Leben in Bayern

Mit der Kampagne #ichstillwoichwill werben Mütter für mehr Akzeptanz beim Stillen in der Öffentlichkeit. (Foto: dpa/Uwe Anspach)

08.07.2026

Stillen in der U-Bahn? Mütter wehren sich gegen Tabu

Die Kampagne #ichstillwoichwill erreicht auch Bayern: Nach einem Vorfall in einem Saarbrücker Einkaufszentrum beteiligen sich inzwischen Mütter in München an der bundesweiten Aktion

Stillen in der Öffentlichkeit sollte selbstverständlich sein – darauf wollen Frauen mit der Kampagne #ichstillwoichwill aufmerksam machen. In sozialen Medien posten Teilnehmerinnen aus ganz Deutschland Fotos, die sie beim Stillen an öffentlichen Orten zeigen. In Berlin ließen sich dafür nach Angaben der Initiatorin Katharina Kokott rund 120 Frauen in der U-Bahn, in Museen, Bibliotheken oder im Supermarkt beim Stillen fotografieren.

„Es wird erwartet, dass Frauen Kinder bekommen und sich um sie sorgen“, sagt Kokott, selbst stillende Mutter von zwei Kindern und Gründerin des Mama Netzwerkes Berlin. „Aber sobald das sichtbar ist, wird es bewertet, kommentiert und von verschiedenen Orten verbannt. Das ist für mich ein Widerspruch.“

Aktion nach Vorfall in Einkaufszentrum

Auslöser für die Aktion ist ein Vorfall in einem Saarbrücker Einkaufszentrum. Eine Mutter stillte dort ihr Baby, der Sicherheitsdienst bat sie darum, das zu unterlassen, wie mehrere Medien berichteten. Den Berichten zufolge entschuldigte sich der Betreiber später schriftlich bei der Frau. Aus Protest ließen sich wenige Tage später eine Gruppe Mütter in demselben Einkaufszentrum beim öffentlichen Stillen fotografieren. Jetzt ziehen Frauen in München, Berlin und anderen Städten nach.

„Stillen ist etwas komplett Natürliches“, sagt Kokott. Trotzdem fühlten sich viele Mütter beim Stillen in der Öffentlichkeit zwangsläufig unwohl. Sie selbst habe ihren älteren Sohn deshalb irgendwann nur noch zu Hause gestillt. Mal gebe es irritierte, mal lüsterne Blicke, manchmal auch einen bösen Kommentar.

Weitere Aktionen geplant

So auch während eines Fotoshootings für die Still-Kampagne in einem Berliner Museum. Eine Person habe sich aufgeregt, das sei Erregung öffentlichen Ärgernisses. In den sozialen Medien habe es teils schockierende Reaktionen auf die Fotos der stillenden Mütter gegeben. Brüste seien ekelhaft, habe es da zum Beispiel geheißen.

Die Mütter wollen sich davon nicht unterkriegen lassen. Es gehe nicht darum zu provozieren, sondern aufzuklären und Normalität zu schaffen, sagt Kokott. Die Aktion helfe aber auch dabei, ein Netzwerk unter Frauen zu bilden und sich gegenseitig zu stärken. Weitere Aktionen seien geplant, so Kokott. (dpa)

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