Politik

Mahnmal für die Opfer des Oktoberfest-Attentats 1980: Eine Bombe riss 12 Wiesn-Besucher in den Tod. (Foto: dpa)

26.09.2016

Aufklärung Fehlanzeige

Die meisten Wiesn-Gäste laufen achtlos vorbei: Eine Stele erinnert am Haupteingang zum Oktoberfest an das Attentat vor 36 Jahren mit einem Dutzend Todesopfern und über 200 Verletzten

Zum Jahrestag des Oktoberfest-Attentats von 1980 haben Politiker und Opferangehörige endlich Aufklärung verlangt. "Es ist schließlich immer noch eines der schlimmsten Ereignisse in unserer Stadtgeschichte. Es ist immer noch der verheerendste Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik", sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Montag bei dem Gedenken an der Wiesn. "Es ist ein barbarischer Akt, der, insbesondere was die Hintergründe und die Drahtzieher betrifft, leider immer noch nicht vollständig aufgeklärt ist."

Am 26. September 1980 um 22.19 Uhr riss die Bombe aus 1,39 Kilo TNT zwölf Volksfestbesucher in den Tod, mehr als 200 wurden verletzt. Auch der Attentäter Gundolf Köhler starb. Die Ermittler schlossen die Akten damals mit dem Ergebnis, der frühere Anhänger der rechtsextremistischen "Wehrsportgruppe Hoffmann" habe die Tat alleine und aus privatem Frust begangen. Opfervertreter hatten das stets scharf kritisiert. Seit Dezember 2014 wird neu ermittelt.

Halbherzige Ermittlungen, manche sagen auch vertuscht

Obwohl es "objektive Befunde" gegeben habe, dass mehr als eine Person beteiligt war, sei 1980 "nur halbherzig, jedenfalls nicht mit der erforderlichen Akribie untersucht, manche sagen auch vertuscht worden", sagte der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses im Landtag, Franz Schindler (SPD). Taten aus der rechtsextremen Szene seien über Jahrzehnte verharmlost worden.

Dass es fast zwei Jahren nach der Wiederaufnahme der Ermittlungen keine Ergebnisse gebe, sei ernüchternd, sagte Andro Scholl von der DGB Jugend, die alljährlich das Gedenken organisiert. Um mögliche Verbindungen von V-Männern zu klären, müsse der Verfassungsschutz Akten offenlegen. Der Journalist Ulrich Chaussy vom Bayerischen Rundfunk, der mit dem Anwalt Werner Dietrich die Wiederaufnahme des Verfahrens in Gang brachte, kritisierte erneut, dass wieder das Landeskriminalamt ermittelt - dem damals Pannen und Versäumnisse vorgeworfen wurden.

Viele Überlebende leiden bis heute

Viele Überlebende leiden bis heute. Ignaz Platzer (79) hat zwei Kinder verloren, der Knall zerriss sein Trommelfell. Er hat - wie einer seiner überlebenden Söhne - bis heute Splitter im Körper. Auch die seelischen Wunden heilen nicht. Alljährlich, wenn der Tattag nahe, kapsele er sich ab, habe unruhige Nächte, sagt seine Frau Karin. "Je näher der Tag kommt, desto schlimmer wird es."

Eine Stele mit den Namen der Opfer in Verbindung mit einer zerlöcherten, halbrunden Stahlwand erinnert an der Theresienwiese an den Anschlag. Zehntausende Wiesnbesucher laufen täglich daran vorbei, kaum einer von ihnen nimmt Notiz von dem Mahnmal. Es soll nun in Stadtpläne eingezeichnet werden. Die Stadt hat zudem ein Forschungsprojekt angeschoben, das unter anderem Aussagen von Zeitzeugen dokumentieren soll - gegen das Vergessen. (dpa)

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