Mit Freude und auch ein wenig Stolz blickt Stephan Masepohl, Kapitän zur See und Leiter des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr, auf das, was in Rekordzeit in Feldkirchen entstanden ist: eine beleuchtete Straße, ein Trafohaus und drei nagelneue Containergebäude.
Das noch fehlende Grün zeigt, dass alles nagelneu ist. Doch innen ist bereits alles fertig eingerichtet und diejenigen, für die die neuen Räumlichkeiten errichtet wurden, sind schon eingezogen. Die Bundeswehr erweitert temporär ihre Kapazitäten auch im Freistaat Bayern, und zwar an zwölf Standorten.
„Stärkster Aufwuchs seit der Gründung“
Im Rahmen des Sofortprogramms Infrastrukturbedarf Personalgewinnungsorganisation, kurz SIPGO, sind in der Gäubodenkaserne im Landkreis Straubing-Bogen vergangene Woche exemplarisch für ganz Bayern neue Unterbringungsmöglichkeiten für Soldaten offiziell übergeben worden. Seit 1. Oktober sind sie mit Leben erfüllt – von Rekruten und ihren Ausbildern.
Ziel des SIPGO-Programms ist es, schnell flexible, containerbasierte Infrastruktur an regional für den Aufwuchs der Streitkräfte geeigneten Standorten bereitzustellen. Neben Feldkirchen werden in Bayern unter anderem die Kasernen in Bischofswiesen, Mittenwald, Dillingen, Weiden, Veitshöchheim, Bogen, Roding und Freyung fit für die Unterbringung neuer Soldaten gemacht.
Masepohl, der den Ausbau maßgeblich begleitet hat, fasst die Dimension in einem Superlativ zusammen: „Es ist der stärkste Aufwuchs seit der Gründung der Bundeswehr.“ Masepohl unterstreicht die Bedeutung des Bundeswehraufbaus: In zwei oder drei Dekaden des Friedens und der Stabilität seien Truppen verkleinert und Kasernen geschlossen worden. Wegen der aktuellen Bedrohungslage müsse nun aber schnell gehandelt werden: „2029 wäre Russland in der Lage, einen Nato-Staat anzugreifen.“
Da sich die Koalition auf die Freiwilligkeit des Wehrdienstes verständigt hat, sei es wichtig, „die Leute dort abzuholen, wo sie wohnen, um ihnen Anreize zu geben“. Also sei es wichtig, vor allem Kapazitäten in den Ballungszentren zu schaffen. Deshalb habe man eine Sichel durch Deutschland festgelegt.
In den zwölf bayerischen Liegenschaften entstehen rund 2700 Unterbringungsplätze für die Rekruten mit einem Finanzvolumen von rund 86 Millionen Euro. 300 Plätze sind in der Gäubodenkaserne geschaffen worden, dort wurden 17 Millionen Euro investiert: „Feldkirchen steht dabei beispielhaft für die Leistungsfähigkeit der Bundeswehr.“ Die Herausforderung sei aber groß gewesen: „Wir waren sehr beschäftigt und sind zufrieden, was wir geschafft haben.“ Bis die Container fertig waren, vergingen lediglich 21 Wochen.
Das Staatliche Bauamt Ingolstadt steuert und vergibt im Rahmen des Bundesprogramms SIPGO bundesweit die Rahmenverträge für modulare Containerunterkünfte der Bundeswehr. Arno Zobel, Bereichsleiter Hochbau, beschreibt den Umfang des Projekts als enorm. Allein zwei dicke Aktenordner voller Bieteranträge sind eingegangen und der Zuschlag wurde auf 32 Unternehmen verteilt.
Bleibt der Dienst auch freiwillig?
In Feldkirchen sind moderne, funktionale Containerunterkünfte, ausgelegt auf Zweifachbelegung, Sanitärmodule, vielseitig nutzbare Funktionsflächen sowie zeitgemäße Ausbildungsräume entstanden. Sandra Ertl, Leiterin des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums (BwDLZ) Bogen, nennt zum Beispiel Container mit Wohnraum, Duschen, aber auch Treppen als Bestandteile der schnell errichteten Gebäudelösung.
Für Oberstleutnant Florian Beerenkämper geht es nun darum, die Container mit Leben zu füllen: „Erst die Menschen geben diesem Gebäude seinen eigentlichen Sinn.“ Er ist Kommandeur des Versorgungsbataillons 4, das die Ausbildung in Feldkirchen übernimmt. Eingezogen seien in Feldkirchen nun junge Menschen, die zum ersten Mal Uniform tragen und in Kontakt mit militärischer Ausbildung kommen, zeigt er auf und macht auch eines klar: „Ein solches Projekt hätte es vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine nicht gegeben.“
Und der Kapitän zur See Stephan Masepohl bekräftigt: Genau solche schnell und erfolgreich durchgeführten Maßnahmen dienten zur militärischen Abschreckung.
Die Zahl der Rückläufe an versendeten Fragebögen sei bislang hoch. Darin können die jungen Menschen, die angeschrieben werden, angeben, ob sie sich vorstellen könnten, freiwillig Wehrdienst zu leisten. Männer müssen den Fragebogen ausfüllen. „Erst 2027 und 2028 werden wir aber den Wasserstand sehen“, ist sich der Kapitän zur See sicher. Dann wird auch klar, ob sich genügend Interessenten melden und der Wehrdienst langfristig freiwillig bleiben wird. (Melanie Bäumel-Schachtner)
Kommentare (0)
Es sind noch keine Kommentare vorhanden!