein Großteil sei auf dem Postweg verloren gegangen.

In der Praxis akzeptieren viele der Betroffenen eine schlechte Note, damit sich Referendariat und Lehrerlaufbahn nicht weiterhin verzögern

Sobald die Vermutung besteht, dass eine oder mehrere Klausuren verloren gegangen sein könnten, würden umgehend Nachforschungen eingeleitet und Stellungnahmen eingeholt, betont das Haus von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Sollten die Klausuren unauffindbar bleiben, würden die betroffenen Prüflinge über den Verlust, einen möglichen Nachtermin beziehungsweise die Annahme einer vorliegenden Note informiert.

Im Fall der Klausuren, die zum Prüfungstermin im Frühjahr 2020 ohne vorliegende Note verloren gegangen sind, wurden laut Ministerium Maßnahmen ergriffen, damit den Betroffenen keine zeitliche Verzögerung und kein finanzieller Verlust in Bezug auf ihre weitere Ausbildung entsteht. „Aufgrund des außergewöhnlich späten Bekanntwerdens des Vorfalls wurde zum Zwecke der Vermeidung weiterer Nachteile für die Betroffenen zusätzlich ein gesonderter Ersatztermin zur Prüfungsablegung zum Prüfungstermin Herbst 2020 anberaumt.“

Dem FDP-Abgeordneten Fischbach reicht das nicht. „Der Umgang des Kultusministeriums mit der wichtigsten Prüfung in der Karriere eines angehenden Lehrers ist ein Skandal – und inakzeptabel.“ Er fordert die Staatsregierung auf, alle Staatsexamen vor dem Versand zu digitalisieren. Dies ermögliche nicht nur eine wesentlich schnellere Bearbeitung, sondern auch eine von der Erstkorrektur völlig unabhängige Zweitkorrektur. (David Lohmann)

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