Politik

25 Prozent des deutschen Atommülls stammen aus Bayern. Das Bild zeigt den Kühlturm des AKW Isar 2 bei Landshut. (Foto: dpa)

01.07.2016

Atommüll: Bloß nicht zu uns!

Die CSU war jahrzehntelang Befürworterin der Kernenergie – mit den Folgen, also dem atomaren Abfall, will sie nichts zu tun haben

Vor einem Jahr wurde das Atomkraftwerk (AKW) im unterfränkischen Grafenrheinfeld abgeschaltet. Der strahlende Müll ist aber noch immer dort. Ein Teil davon kühlt im Abklingbecken aus, der Rest liegt, in Castor-Behältern unter meterdickem Beton eingeschlossen, in einem Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände. Ähnlich sieht es an den beiden anderen bayerischen AKW-Standorten aus. Der Meiler im schwäbischen Gundremmingen läuft noch bis nächstes Jahr, der in Ohu bei Landshut bis 2022. Irgendwann soll der Atommüll von dort in ein zentrales Endlager des Bundes. Wo das sein wird, ist noch unklar, genauso das Wann. Vor 2050 jedenfalls nicht.

In dieser Woche hat die Endlager-Kommission des Bundestags nach zähen Verhandlungen ihren Abschlussbericht verabschiedet. Deutet man die Signale aus Berlin richtig, war dem Gremium am Ende vor allem daran gelegen, in der Standortfrage keine Vorwegfestlegung zu treffen – also weder einzelne Standorte auszuschließen, noch welche zu favorisieren.

Werden aus bayerischen Zwischenlagern irgendwann Endlager?


Im Klartext heißt das, dass sowohl der umstrittene „Schacht Konrad“ bei Gorleben in Niedersachsen weiter im Rennen ist, aber auch im ostbayerischen Granit, in den Salzstöcken bei Berchtesgaden und in Tonschichten an der Donau bei Neu-Ulm weiter erkundet werden könnte. Die Staatsregierung hat sich in der Kommission mit ihrer Forderung nicht durchsetzen können, zumindest Granitvorkommen von vornherein für ungeeignet zu erklären.

Ginge es nach Umweltministerin Ulrike Scharf, müssten die Erkunder gar nicht erst in den Freistaat reisen. „Die Gesteine in Bayern sind nicht für ein Endlager geeignet – das gilt für Granit, Ton und Salz“, hält sie der Kommissionsforderung nach einer ergebnisoffenen Prüfung kategorisch entgegen. Die bayerischen Vorkommen böten die notwendige geologische Barriere-Wirkung nicht. Ein Sprecher ihres Ministeriums ergänzt, das Wirtsgestein für ein Endlager müsse mindestens 100 Meter dick und zudem ohne Risse und Spalten sein. Diese Voraussetzungen seien in Bayern nicht gegeben. Scharf formuliert es so: „Wir brauchen in den Stein gemeißelte Sicherheit.“ Die könne die Geologie in Bayern nicht bieten.

Aus Bayern stammen 25 Prozent des deutschen Atommülls


Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann ist bestimmt kein Fan eines Endlagers in Bayern, trotzdem gefällt ihm Scharfs Agieren nach dem Sankt-Florians-Prinzip nicht. „Aus Bayern stammen 25 Prozent des deutschen Atommülls, da kann man die Verantwortung nicht einfach auf andere abschieben“, mahnt er. Es sei bei aller Skepsis über die Eignung bayerischer Gesteinsformationen ein Gebot der Fairness und Solidarität, sich an den vergleichenden Erkundungen zu beteiligen. So sieht das auch SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen. Sie begrüßt vor allem, dass für die Erkundungsphase ein Begleitgremium eingesetzt werden soll, dass für Unabhängigkeit bürgen werde. Optimistisch stimmt sie auch, dass der Beschluss der Kommission offener formuliert sei als alles, was bisher da gewesen sei.

Für den Fraktionschef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, ist die wohl bis weit in die zweite Hälfte des Jahrhunderts verschobene Inbetriebnahme eines Endlagers der „energie- und umweltpolitische Super-GAU“ für eine ohnehin jahrzehntelang verfehlte Atompolitik von Bundes- und Staatsregierung sowie ein „Desaster für die bayerischen Zwischenlagerstandorte“. Deren Anwohnern drohe bis zum Ende des Jahrhunderts ein „de-facto-Endlager“ vor der Haustür – mit allen damit verbundenen Risiken. „Bayern benötigt jetzt ein Konzept zur Schadensbegrenzung in den Standortregionen der Zwischenlager“, fordert Aiwanger.

So sieht das wohl auch Ministerin Scharf. „Es ist nicht hinnehmbar, dass sich die Standortzwischenlager schleichend zu faktischen Endlagern entwickeln“, betont sie. Zwar seien die Hallen sicher und selbst gegen terroristische Angriffe und Flugzeugabstürze geschützt. Doch Scharf möchte den Rückbau der bald für immer abgeschalteten Kernkraftwerke so rasch wie möglich abschließen. „An den Kernkraft-Standorten sollen wieder grüne Wiesen entstehen“, erklärt sie. Nach Abschluss des Rückbaus werden die Zwischenlager, deren derzeitige Genehmigung 2046 ausläuft, voraussichtlich bis zur Inbetriebnahme des zentralen Bundesendlagers weiterbetrieben. Platz für neuen Abfall ist noch da. Die Kapazitäten der Zwischenlager sind noch nicht einmal zur Hälfte genutzt. (Jürgen Umlauft)

Kommentare (1)

  1. Insider am 01.07.2016
    Wen man schon so einfache Sachen falsche recherchiert - Schacht Konrad ist bei Salzgitter und ca. 140 km südwestlich vom Erkungungsbergwerk Gorleben entfernt - sollte sich fragen, ob er den richtigen Job hat.
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