Landtag

Einer der wenigen Lebendspender in Bayern. (Foto: dpa/Frank Rumpenhorst)

23.09.2022

Organspenden in Bayern auf Rekordtief

Die Lebendspenden sind um 25 Prozent, die postmortalen Organspenden sogar um 30 Prozent zurückgegangen

In Deutschland stehen rund 8700 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan – die meisten warten auf eine Spenderniere. Bundesweit gab es letztes Jahr 933 Organspender*innen, das entspricht nur 11,2 Menschen je eine Million Einwohner. Andreas Winhart und Roland Magerl (beide AfD) fragten jetzt in einer Anfrage bei der Staatsregierung nach, wie sich die Zahlen in Bayern entwickelt haben.

Das Gesundheitsministerium schreibt in seiner Antwort, die Zahl der postmortalen Organspenden sei 2021 mit 101 Spenden auf dem niedrigsten Stand seit 2015 gelegen. 2017 gab es immerhin noch 143 postmortale Organspenden – ein Rückgang um rund 30 Prozent. Bei den Lebendspenden sieht es nicht besser aus. Auch hier lag die Zahl der Spenden 2021 mit 78 auf einem Rekordtief. In den Jahren 2016 und 2018 lag die Zahl noch bei 105 – eine Differenz von 25 Prozent. Dabei werden bei den Lebendspenden sogenannte Dominospenden miteingerechnet. Davon spricht man, wenn ein Organ einer weiteren, dritten Person transplantiert werden kann. 

Am häufigsten wurden 2021 in Bayern Nieren transplantiert (255), gefolgt von Lebern (119), Lungen (70), Herzen (27) und Pankreas (12). Insgesamt warten laut dem Haus von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) in Bayern 1080 Menschen auf ein Spenderorgan. Die häufigsten Todesursachen bei den Organspendenden seien sowohl in Bayern (49,5 Prozent) als auch in Deutschland (52,4 Prozent) „intrakranielle Blutungen“ innerhalb des Schädels. Wie viele Menschen einen Organspendeausweis besitzen, kann das Ministerium nicht sagen. Gleiches gilt für die Länge der Wartezeiten auf eine Transplantation oder die Anzahl der Todesfälle mangels Spenderorgan.

Mittel für Informationskampagnen werden immer seltener abgerufen

Um die Bevölkerung über die Möglichkeiten der Organspende aufzuklären, stellt die Staatsregierung seit dem Jahr 2016 jährlich insgesamt 225 000 Euro zur Verfügung. Die Mittel würden insbesondere für Informationskampagnen, Ausstellungswände und Veranstaltungen zum Themenkomplex der Organspende eingesetzt – unter anderem für die Kampagne „Keine Ausreden“, die Aktion „Schulen in die Transplantationszentren“ oder aber auch die Jahrestagung der Transplantationsbeauftragten. Zuletzt wurden die Mittel aber immer seltener abgerufen, 2019 waren es lediglich 131 500 Euro, in der Corona-Pandemie 2020 sogar nur 11 700 Euro. Letztes Jahr immerhin wieder 65 700 Euro.

Abzuwarten bleibt, ob die im Januar 2020 vom Bundestag verabschiedete und im März 2022 in Kraft getretene Organspende-Reform zukünftig die Spendebereitschaft erhöht. Vorgesehen ist beispielsweise ein bundesweites Online-Registers sowie Aufklärungsmaterial in den Ausweisstellen von Bund und Ländern. Und auch in den Hausarztpraxen sollen Patient*innen alle zwei Jahre „ergebnisoffen“ beraten werden. Eine Einwilligung der Person zu Lebzeiten oder durch einen nächsten Angehörigen ist aber weiterhin nötig. (David Lohmann)

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