Leben in Bayern

Preisträger Marcel Huber (l), Präsident des bayerischen Musikrates und Sepp Obermeier, Vorsitzender des Bundes Bairischer Sprache, im Oktober bei der Verleihung der Bairischen Sprachwurzel an den eheamligen Umweltminister Marcel Huber. (Foto: dpa/Uwe Lein)

21.02.2022

"Erbarmungslose Dialektdiskriminierung"

Internationaler Tag der Muttersprache: Auch Mundart ist Muttersprache, finden Dialektpfleger in Bayern. Sie fordern mehr Offenheit gegenüber der regionalsprachlichen Vielfalt

Der Bund Bairische Sprache setzt sich für die Pflege der Mundart ein und appelliert einmal mehr an Toleranz gegenüber Dialektsprechenden. "Die Zeiten der ebenso geist- wie erbarmungslosen Dialektdiskriminierung sind noch lange nicht vorbei", sagt der Vorsitzende Sepp Obermeier aus Konzell (Landkreis Straubing-Bogen) mit Blick auf den Internationalen Tag der Muttersprache (21. Februar). In etlichen europäischen Ländern gebe es Sprachschutzgesetze, die sich Deutschland zum Vorbild nehmen könnte.

Als Beispiel nennt er Norwegen: "Dort wird die offizielle Hochsprache in sechs regionalen Standardvarietäten gesprochen und geschrieben. Das Sprechen lokaler Dialekte ist darüber hinaus in allen gesellschaftlichen Schichten und zu allen Anlässen üblich." Das Sprachschutzgesetz verbiete es zudem Lehrern, Schulkinder zu maßregeln, wenn sie mündlich ihren angestammten Dialekt verwenden.

In Deutschland dagegen würden Kinder in Schulen oder Kindergärten immer wieder angewiesen, hochdeutsch zu reden und ihren Dialekt nur zu Hause zu sprechen. Damit müsse Schluss sein, fordert Obermeier. "Wenn heute die Gesellschaft immer sensibler auf Diskriminierungen von Minderheiten reagiert, muss auch die Verächtlichmachung der eigenen Kultur endlich ein Ende haben."

Gesucht wird auch heuer das "Oberfränkische Wort des Jahres"

In der Öffentlichkeit werde Dialekt unterschwellig oft als "kurioses Idiom zurückgebliebener Hinterwäldler", dargestellt, sagt Obermeier und verweist auf Persiflagen dialektsprechender Politiker. "Eine Gesellschaftsschicht, die sich so viel auf ihren Kosmopolitismus, ihre Weltläufigkeit, ihre Toleranz einbildet, gerät völlig aus dem Häuschen, wenn sie mit ein wenig phonetischer Diversität konfrontiert wird. Was kann eigentlich provinzieller sein?"

Der Bezirk Oberfranken in Bayreuth startet zum Tag der Muttersprache regelmäßig eine Wahl zum "Oberfränkischen Wort des Jahres". Auch in diesem Jahr können Bürger Vorschläge einreichen, wie eine Sprecherin mitteilte. "Wir in Oberfranken reden gerne so, wie uns der Schnabel gewachsen ist", sagt Bezirkstagspräsident Henry Schramm. "Dabei bereichert uns der Dialekt, indem er das Gemeinte oftmals präziser, emotionaler, bildlicher und originell beschreibt."

2021 hatte bei der Oberfränkisch-Wahl das Wort "Erpfl" (Kartoffel) gewonnen, 2020 der "Fregger" (frecher, aber sympathischer Mensch/Frechdachs), 2019 waren es "Sternlaschmeißer" (Wunderkerzen).

In Altbayern soll ein Projekt des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte e.V. (FBSD) den Dialekt wieder in die Schule bringen. Der Verein kürte die besten Schüler-Raps auf Bairisch. "Rap de Schui" heißt das Projekt. Gewinnerin ist die Schülerin Teresa Waldherr aus Traunstein mit ihrem Lied "Weißblau trifft Grüngelb".
(dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll das Ehegattensplitting abgeschafft werden?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Bundesforschungsministerin Dorothea Bär will mit ihrer Hightech-Agenda Deutschland technologisch auf ein neues Level bringen. Im Gespräch mit dem vbw Unternehmermagazin spricht sie über die Herausforderungen.

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.