Leben in Bayern

Für ihr Pop-up-Projekt in einer Almhütte haben sich Johannes Gläßl (Vierter von links) und Max Hamberger (Sechster von links) junge Freunde und Weggefährten mit ins Boot geholt. (Foto: dpa)

13.08.2026

Pop-up-Events: Sterneküche muss nicht abgehoben sein

Zwei Mittzwanziger aus Bayern wollen jungen Menschen das Fine Dining näherbringen – mit bezahlbaren Pop-up-Events

Es waren einmal zwei Freunde, die auszogen, um sich ihren großen Traum zu erfüllen und Koch zu werden. Sie trafen sich vor fünf Jahren als Azubis im Fünfsternehotel „Der Birkenhof“ in der Oberpfalz und merkten schnell: Das passt. Seither gibt es Max Hamberger aus Sankt Englmar und Johannes Gläßl aus Marktredwitz nur noch im Doppelpack. Aus zwei Lehrlingen sind längst erfahrene Köche geworden, die sich eines zum Ziel gesetzt haben: der Gastroszene neue Impulse zu geben.

Ihr gemeinsames Projekt heißt „Freindalwirtschaft“. Rosafarbene Luftballons säumen den Weg zur Almhütte des Berghotels Maibrunn im Bayerischen Wald. Fröhliche Stimmen sind zu hören. Draußen ist festlich gedeckt. Das Abendlicht taucht die Tafeln in goldenes Licht. Am Eingang tanzen Flammen aus dem Grill. Seite an Seite drehen Max Hamberger und Johannes Gläßl die Käsekrainer um. Die beiden besten Freunde bereiten den 40 Gästen ihres ganz besonderen Gourmetabends in Sankt Englmar kleine Amuse-Gueules vor dem Menü zu.

Pop-up-Küche in der Almhütte

Es gibt einen typischen Wiener Snack als Hommage an ihre derzeitige Arbeitsstätte in der österreichischen Hauptstadt – inklusive Kren und Estragonsenf. Das ist aber nur der Anfang – sowohl kulinarisch als auch unternehmerisch. Künftig wird man die beiden Niederbayern auch wieder mehr in ihrer Heimat sehen. Mit Pop-up-Events möchten sie zeigen, dass Haute Cuisine nicht steif und abgehoben sein muss, sondern jung, modern und voller Freude am Genuss sein kann. Und nicht zuletzt auch bezahlbar.

Dass in der Gastronomie viel über Personalmangel und fehlende Motivation gejammert wird, wollen die beiden 24-Jährigen richtigstellen. Und sie sind nicht allein. Für die Freindalwirtschaft haben sie Freunde und Weggefährten ihrer bisherigen beruflichen Stationen ins Boot geholt – Köche, Hotelfach- und Servicekräfte sowie einen Social-Media-Profi. „Alle, die wir angerufen haben, haben sofort Ja gesagt“, freuen sich Max und Johannes. Also wurden die Ärmel hochgekrempelt. Die Planungen liefen schon an, als in Maibrunn noch dichter Schnee lag. Jetzt scheint die Sonne vom Bayerwaldhimmel und auch die Gäste strahlen.

Sieben Tage lang servierten die Jungs und Mädels jeden Tag sieben Gänge wie in einem Sternerestaurant. Hinter der Almhütte des Hotels von Max Hambergers Familie entstand eine große Pop-up-Küche, in der auf Hochtouren gearbeitet wurde, um jeden Gang pünktlich auf die 40 Teller zu bringen.

Zwischen Edelstahl, Induktionsplatten und akkurat beschrifteten Behältern wirkt die provisorische Küche erstaunlich professionell. Doch Zeit für Herzlichkeit bleibt dennoch. Immer wieder klopft der eine Kollege dem anderen auf die Schulter oder drückt ihn kurz – als wollten sie sich gegenseitig Mut machen und sich vor der Premiere ein wenig bestärken. Die Nervosität verfliegt jedoch schnell. Alles klappt wie am Schnürchen. Die einzige Panne ist ein leeres, heruntergefallenes Tablett – Schwamm drüber. „Jetzt sind alle wach“, ruft Hamberger schmunzelnd in die Runde.

Schon seit Monaten ausverkauft

Nach mehreren Grüßen aus der Küche wird als erster Gang Stör-Crudo serviert – mit Sauerampfer, Sommerkürbis und Speck. Das Menü gibt es aber auch vegetarisch, es startet mit Tomate, Ricotta, Melisse und Pimientos. Es gibt Wachtel und Brennnessel mit Salzzitrone und Tempura, Reh mit Pfifferlingen und Aprikose, Waldbeere mit Basilikum, Honig und Frischkäse sowie als krönenden Abschluss raffinierte Petit Fours.

Eine Woche lang gaben alle zusammen Gas, die jeweils 40 Plätze für die sieben Abende waren schon Monate vorher ausverkauft. Das Konzept geht auf, und die beiden Initiatoren freuen sich. „Uns verbindet die Liebe zum Kochen, aber vor allem eine echte Freundschaft und die gemeinsame Leidenschaft, nicht nur in der Gastronomie zu arbeiten, sondern sie auch zu leben“, erklären sie.

Nach ihrer Ausbildung sind sie gemeinsam ins Dreisternelokal Steirereck nach Wien gegangen, um ihre Kunst zu verfeinern. Mit ihrem ersten gemeinsamen Projekt wollen sie zeigen, wie kreativ und jung die Sterneküche sein kann und dass man sich dafür nicht in Smoking und Abendkleid werfen muss, um zu genießen. Alles ganz bodenständig – wie die beiden Köche selbst, die nun weitere solche Konzepte miteinander umsetzen möchten.

„Wir wollen Menschen begeistern und vermitteln, dass die Gastronomie nicht ausstirbt, sondern eine andere Facette von Fine Dining zeigen, die es für junge Menschen greifbar macht“, erklären die beiden. Dazu gehört für sie Teamgeist statt Einzelkämpfermentalität, Leidenschaft statt Routine und Atmosphäre statt Austauschbarkeit. Eines ist sicher: Sie gehen ihren Weg weiter. Und zwar gemeinsam. (Melanie Bäumel-Schachtner)
 

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