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Ab dem kommenden Schuljahr sollen dort zur Behebung festgestellter Defizite in den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechnen vier Stunden mehr Deutsch und zwei Stunden mehr Mathematik unterrichtet werden. (Foto: dpa/Franka Bruns)

01.03.2024

Weniger Kunst und Musik

Nach dem Pisa-Desaster soll mehr Deutsch und Mathe unterrichtet werden – aber nicht auf Kosten des Religions- und Sportunterrichts

Kultusministerin Anna Stolz hat im Bildungsausschuss ihre Pläne für die „Pisa-Offensive Bayern“ an den Grundschulen präzisiert. Ab dem kommenden Schuljahr sollen dort zur Behebung festgestellter Defizite in den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechnen vier Stunden mehr Deutsch und zwei Stunden mehr Mathematik unterrichtet werden. Um den zusätzlichen Unterricht in diesen Fächern zeitlich auszugleichen, wird die übrige Stundentafel flexibilisiert, sodass unter dem Strich die Wochenstundenzahl gleich bleibt. Das Modell von Stolz sieht keine Streichung einzelner Fächer vor. Innerhalb eines festen Rahmens können die Schulen vor Ort aber individuell Schwerpunkte setzen.

Der von Stolz vorgestellte Rahmen gibt vor, dass die Stundenzahl in Heimat- und Sachkunde sowie Sport und Religion unverändert bleiben muss. Flexibilisierungen ohne feste Stundenvorgabe sind demnach in den Fächern Kunst, Musik und Werken, die in den Jahrgangsstufen 3 und 4 zu einer Fächergruppe zusammengefasst werden, sowie Englisch möglich. Die von ihr ins Gespräch gebrachte Einbeziehung von Religion in die Flexibilisierung konnte Stolz gegen den Widerstand der Kirchen und des Koalitionspartners CSU nicht durchsetzen. Neu in ihrem Modell ist eine flexible Wochenstunde, die auch für „epochalen Unterricht“ genutzt werden kann. Konkret bedeutet dies, dass manche Fächer im halbjährlichen Wechsel stattfinden können.

Ergänzend will Stolz die Unterrichtsqualität ausbauen. In Deutsch soll ab der zweiten Klasse ein systematisches Leseförderprogramm mit täglichem Lesetraining von 30 Minuten eingeführt werden, flankiert von Maßnahmen zum besseren Textverständnis und -verfassen sowie einem Rechtschreibtraining. Stolz betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Eltern in der Leseerziehung. In Mathematik soll eine bundesweite Initiative zur Weiterentwicklung des Unterrichts umgesetzt werden. Als weitere Maßnahmen nannte Stolz eine wissenschaftsbasierte Diagnose des Lernfortschritts, eine Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte und eine Überarbeitung der Lehrpläne.

"Nichts gekürzt, aber überall mehr - das passt nicht zusammen", kritisiert die CSU

Als weitere Maßnahme kündigte Stolz eine verpflichtende Sprachstandserhebung für alle Kinder eineinhalb Jahre vor der Einschulung an. Durchgeführt werden die Pflichttests durch die örtlich zuständigen Grundschulen. Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse müssen dann eine verpflichtende Sprachförderung durchlaufen, erläuterte Stolz. Sollten ein Jahr später weiterhin gravierende Sprachdefizite bestehen, wird die Einschulung bei weiterer Förderung um ein Jahr verschoben. „Wir werden keine Kinder mehr einschulen, die nicht über die dafür notwendigen Deutschkenntnisse verfügen“, betonte Stolz. Um die schulische Erstintegration von älteren zugewanderten Kindern zu verbessern, wird es ab dem kommenden Schuljahr für die fünfte und sechste Jahrgangsstufe schulartübergreifende Klassen für Kinder mit Flucht- oder Migrationshintergrund geben. Sie ersetzen die bisherigen Deutsch- und Brückenklassen an den verschiedenen Schularten. Die Deutschklassen in den Jahrgangsstufen 7 bis 9 an den Mittelschulen bleiben bestehen.

Die Vorschläge der Ministerin stießen im Ausschuss auf ein geteiltes Echo. So wurde die Fokussierung auf die Grundkompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen allgemein begrüßt. Nach Einschätzung von Gabriele Triebel (Grüne) dürfe das aber nicht zulasten musischer Fächer gehen. Dass Stolz betone, es werde nichts gestrichen, sei „mehr als ein Euphemismus“. Peter Tomaschko (CSU) sah zudem die Gefahr, dass die Schulen mit der auf sie übertragenen Flexibilisierung überfordert würden. „Nichts gekürzt, aber überall mehr – das passt nicht zusammen“, urteilte er. Stolz’ Konzept müsse deshalb noch „ergänzt und weiterentwickelt werden“. Nicole Bäumler (SPD) sprach von einem als „Pseudoflexibilisierung getarnten Streichkonzert“. Markus Walbrunn (AfD) plädierte dafür, den Rotstift statt in den musischen Fächern in Religion und Englisch anzusetzen. Der Freie Wähler Martin Brunnhuber hingegen lobte Stolz für ihr „sehr ausgereiftes Konzept“. 

Als weitere Maßnahme kündigte Stolz eine verpflichtende Sprachstandserhebung für alle Kinder eineinhalb Jahre vor der Einschulung an. Durchgeführt werden die Pflichttest durch die örtlich zuständigen Grundschulen. Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse müssen dann eine verpflichtende Sprachförderung durchlaufen, erläuterte Stolz. Sollten ein Jahr später weiterhin gravierende Sprachdefizite bestehen, wird die Einschulung bei weiterer Förderung um ein Jahr verschoben. „Wir werden keine Kinder mehr einschulen, die nicht über die dafür notwendigen Deutschkenntnisse verfügen“, betonte Stolz. Um die schulische Erstintegration von älteren zugewanderten Kindern zu verbessern, wird es ab dem kommenden Schuljahr für die 5. und 6. Jahrgangsstufe schulartübergreifende Klassen für Kinder mit Flucht- oder Migrationshintergrund geben. Sie ersetzen die bisherigen Deutsch- und Brückenklassen an den verschiedenen Schularten. Die Deutschklassen in den Jahrgangstufen 7 bis 9 bleiben an den Mittelschulen bleiben bestehen.

Die Vorschläge der Ministerin stießen im Ausschuss auf ein geteiltes Echo. So wurde die Fokussierung auf die Grundkompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen allgemein begrüßt. Nach Einschätzung von Gabriele Triebel (Grüne) dürfe das aber nicht zu Lasten musischer Fächer gehen, die für die ganzheitliche Entwicklung der Kinder wichtig seien. Dass Stolz betone, es werde nichts gestrichen, sei "mehr als ein Euphemismus". Wenn es sechs Stunden mehr Deutsch und Mathematik gebe, aber insgesamt nicht mehr Unterrichtsstunden, müsse logischerweise irgendwo anders etwas wegfallen.

So bewertete das auch Peter Tomaschko (CSU). Er sehe zudem die große Gefahr, dass die Schulen mit der auf sie übertragenen Flexibilisierung überfordert würden. "Nichts gekürzt, aber überall mehr - das passt nicht zusammen", urteilte er. Stolz' Konzept müsse deshalb noch "ergänzt und weiterentwickelt werden". Es müsse an den Grundschulen wieder eine "Kultur des Übens" etabliert werden. Nicole Bäumler (SPD) sprach von einem als "Pseudo-Flexibilisierung getarnten Streichkonzert". Die Schulen könnten aufgrund der Vorgaben nicht ihre eigenen Schwerpunkte setzen. Stolz' Vorlage enthalte auch keine Angaben zur notwendigen Verbesserung der individuellen Förderung. Markus Walbrunn (AfD) bemängelte, es werde an der falschen Stelle gekürzt. Statt in den musischen Fächern hätte man in Religion und Englisch den Rotstift ansetzen sollen. Der Freie Wähler Martin Brunnhuber lobte Stolz für ihr "sehr ausgereiftes Konzept", das eine "überzeugende Antwort auf die erschreckenden Ergebnisse der jüngsten Pisa-Studie" sei. (Jürgen Umlauft)

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