Leben in Bayern

Der Turm des Rathauses ragt über den Dächern der Innenstadt von Kempten. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

24.01.2018

Kempten mal zwei

Kempten ist rund 2000 Jahre alt, war aber nicht immer einzigartig. Im späten Mittelalter entstanden zwei Städte - eine gehörte zur Kirche, die andere zum Reich. Bayern beendete vor 200 Jahren die Doppelexistenz. Ein Grund zum Feiern

Obwohl Kempten eine rund 2000-jährige Geschichte hat, feiert die Stadt heuer ein 200-Jahre-Stadtjubiläum. Denn bis 1818 gab es Kempten zwei Mal. Im späten Mittelalter war im Allgäu eine rivalisierende Doppelstadt entstanden. Das eine Kempten war damals eine Freie Reichsstadt, das andere Kempten eine vom Fürstabt regierte Stiftsstadt. Infolge der Säkularisation verloren beide Städte ihre Eigenstaatlichkeit. Sie wurden im frühen 19. Jahrhundert ein Teil Bayerns und zu einer einzigen Stadt.

"1818 kam es auf Anordnung der bayerischen Regierung zur Zusammenlegung von ehemaliger Reichsstadt und Stiftsstadt zur "Vereinten Stadt Kempten"", erklärt Bürgermeister Thomas Kiechle (CSU) das Stadtjubiläum. Ab März will die heute 70 000 Einwohner große Stadt dies mit zahlreichen Veranstaltungen feiern. Auch die Bäckereien und eine Brauerei bringen Jubiläumsprodukte auf den Markt.

Ursprünglich geht die Stadt Kempten auf die Römer zurück und zählt damit zu den ältesten Städten Deutschlands. Die Aufteilung der Stadt ist ab dem 13. Jahrhundert entstanden. Damals habe König Rudolf von Habsburg ein Privileg ausgestellt, in dem die Kompetenzen des Abts gegenüber der Kemptener Bürgerschaft eingegrenzt worden seien, berichtet das Historische Lexikon Bayerns.

Zahlreiche Feste, Konzerte, Führungen und Ausstellungen

In der Folge habe das Bürgertum, angetrieben durch wirtschaftliche Erfolge, die Selbstverwaltung ausgebaut, "wobei das Verhältnis zum Abt zwischen Konfrontation und Kompromissbereitschaft schwankte". Der Kaiser sei dabei immer wieder gezwungen gewesen, als Schlichter einzugreifen, führt das Internet-Lexikon der Bayerischen Staatsbibliothek in München aus. "Zur Eskalation kam es 1363, als die Bürger die im Besitz des Klosters befindliche Burghalde stürmten und zerstörten, wodurch sie sich allerdings die Ungnade des Kaisers zuzogen."

Im Laufe der Jahrhunderte verhinderten auf der anderen Seite die Fürstäbte, dass sich die selbstbewusste weltliche Nachbarstadt zu sehr ausdehnte. Wie das Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG) erläutert, hat der Abt dennoch im Jahr 1525 die letzten Rechte innerhalb der Stadt verloren.

Das Bürgertum ging dann auch konfessionell auf Konfrontationskurs, die Reichsstadt wandte sich der Reformation zu. Zur echten Doppelstadt sei Kempten letztlich nach den Zerstörungen des 30-jährigen Krieges geworden, führt das HdBG aus. So existierten bis vor 200 Jahren die zwei Siedlungen, die unabhängig voneinander beide das Stadtrecht erhalten hatten, nebeneinander weiter.

Von März bis November sind nun zahlreiche Feste, Konzerte, Führungen und Ausstellungen zu dem Jubiläum geplant. Die Bäcker in Kempten backen dazu ein besonderes Brot nach rund 200 Jahre altem Rezept. Es handelt sich um zwei getrennte kleine Brote, die durch eine Banderole zusammengehalten werden. Eine kleine Brauerei bringt zudem drei Biersorten unter dem Namen "1818" auf den Markt.
(Ulf Vogler, dpa)

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