Landtag

Telefon-Betrug ist in Bayern im Vergleich zum Vorjahr um über 20 Prozent gestiegen. Opfer sind meist ältere Menschen. (Foto: dpa/Sebastian Gollnow)

19.02.2021

Telefon-Mafia in Bayern immer erfolgreicher

Wenn sich Betrüger als Polizeibeamte ausgeben

Kriminelle geben sich am Telefon als Polizeibeamte aus und erbeuten damit Millionensummen. Obwohl die Polizei eindrücklich warnt und auch Medien immer häufiger über die Masche berichten, erlebt diese Art des Verbrechens gerade 20 Jahre nach dem ersten Vorfall einen Boom – insbesondere im wohlhabenden Oberbayern. Dabei suchen die Täter*innen im Telefonbuch gezielt nach älteren Namen und vierstelligen Telefonnummern. Besonders perfide: Manchmal erscheint bei den Opfern sogar die 110 als Anrufnummer auf dem Display. Markus Rinderspacher (SPD) wollte jetzt wissen, wie sich die Telefon-Mafia in Bayern verbreitet hat.

Das Innenministerium schreibt in seiner Antwort, allein im Jahr 2020 habe es bis zum Stichtag 22. November insgesamt 21.060 Fälle von Telefon-Betrug in Bayern gegeben – das ist eine Steigerung von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei haben die Täter insgesamt über 14 Millionen Euro erbeutet. Besonders im Trend ist die Betrugsmasche, bei der sich die Anrufer als Polizeibeamte ausgeben und Geld oder Wertgegenstände zur „Sicherung“ oder „Überprüfung“ abholen lassen. Davon gab es in 2020 in Bayern insgesamt 15 741 Fälle mit einer Beute von 9,2 Millionen Euro. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

Enkeltrick

Eine weitere Masche ist laut dem Haus von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der „Enkeltrick“. Dabei geben sich die Betrüger als Angehörige aus und bitten um Geld für Immobilien oder Kraftfahrzeuge. Ähnlich wie beim Enkeltrick nehmen die Täter beim „Schockanruf“ Kontakt auf, um von einem Unfall eines nahen Angehörigen zu berichten und beispielsweise Geld zur Bezahlung einer Strafe zu fordern. Die führenden Köpfe der Täterorganisationen sitzen laut Staatsregierung in der Türkei („Falscher Polizist“) und in Polen („Enkeltrick“ und „Schockanruf“) und initiieren vom Ausland aus die betrügerischen Telefonanrufe.

Wie viele Verurteilungen es gibt, kann das Ministerium nicht sagen. „Merkmale wie ‚Telefon-Mafia‘, ‚Enkeltrick‘ oder ‚falscher Polizist‘ würden bei den Staatsanwaltschaften nicht erfasst. Zur Bekämpfung der Telefon-Mafia würde die Bayerische Polizei aber sowohl mit internationalen Sicherheitsbehörden als auch mit außerbayerischen Fachdienststellen zusammenarbeiten, unter anderem mit dem Landeskriminalamt Schleswig-Holstein, das eine „Täterstimmen-Datenbank“ zentral für ganz Deutschland führt. Für Betrug reicht der Strafrahmen von Geldstrafen bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Zuletzt kam es zu einer groß angelegten Festnahmeaktion in Izmir.

SPD-Europasprecher Rinderspacher ist über die hohen Zahlen sauer. „Der Betrugstrick des falschen Polizisten ist eine ganz fiese Masche, bei dem das hohe Vertrauen in unsere Uniformträger missbraucht wird.“ Er wünscht sich eine intensivere internationale Polizeizusammenarbeit und eine bessere Beratung und Aufklärung der potenziellen Opfer von Telefon-Trickbetrügern.
(loh)

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