Leben in Bayern

In anonymen Schutzwohnungen können männliche Opfer Zuflucht finden, zum Beispiel in Nürnberg, wo der Caritasverband vier solcher Unterkünfte eingerichtet hat. (Foto: Daniel Karmann/dpa)

13.10.2020

Große Nachfrage nach Hilfsangeboten für männliche Gewaltopfer

Nur wenige sprechen darüber - doch auch Männer werden Opfer von häuslicher Gewalt. Hilfe finden diese seit einigen Monaten in Schutzwohnungen in Bayern. Diese sind seitdem ständig belegt

Meist sind Frauen die Opfer von häuslicher Gewalt. Doch es gibt auch viele Männer, die von ihren Partnerinnen oder Partnern bedroht, geschlagen oder sexuell missbraucht werden. In Bayern finden diese seit einigen Monaten Zuflucht in Schutzwohnungen in Nürnberg und Augsburg. Die Resonanz auf das Angebot sei sehr gut, sagte Petra Zöttlein vom Caritasverband Nürnberg. "Wir sind voll belegt und haben noch weitere Anfragen."

Mit drei Wohnungen ist der Caritasverband Anfang des Jahres gestartet, inzwischen ist eine vierte dazugekommen. Auch in Augsburg sind die beiden Schutzwohnungen seit April durchgängig belegt. Der Katholische Verband für soziale Dienste hat deshalb beim Sozialministerium zwei weitere Plätze beantragt. "Der Bedarf ist auf jeden Fall da", sagte Projektleiterin Carina Huber.

Schutzwohnungen sind durchgängig belegt

Es sei wichtig, dass jeder, der Hilfe brauche, auch einen Ansprechpartner finde, sagte Sozialministerin Carolina Trautner (CSU). "Von sexualisierter oder häuslicher Gewalt betroffene Männer sind nach wie vor ein Tabuthema - und das, obwohl Männer circa 20 Prozent der Opfer in diesem Bereich ausmachen und die Dunkelziffer hoch ist."

Im April hat Bayern zusammen mit Nordrhein-Westfalen das bundesweit erste Hilfetelefon für von Gewalt betroffene Männer gestartet. Dort gehen nach Ministeriumsangaben im Schnitt jeden Tag sechs Anrufe von Männern ein, die von Mobbing, Stalking, Gewalt in der Partnerschaft oder am Arbeitsplatz und sexuellen Missbrauch in der Kindheit berichten.

Um den tatsächlichen Bedarf und die Wirksamkeit der Hilfsangebote einschätzen zu können, lässt das Sozialministerium diese wissenschaftlich begleiten. Die ersten Erkenntnisse sollen im ersten Quartal 2021 vorliegen und Grundlage für weitere Planungen sein - auch für einen möglichen Ausbau der Schutzwohnungen.
(dpa)

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