Leben in Bayern

Bei der großen Hitze in diesem Sommer sind Trinkwasserbrunnen in Städten und Gemeinden viel wert. (Foto: dpa, Wolfgang Maria Weber)

03.07.2026

Flüssiger Hitzeschutz: Trinkwasserbrunnen auf dem Vormarsch

Fast in jeder bayerischen Kommune kann man sich mit Trinkwasserspendern erfrischen – jetzt wird dieser bisher freiwillige Service Pflicht

Das Weinfest in Kitzingen hatte diesmal einen ungeahnten Konkurrenten: den örtlichen Gratis-Wasserspender direkt an der Touristeninformation. Kein Wunder. Denn bei glühenden 40,8 Grad, die dort in Unterfranken am 26. Juni den diesjährigen bayerischen Hitzerekord markierten, war der Trinkwasserbrunnen beliebtester Anlaufpunkt für Einheimische und Gäste gleichermaßen.

Tags wie nachts füllten Menschen immer wieder ihre mitgebrachten Gefäße mit Wasser. Die Leute tranken direkt an der Stele aus Bechern, Flaschen, Schalen – sogar aus der hohlen Hand, um ihren Durst zu stillen. So erzählt es Ralf Dieter, Sprecher der Kleinstadt.

Neues Sonderprogramm für Trinkwasser läuft

Zum Glück gibt es in bayerischen Kommunen heute schon eine Vielzahl an öffentlichen Trinkbrunnen, an denen man Trinkwasser genießen kann. Wurde dieser „Getränkeservice“ bisher freiwillig von den Kommunen zur Verfügung gestellt, ändern die Novellierung des Wasserhaushaltsgesetzes, der Artikel 16 der EU-Trinkwasserrichtlinie sowie das in Kraft getretene neue Bayerische Wassergesetz für Kommunen künftig einiges. Diese sind nun zur wassersensiblen Stadtentwicklung verpflichtet. Heißt, Wasserwirtschaft und Planung müssen grundlegend an die Folgen des Klimawandels angepasst werden. Öffentliche Trinkwasserspender gehören dazu.

Bereits im April 2025 hat der Freistaat sein Sonderprogramm „Kommunale Trinkbrunnen“ ins Leben gerufen. Noch bis Ende 2028 können im Sinne der allgemeinen Gesundheitsvorsorge Fördermittel des Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz für den Neubau von öffentlichen Trinkbrunnen abgerufen werden.

Aus dem Ministerium heißt es auf BSZ-Anfrage, dass im Rahmen dieses laufenden Programms aktuell 68 Vorhaben genehmigt wurden, die den Neubau von 91 Trinkbrunnen vorsehen. Maximal zwei Trinkwasserbrunnen würden mit jeweils maximal 10 000 Euro und 90 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten pro Kommune gefördert. Dieses Konzept gab es bereits in den Jahren 2021 bis 2024. Mehr als 200 neue Wasserstellen entstanden so.

Die Anlagen stehen laut Ministerium auf Plätzen, Schulhöfen, Parks oder stark frequentierten kommunalen Flächen, die Gelder seien vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt freigegeben.

Viele Städte, fast jede bayerische Gemeinde, haben also heute mindestens einen jedem zugänglichen Wasserspender. So meldet etwa Würzburg acht Trinkbrunnen, die beiden neuesten in den Stadtteilen Grombühl und Heidingsfeld. „Die Brunnen kamen zur richtigen Zeit“, sagt Christian Göpfert, Leiter der Stabsstelle Klima und Nachhaltigkeit der Frankenmetropole.

In München – eine der bundesweit am meisten versiegelten Städte, die sich regelmäßig aufheizt – betreibt das Baureferat 115 neue Trinkwasserstelen, die bis zum Jahr 2027 auf 120 Stück im Stadtbereich anwachsen sollen. Diese Brunnen sind so eingestellt, dass pro Anforderung circa ein halber Liter Wasser ausgegeben wird, heißt es aus dem Referat. 

Auch die Kreisstadt Günzburg mit rund 21 000 Einwohnern bietet dank der Förderung seit dem vergangenen Jahr zwei Wasserstelen. Der Standort am Waldbad, am Trimm-dich-Pfad und zum Donau-Radwanderweg machen ihn zum idealen Punkt für Sportler, Wanderer und Radfahrer, die sich unkompliziert erfrischen können, meldet das Rathaus.

Die kleinste eigenständige Kommune Bayerns, die Gemeinde Chiemsee, hat ebenso reagiert. Kostenfrei kann man sowohl auf der Frauen- als auch auf der Herreninsel an öffentlichen Trinkbrunnen kostenfrei Wasser zapfen. Auf dem Festland in Prien wurden zwei weitere Trinkbrunnen als geförderte Maßnahme erstellt: am Wendelsteinpark und am Heimatmuseum. Kostenpunkt pro Einheit rund 26 000 Euro. Die Marktgemeinde nutzte dabei tatsächlich die staatliche Förderung von 90 Prozent, bestätigt die Geschäftsleitung der BSZ. 

Doch Trinkbrunnen sind das eine. Hitzeaktions- sowie Hitzeschutzpläne, wie sie aktuell auch politisch gefordert werden, das andere. In Straubing, Bayreuth, Würzburg, Regensburg, Nürnberg oder Augsburg existieren sie bereits.

Die Grünen-Landtagsfraktion hält die Verpflichtung der Kommunen zu Klimaschutz und Klimaanpassung für sinnvoll, denn dann müsste der Freistaat sie auch entsprechend finanziell ausstatten.

Die Grünen fordern auch eine landesweite digitale Karte, auf der alle Bürgerinnen und Bürger schnell herausfinden können, wo es in ihrer Umgebung einen öffentlich zugänglichen kühlen Ort gibt. Eine Landtagsanfrage zeigt, dass es bisher keine solche bayernweite, flächendeckende Auflistung gibt.

Vorbild für einen Hitzeschutzplan

Doch es gibt Vorbilder, wie so ein „Hitzeschutzplan“ aussehen kann. Eigeninitiativ hat etwa der Münchner Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg vor zwei Jahren für seine über 100 000 Bürger des Stadtviertels 9 die Broschüre „Hitzeknigge“ entworfen. Mit Infos vom Umweltbundesamt gepaart, sind hier Wasserspender und schattige Orte sowie Tipps, wie man sich akut an heißen Tagen schützen kann, aufgelistet. So leistet dieser Ratgeber seinen Beitrag, Viertelbewohner zu sensibilisieren und ihnen mehr Sicherheit im Umgang mit Hitzesituationen vor Ort zu geben, so der Bezirksausschuss.

Und auch Aschaffenburg hat reagiert: Die Stadt hat längst nicht nur die Standorte der sieben eigenen Trinkbrunnen, sondern alle Orte notiert, die Abkühlung an rekordverdächtigen Wärmetagen bieten. Aktiv werden die Bürger derzeit aufgefordert, bis Ende Juli weitere konkrete Wünsche und Hinweise für „Hitzespots“ zu melden, damit die Kommune sie umsetzen kann.

Werden etwa in der Landeshauptstadt alle 115 Brunnen wöchentlich gereinigt und inspiziert, monatlich eine Probe zur mikrobiologischen Untersuchung genommen, um Verunreinigungen der Leitungen oder Bakterien im Wasser auszuschließen, so gibt es noch andere Gründe, warum das Gratiswasser bei aller Instandhaltung nicht immer fließt. So wurde etwa in Freising die Wasserstele am Skaterplatz mutwillig demoliert und verbogen – bevor sie offiziell in Betrieb genommen werden konnte. Fazit: Aus der geplanten Einweihung wurde wegen der Vandalen erst mal nichts.

Im oberpfälzischen Amberg hingegen stoppte die Natur am Schweinchenbrunnen die Wasserversorgung, erklärt Sprecher Simon Hauck: Baumwurzeln haben die unterirdischen Leitungen beschädigt. Die aufwendigen Aufgrabungen und der Ersatz der Ableitung sollen aber so schnell wie möglich erfolgen, verspricht er. So lange spendet der Bürgerbrunnen am Eichenforstplatz gewohnt weiter reines Frischwasser. 

Wie die Sommertemperaturen und die Anzahl der Hitzetage pro Jahr, wächst auch die aktuelle Gesamtzahl aller Trinkbrunnen bayernweit fast täglich. Wer wissen will, wo sich der nächstgelegene kostenlose Wasserspender befindet, wird beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft fündig. Auf dessen interaktiver Karte kann unter www.trinkwasser-unterwegs.de/brunnen-in-der-naehe die nächste kostenfreie Wasserquelle deutschlandweit abgefragt werden. (Marie-Julie Hlawica)
 

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