Leben in Bayern

Oans, zwoa - gsuffa! (Foto: dpa)

27.09.2017

Ein Prosit auf den Bierkonsum

Gemütlichkeit, nicht Trunkenheit soll das Ziel sein, wenn "Ein Prosit der Gemütlichkeit" erklingt. Oder?

"Oans, zwoa - gsuffa!" Wer könnte sich diesem Schlachtruf entziehen und die Maß nicht erheben zum gemeinschaftlichen Leeren? "Ein Prosit der Gemütlichkeit" schallt regelmäßig durch die Wiesn-Zelte - und damit rinnen rein rechnerisch mehrere hundert Liter auf einmal durch die Kehlen.

Aber bringt das Prosit mehr Umsatz? Die Wirte sagen: Nein. Das Lied gehöre einfach zur Wiesn. Warum auch immer: Es ist seit mehr als hundert Jahren auf dem Oktoberfest der Bierzelthit schlechthin.
Mit zwanzig bis dreißig Schluck, schätzen Oktoberfest-Kenner, ist eine Maß geleert. Das passt zu einer Untersuchung brasilianischer Wissenschaftler, nach der ein Schluck - wenngleich Wasser - etwa 50 Milliliter umfasst, bei Männern etwas mehr, bei Frauen weniger.

Mal angenommen, dass Bier auf der Wiesn wie Wasser konsumiert wird und auch andere Getränke in ähnlicher Menge durch die Kehle flutschen: Hat ein Zelt 8000 Plätze und alle trinken beim "Prosit" mit, so wären das mit einem gemeinschaftlichen Schluck etwa 400 Liter. Macht bei einem maximalen Bierpreis von 10,95 Euro - andere Getränke sind kaum billiger - mehr als 4000 Euro.

Zwei bis drei Mal wird "Prosit" in der Stunde gespielt

Das allerdings ist nur eine trockene Rechnung. In feucht-fröhlicher Realität kann das ganz anders aussehen. Mancher leert den Krug vielleicht auf "ex", andere trinken gar nicht mit.

Zwei bis drei Mal, so schätzen Insider, wird das Prosit pro Stunde gespielt, vormittags weniger, abends mehr. Das Trinklied mit dem obligatorischen "Oans, zwoa - gsuffa!" war, so hat die Gema kürzlich enthüllt, der meistgespielte Song auf der Wiesn 2016. Die Gema wertet für Musikautoren die Nutzung aus, damit sie dafür entlohnt werden - und hat die Daten für die Wiesn aufbereitet.

Die Erkenntnis der Verwertungsgesellschaft steht im Widerspruch zu der Wiesnhit-Wahl der Festleitung, die im vergangenen Jahr "Hulapalu" von Andreas Gabalier kürte. Nach Gema-Angaben landete "Hulapalu", von Wiesnchef Josef Schmid (CSU) 2016 gepriesen als sprachenübergreifend und auch bei höherem Promillewert verständlich, nur auf Platz fünf.

Kein Wirt will das Zelt voller Betrunkener haben - so die offizielle Aussage

Bei dem alljährlich gesuchten Wiesnhit gehe nicht nur um reine Zahlen, sondern um einen Trend bei neuen Songs, die gut ankommen, sagt Schmid. "Dass "ein Prosit der Gemütlichkeit" besonders oft gespielt wird, steht außer Frage. Aber das wäre ja langweilig, wenn wir es jedes Jahr zum Wiesnhit küren würden."

Denn die Vermutung liegt nicht ganz fern, dass das Prosit nicht nur 2016 vorne lag. Dass das häufige Abspielen des Trinkliedes, das originär nicht einmal aus München stammt, System hat oder gar zum Trinken animieren solle, weisen die Wirte zurück. Es gebe keine Anweisungen an die Kapellen, sagen sie unisono. Die Musiker seien in der Wahl ihrer Lieder frei.

"Wir reden der Musik nie drein, was sie spielen, ist ihre Sache", sagt Wirtesprecher Toni Roiderer. Mehr Umsatz bringe das "Prosit" auch nicht. Denn wer dazu den Krug hebe, trinke zwischendrin weniger. Schließlich steigere das Lied nicht die persönliche Trinkkapazität. Außerdem wolle kein Wirt ein Zelt voller Betrunkener haben. "Unser Ziel ist, dass die Leute zufrieden sind." Das "Prosit" sei einfach ein Evergreen.

Und das ist es schon seit mehr als hundert Jahren. Das Trinklied kam ursprünglich aus Chemnitz, wo es der Musiker und Chorleiter Bernhard Dittrich Ende des 19. Jahrhunderts komponierte. Georg Lang, Wirt aus Nürnberg, etablierte das Lied wenig später auf der Wiesn.

Er sei darauf so stolz gewesen, dass er den Spruch zwischen dem Fachwerk des Zelts anbringen ließ, schreiben Historiker des Münchner Stadtmuseums. Lang stellte eine feste Kapelle an, ließ 1898 Textheftchen mit dem Lied drucken und verteilte sie an die Gäste - der Oktoberfesthit schlechthin war geboren.
(Sabine Dobel, dpa)

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