Landtag

Kinderschuhe bei einer Gedenkveranstaltung: Schwere Gewalt gegen Kinder geschieht häufig im unmittelbaren sozialen Umfeld. (Foto: dpa/Ramon van Flymen)

23.04.2026

SPD-Anfrage: Lücken bei Daten zu getöteten Kindern in Bayern

Schwere Gewalt gegen Kinder sorgt immer wieder für Entsetzen. Eine SPD-Anfrage zeigt Fallzahlen aus Bayern – und macht deutlich, wo Daten fehlen

Ein Fall in Niederbayern machte deutlich, wie gravierend Gewalt gegen Kinder sein kann: Dort wurden mehrere Kinder aus einer Familie geholt, nachdem sie nach Angaben der Behörden misshandelt worden waren. Solche Fälle sorgen immer wieder für große Betroffenheit – und werfen die Frage auf, wie häufig schwere Gewalt gegen Kinder vorkommt und welche Hintergründe sie hat.

Vor diesem Hintergrund haben die Landtagsabgeordneten Florian von Brunn und Arif Tasdelen (beide SPD) eine Schriftliche Anfrage gestellt. Die SPD wollte unter anderem wissen, wie viele Kinder in Bayern in den vergangenen Jahren getötet wurden, welche Tatkonstellationen vorlagen und welche Erkenntnisse es zu Tätern und Hintergründen gibt.

Welche Fragen im Mittelpunkt stehen

Die Anfrage geht deutlich über reine Fallzahlen hinaus. Die SPD interessiert sich nicht nur dafür, wie viele Kinder Opfer von Tötungsdelikten wurden, sondern auch für die Umstände der Taten. Dazu gehören etwa Alter und Geschlecht der Opfer sowie die Beziehung zwischen Täter und Kind.

Ein weiterer Fokus liegt auf den Hintergründen. Die Abgeordneten fragen, ob die Taten im familiären Umfeld stattfanden, welche Tatmittel eingesetzt wurden und ob Hinweise auf psychische Erkrankungen oder andere Belastungssituationen vorlagen.

Zudem soll geklärt werden, ob sich über die Jahre hinweg Entwicklungen erkennen lassen. Ziel ist es, mögliche Muster zu identifizieren und daraus Schlüsse für Prävention und Kinderschutz zu ziehen.

Innenministerium: Erfassung vorhanden, aber begrenzt

Das Innenministerium verweist in seiner Antwort auf die bestehende Datengrundlage: „Die Erfassung erfolgt im Rahmen der Polizeilichen Kriminalstatistik.“ Damit werden Tötungsdelikte grundsätzlich systematisch erfasst.

Gleichzeitig macht das Ministerium deutlich, dass die Aussagekraft dieser Daten begrenzt ist. Viele Hintergründe – etwa Motive oder persönliche Umstände – lassen sich nicht vollständig statistisch abbilden. Entsprechende Informationen liegen häufig nur im Einzelfall vor und sind nicht flächendeckend auswertbar.

Auch detaillierte Zusammenhänge zwischen Täter und Opfer oder zu möglichen psychischen Belastungen werden nicht in allen Fällen systematisch erfasst. Dadurch bleibt ein Teil der Hintergründe im statistischen Gesamtbild unscharf.

Viele Taten im sozialen Nahbereich

Die verfügbaren Daten zeigen, dass ein erheblicher Teil der Taten im direkten sozialen Umfeld geschieht. Täter und Opfer stehen häufig in einem familiären oder persönlichen Verhältnis.

Diese Nähe macht die Fälle besonders komplex. Konflikte, Überforderung oder psychische Ausnahmesituationen können eine Rolle spielen, lassen sich jedoch nur schwer in standardisierte Kategorien fassen.

Das Ministerium weist darauf hin, dass jeder Fall individuell betrachtet werden müsse. Pauschale Aussagen über typische Abläufe oder eindeutige Muster seien daher nur eingeschränkt möglich.

Grenzen der Statistik und offene Fragen

Ein zentrales Ergebnis der Anfrage ist damit auch, wo die Grenzen der verfügbaren Daten liegen. Zwar existieren Fallzahlen, doch viele Details zu Hintergründen, Motiven und Entwicklungen bleiben unklar.

Gerade für die Prävention stellt das eine Herausforderung dar. Ohne belastbare und differenzierte Daten ist es schwieriger, gezielt Maßnahmen zu entwickeln und Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen.

Die SPD sieht deshalb weiteren Bedarf, die Datengrundlagen zu verbessern und bestehende Informationen systematischer auszuwerten, um ein klareres Bild der Lage zu erhalten.

SPD fordert genauere Auswertung

Die SPD bewertet die Antworten als wichtigen ersten Überblick, sieht aber weiterhin Lücken. Sie fordert eine genauere und umfassendere Analyse der vorhandenen Daten.

Ziel sei es, Muster besser zu erkennen und Präventionsmaßnahmen gezielter auszurichten. Gerade bei Gewalt im familiären Umfeld sei es entscheidend, frühzeitig Warnsignale zu identifizieren.

Die Abgeordneten wollen erreichen, dass bestehende Daten künftig besser genutzt werden, um konkrete Maßnahmen im Kinderschutz ableiten zu können. (loh)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Sollen Biolebensmittel umsatzsteuerfrei sein?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Ralf Wintergerst, CEO von Giesecke+Devrient, weist auf einen sehr wesentlichen Umstand der deutschen Politik hin: „Es gibt hierzulande sehr viele Veto-Punkte, wo der eine aus Eigeninteresse den Vorschlag des anderen blockieren kann."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

BR Player
Bayerischer Landtag
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.