Landtag

Der Bauausschuss und die Vorstände der Baugenossenschaft „Das große kleine Haus“ bei der Baustellenbegehung. (Foto: loh)

17.04.2026

Gebäudetyp E: Weniger Normen reichen oft aus

Bauausschuss: In München wird der Gebäudetyp E erprobt – das erste Gebäude steht kurz vor der Fertigstellung

Im Münchner Kreativquartier wird getestet, wie Bauen auch ohne strikte Einhaltung aller Normen funktionieren kann. Der Bauausschuss informierte sich vor Ort über konkrete Einsparpotenziale. Klar ist: Das Modell funktioniert – doch ein Problem gibt es.

Ein grünes Haus mit rosafarbenen Balkonen ragt im Münchner Kreativquartier in Neuhausen in den Himmel. Auch wenn es auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Baustelle aussieht: Hier wird gerade Baugeschichte geschrieben. Deshalb traf sich der Bauausschuss diese Woche zur Baustellenbegehung.

Vor Ort ging es darum, wo sich beim Bauen konkret Geld sparen lässt. Denn der Gebäudetyp E, der hier umgesetzt wird, erlaubt es, von bestehenden Normen abzuweichen. Er ist Teil eines bayernweiten Pilotprogramms mit insgesamt 19 Projekten. Sicherheitsanforderungen wie etwa der Brandschutz müssen natürlich weiter eingehalten werden.

Beim Rundgang durch den Rohbau wird schnell deutlich, wie konkret diese Einsparungen aussehen. Technik wird reduziert, wo sie nicht zwingend notwendig ist. Es gibt keine Fußbodenheizung, die Heizkörper sitzen zudem nicht wie üblich an den Fenstern, wie es viele gängige Planungsregeln vorsehen. Das spart Material und Leitungen. Durch die dreifach verglasten Fenster ist diese Anordnung auch weniger bedeutend als früher. In den Bädern fehlt eine feste Heizung sogar ganz. Stattdessen gibt es Steckdosen für Heizlüfter.
Die Raumtemperaturen liegen etwas unter dem üblichen Standard von 21 bis 22 Grad, seien im Alltag aber ausreichend. Nur an wenigen sehr kalten Wintertagen würden diese Werte unterschritten. „Viele Anlagen sind heute schlicht überdimensioniert“, sagt Rainer Hofmann, Architekt und Mitgründer der Genossenschaft „Das große kleine Haus“.

Keine Tiefgarage

Auch an anderer Stelle wird vereinfacht gebaut. Auf eine Tiefgarage wurde verzichtet, da beim Aushub in innerstädtischen Lagen oft Altlasten auftreten und deren Entsorgung hohe Kosten verursacht. Ebenso fehlt eine aufwendige Entwässerung im Keller mit Hebeanlage, die in vielen Neubauten Standard ist.

Türen und Türrahmen stammen aus alten Bürogebäuden und sind nur etwa 1,90 Meter hoch – üblich sind heute rund 2,10 Meter. Rund 30 Tonnen Stahl wurden wiederverwendet, auch die Balkone bestehen aus recyceltem Material und kommen ohne Regenrinnen aus – selbst das spart zusätzliche Kosten. Auch beim Schallschutz wird der Mindeststandard leicht unterschritten – obwohl auf dem Gelände auch Konzerte stattfinden sollen.

Nach Angaben des Genossenschaftsvorstands konnten so insgesamt mehr als 10 Prozent der Baukosten eingespart werden. Die Nettomieten sollen bei etwa 12,20 bis 13,50 Euro pro Quadratmeter liegen. „Das ist für München wirklich nicht schlecht“, so Hofmann.

So überzeugend die Einsparungen sind, die Haftungsfrage bleibt offen. Wird von Normen abgewichen, ist nicht eindeutig geklärt, wer im Problemfall verantwortlich ist. In einer Genossenschaft relativiert sich das, weil die Bewohner zugleich Eigentümer sind und sich im Zweifel selbst verklagen müssten. Für private Bauherren und Investoren stellt das jedoch ein deutlich größeres Risiko dar.

Markus Striedl (AfD) interessierte sich bei der Begehung vor allem für das Potenzial des Gebäudetyps E, Martin Behringer (Freie Wähler) betonte die Bedeutung des Zusammenhalts innerhalb der Genossenschaft. Der Grüne Jürgen Mistol zeigte sich zufrieden: „Der Gebäudetyp E ist das beste Modell und darf kein Pilotprojekt bleiben.“ Aber – und das sah auch der überwiegende Teil der anderen Abgeordneten so: „Die Haftungsfragen müssen endlich vom Bund geklärt werden.“ (David Lohmann)
 

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