Leben in Bayern

Markus Grimm in Würzburg: Der aus der Kirche ausgetretene Theologe macht Kabarett. (Foto: dpa)

08.12.2016

Vom Priesterseminar ins Kabarett

Der Theologe Markus Grimm sucht den Sinn des Lebens

Was ist der Sinn des Lebens? Wochentags zur Arbeit, am Wochenende entspannen, hin und wieder Urlaub - gibt es da noch mehr? Viele Menschen stellen sich Fragen wie diese, davon ist Markus Grimm überzeugt. Der promovierte Theologe, der aus der Kirche ausgetreten ist, versucht Handreichungen für die Suche nach Antworten zu geben - mit einem Kabarettprogramm.

"Es ist kein Theologenkabarett", versichert der 48-jährige Würzburger mit Hornbrille und spiegelnder Glatze. Er wolle nicht fromm für den christlichen Glauben werben. Ganz allgemein suche er danach, was das Leben sinnvoll und wertvoll macht. Das Suchen ist wörtlich gemeint: Sein Programm trägt den Untertitel "eine philosophisch-kabarettistische Spurensuche". Das Thema beschäftigt Grimm schon seit längerem - und hatte bei ihm zunächst durchaus eine religiöse Komponente: Er wollte einst Priester werden.

Aufgewachsen in einem katholischen Haushalt auf dem Land bei Mannheim sah er sich, während er noch in der Schule war, das Freiburger Priesterseminar an. Dass sich da so viele junge Menschen mit den Fragen nach dem Sinn beschäftigten, habe ihn beeindruckt, sagt Grimm. "Und dann hab' ich gedacht, tret' ich mal ein."

Das Intermezzo währte nur drei Jahre. Dann lernte er eine Frau kennen. "Wie das halt so ist", sagt er. Von der Kirche brachte ihn aber auch noch etwas anderes ab: Er fand dort nicht die Antworten, nach denen er suchte. "Ich glaube, dass die Kirchen immer leerer werden, liegt daran, dass das Entscheidende nicht rübergebracht wird." Den Menschen würden in der Kirche viel Faktenglaube, Dogmen und Rituale serviert - aber eben kein Glaube, der das Herz berühre.

In der Kirche fand Grimm nicht die Antworten, die er suchte

"Du musst die Erfahrung nicht machen, wir haben sie gemacht, du musst nur das glauben, was wir sagen", formuliert es Grimm. "Deshalb gehen die Leute heute eben nicht mehr in die Kirche, sondern in spirituelle Kurse." So hat sein Programm "Wo bitte gehts zum Leben?", obwohl es - eigener Aussage nach - durchaus lustig ist, einen ernsten Kern.

Die Zuschauer erwartet in dem Solostück, das am Freitag Uraufführung feiert, der Auftritt zweier Personen: Einerseits Kurt, der wie Grimm katholisch auf dem Land aufgewachsen ist ("Wenn du sonntags nicht in der Kirche warst, gab es dafür genau zwei erlaubte Gründe: Du warst krank oder du warst tot."). Kurt hatte ein Burnout und reflektiert, wie es dazu kam. Er trifft einen Mönch, Vertreter der Religion. "Aber die Idealform der Religion, die liberal, offen und auch witzig ist."

Mathias Repiscus, künstlerischer Leiter der renommierten Würzburger Kabarettbühne "Bockshorn", kennt Grimm schon länger: "Als Kabarettist ist er relativ spät eingestiegen." Mit seinem philosophischen Programm besetze er eine Nische. "Aber er kann schon Furore machen."

Bisher bearbeitete Grimm vorrangig klassische und historische Stoffe, etwa die "Christmas Carol" von Charles Dickens und Biografien von Bildhauer Tilman Riemenschneider und Baumeister Balthasar Neumann. Das neue Stück ist sein erstes, das direkt ein philosophisches Thema behandelt. "Es ist ein Experiment, das ist ganz klar: Die Art von Format gibt es noch nicht", sagt er und lacht. Für ihn ist es eben eine Rückkehr zu Fragen, die ihn schon lange beschäftigen. (Bastian Benrath, dpa)

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