Politik

07.11.2019

Ausbau der Windkraft: Soll die 10H-Regelung fallen?

Eine Schnapsidee nennt der Grüne Markus Stümpfig die 10H-Regelung, da sie die Windkraft in Bayern völlig ausbremst. Sandro Kirchner (CSU) verteidigt sie und betont: Nur mit ihr lässt sich die Akzeptanz für Windräder in Bayern erhalten

JA

Martin Stümpfig, Sprecher für Energie und Klimaschutz der Grünen im Landtag

Ja, und zwar schnell! Unsere Jugend und immer mehr Menschen gehen auf die Straße für mehr Klimaschutz. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler appellieren an die Regierungen in Bund und Freistaat, endlich den Hebel umzulegen, um die schlimmsten Auswirkungen der Erdüberhitzung abzuwenden. Gleichzeitig hat die Söder-Regierung noch nichts vorgelegt, was auch nur den Hauch von Klimaschutz erahnen lässt. Im Gegenteil. Sie klammert sich bis dato stur und grundlos an die windkraftfeindliche 10H-Regelung, eine Schnapsidee des 2013 wahlkämpfenden Horst Seehofer. Durch 10H und die ebenfalls von der CSU im Bund mitgetragene Ausschreibungspflicht ist die Windkraft in Bayern regelrecht in sich zusammengebrochen. In den vergangenen anderthalb Jahren wurden gerade einmal acht Anlagen neu errichtet. Neue Genehmigungsanträge sind schon viel länger Mangelware.

Ohne Windenergie gibt es keine Energiewende und ohne Energiewende keinen Klimaschutz. Auch die von Söder und Aiwanger groß angekündigte Wasserstoffstrategie hat ohne EE-Strom aus Wind keinen Sinn. Wind und Sonne sind die zwei großen Säulen des zukünftigen Energiesystems. Gerade in den Wintermonaten geht ohne Windkraft gar nichts. Der erste Schritt in Richtung Klimaschutz, Innovation und zukunftsfeste Wirtschaft muss also lauten: Weg mit 10H. Wir brauchen eine starke Regionalplanung, die finanziell und personell so ausgestattet ist, dass die Windenergie in Einklang mit Mensch und Natur ausgebaut werden kann. Durch kluge, in der Region gemeinsam erarbeitete Steuerungskonzepte lassen sich vor Ort die besten Lösungen finden, die durch ein professionelles Konfliktmanagement ergänzt werden können.

Übrigens: Derselbe Horst Seehofer musste letztes Jahr als Bundesbauminister zugeben, dass 10H keinen Beitrag zur Akzeptanzsteigerung liefert. Begradigen wir also die Fehler der Vergangenheit und hören auf die Jugend, die echten Klimaschutz von uns einfordert.

NEIN

Sandro Kirchner (CSU), Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Landtag

Nein. Die 10H-Regelung ist unverzichtbar, um die Akzeptanz für Windräder in Bayern zu erhalten. Im Koalitionsvertrag haben wir deshalb durchgesetzt, dass CSU und Freie Wähler an der geltenden Rechtslage festhalten. Mit einem Mindestabstand vom zehnfachen ihrer Höhe zu Wohnhäusern sorgen wir für den notwendigen Ausgleich zwischen den Interessen der Anwohner und den Anforderungen der Energiewende. Dort, wo Einvernehmen besteht, können über Bebauungspläne und unter Einbeziehung der Menschen vor Ort nach wie vor Windkraftanlagen mit einem geringeren Abstand gebaut werden. Das haben diverse Gemeinden auch umgesetzt. Für uns ist die kommunale Selbstverwaltung entscheidend. So geben wir Gemeinden und Anwohnern die Möglichkeit, die Energiewende konkret mitzugestalten.

Windenergie ist in Bayern aber nicht annähernd so effizient wie an der Küste. Es ist kein Zufall, dass der Ausbau der Windkraft in Deutschland größtenteils nördlich des Mains stattfindet. Im ersten Halbjahr 2019 sind bundesweit an Land unterm Strich nur 35 neue Windräder entstanden. Das hat auch mit wirtschaftlicher Rentabilität und dem Auslaufen der EEG-Förderung nach zwanzig Jahren zu tun.

Neben der Windenergie werden wir unseren Energiemix noch breiter aufstellen. Dank reichlich Sonne und vieler Solaranlagen auf Bayerns Dächern sind wir bundesweit führend beim Einsatz von Photovoltaik. Auch bei Wasserkraft und Geothermie sind wir Vorreiter. Wir setzen auf den Ausbau erneuerbarer Energien und verlässliche Energiequellen, die eine stabile Grundlast ermöglichen. Zudem brauchen wir funktionierende Speicherlösungen, etwa Power-to-Gas.

In anderen Ländern gibt es übrigens auch Abstandsregeln für Windräder. In Schleswig-Holstein hat der damalige Umweltminister und heutige Grünen-Chef Robert Habeck zum Beispiel festgelegt, dass in einem Radius von 800, in besonderen Fällen sogar 1000 Metern um Wohngebiete keine Windräder gebaut werden dürfen.

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Kommentare (14)

  1. Hentinger am 24.04.2020
    Nun Herr/Frau Alea, die Frage ist aber dummerweise nicht, ob Sie persönlich gerne eine raumbedeutsame Windenergieanlage vor Ihrer eigenen Haustüre hätten, oder ob Ihnen das Wetter nach der Kleinen Eiszeit zu warm geworden ist. Die grundlegenden Fragen lauten stattdessen:

    1. Wie soll ohne fossile und nukleare Energieträger eine zuverlässige Energieversorgung sichergestellt werden, welche in der Lage ist, zumindest annähernd den aktuellen Gesamtenergiebedarf möglichst bedarfsgerecht bereitzustellen?

    2. Welchen garantierten Effekt würde eine erfolgreiche Realisierung dieser Maßnahme bis zum Jahr 2050 auf die mittlere Temperatur der globalen oberflächennahen Luftschicht haben?

    Und beide Fragen hätte man selbstverständlich beantworten müssen, bevor man eine "Energiewende" beschlossen hat, deren Subventionierung allein im Stromsektor schon heute jedes Jahr etwa 40 Mrd. Euro kostet. Denn wenn diese Aktion letztlich doch nur wirkungslos verpuffen sollte, habe ich erhebliche Zweifel daran, ob die Bevölkerung anschließend auch noch eine "Energiewende 2.0" (womöglich wieder auf gut Glück) finanzieren möchte.
  2. Alea am 24.04.2020
    Wenn Sie Herr Hentinger es vor dem Hintergrund des menschengemachten Klimawandels langfristig weiterhin für für verantwortbar halten pimär auf fossile Energieträger zu setzen, erübrigt sich eine weitere Diskussion, weil wir damit einen grundsätzlichen Dissens haben.

    Mir ist am Ende des Tages ein Windrad - auch vor meiner eigenen Haustür (ich wohne nämlich nicht in der Großstadt) - lieber, als durch den Klimawandel zerstörte Wälder und ausgetrocknete Ackerflächen, wie derzeit deutschlandweit zu besichtigen.
  3. Hentinger am 24.04.2020
    Nunja Herr/Frau Alea, spätestens nachdem wir inzwischen auch in Deutschland die "unveräußerlichen" Grundrechte zur Bekämpfung einer Erkältungswelle aufgehoben haben und einem fachlich ungebildeten Gesundheitsminister mit einem Ermächtigungsgesetz ausgestattet haben, sollten wir uns damit zurückhalten, mit nacktem Zeigefinger auf (angebliche oder tatsächliche) Despoten im Ausland zu zeigen.

    Genauso wenig wie Ihren Ausländerhass teile ich Ihre nationalistische Weltsicht. Wie viel hat Deutschland denn 2016 durch Exporte eingenommen? Soweit ich weiß, waren das rund 1.207 Mrd. Euro, davon sind die von Ihnen genannten 52 Mrd. Euro (die ich nicht geprüft habe) also gerade einmal 4,3 Prozent. Warum wünschen Sie sich das Zeitalter des Kolonialismus zurück, in dem man noch nicht dafür zahlen musste, um Rohstoffe in ein nunmal rohstoffarmes Land zu holen? Vielleicht, weil Sie den anderen Staaten keine Weiterentwicklung gönnen?

    Und was die von Ihnen erwähnte Finanzierung von Diktatoren, Despoten und Populisten (sind Politiker, die das fordern, was angeblich 90 % der Bevölkerung will, eigentlich auch Populisten?) durch unser Geld angeht, frage ich mich, warum Sie sich da auf Rohstoffimporte beschränken und z.B. die Rolle Chinas beim PV-Ausbau verschweigen. Aber auf diese Nebelkerze im Detail einzugehen würde uns natürlich nur vom eigentliche Thema wegführen.

    Entgegen Ihrer Behauptung gilt die kommunale Planungshoheit selbstverständlich auch bei Autobahnen, ICE-Trassen, Stromtrassen, Flughäfen und Atomkraftwerken. Umso erstaunlicher ist es doch, dass sie ausgerechnet bei Windindustrieanlagen ausgehebelt wurde und nach Meinung von Einigen auch um jeden Preis ausgehebelt bleiben soll.

    Und selbstverständlich wehren sich Menschen dagegen, wenn ihre Heimat zerstört werden soll. Das ist ja nicht erst bei Windindustrieanlagen aufgetreten, sondern gab es schon vorher z.B. bei Autobahnen, ICE-Trassen, Stromtrassen, Flughäfen, Atomkraftwerken und Stauwasserkraftwerken.

    Die Frage, wie ich die Energieversorgung der Zukunft ohne fossile Energieträger und Atomkraft sicherstellen will, muss ich schon deshalb nicht beantworten, da ich nie gefordert habe, die Nutzung fossiler und atomarer Energieträger sofort zu beenden, um erst danach darüber nachzudenken, wie diese ersetzt werden könnten, bzw. auf welchem Niveau die Gesellschaft ohne die durch diese Energieträger geschaffenen Möglichkeiten existieren soll.

    Sie wollen aber nunmal genau das. Also sollten Sie wenigstens in der Lage sein, eine hypothetische Lösung für Ihre Fiktion zu präsentieren, statt einfach in eine Gegenfrage zu flüchten. Zumindest bestätigen Sie nun meine bereits geäußerte Vermutung, dass es dabei unter keinen Umständen dazu kommen darf, dass die Stadtmenschen ihren gewohnten Luxus verlieren.

    Zufallsstromerzeuger wie Windindustrieanlagen oder Solarplatten sind keine Alternative zu bedarfsgerechter Energieerzeugung mittels fossilen Energieträgern und Atomkraft. Daraus ergibt sich - nach dem von Ihnen selbst formulierten Grundsatz - dass die Gesellschaft auch nicht mit diesen Anlagen leben muss. Erst recht nicht, wenn diese nicht nur in größerer Zahl, sondern zudem auch skrupel- und rücksichtslos - und oft genug auch noch widerrechtlich, wie die zahlreichen erfolgreichen Klagen beweisen - errichtet werden sollen. Da gilt dann eher die Losung: "Wehret den Anfängen!"
  4. Alea am 24.04.2020
    Korrektur: Auch ich finde eine Landschaft ohne Gewerbegebiet, ausufernde Neubausiedlungen oder überdimensionierte Ausfallstraßen schöner.
  5. Alea am 24.04.2020
    Nein Herr Hentinger, Ausländerhasser bin ich wahrlich nicht! Ich habe vollstes Sympathie und Empathie für die Menschen in Russland, Saudi Arabien und den USA, denen entweder die elementarsten Grundrechte vorenthalten werden oder die unter den Fehlentscheidungen ungebildeter Populisten (siehe USA in der Corona-Krise) leiden. Ich hasse Despoten, Diktatoren und Populisten, die wir mit einem Großteil unserer Importe von fossilen Energieträger "füttern". 2016 hat Deutschland mehr als 52 Milliarden Euro für den Import von Rohöl, Erdgas und Kohle ausgegeben. Mit einem großen Teil dieser Gelder füttern wir Diktatoren, Despoten und Populisten.

    Ja Herr Hentinger, ich kenne die kommunale Planungshoheit. Allerdings greift die bei anderen Infrastrukturen von nationaler Bedeutung wie Autobahnen, ICE-Trassen, Stromtrassen, Flughäfen oder Atomkraftwerken auch nicht.
    Solange es eine Nimby-Haltung in der Bevölkerung gibt, sind solche Projekte - auch wenn sie gesamtgesellschaftlich mehrheitsfähig sind - nicht anders durchzusetzen!

    Eine Frage beantworten Sie nicht. Wie wollen Sie die Energieversorgung der Zukunft ohne fossile Energieträger und Atomkraft sicherstellen?

    Wenn Sie mir jetzt sagen, dass Sie selbst aufs Auto und auf Flugreisen verzichten, im Winter nicht die Heizung höher drehen, sondern einen Pullover überziehen, fände ich das richtig und anerkennenswert. Allerdings werden wir die Gesellschaft mehrheitlich nicht zu so einem Verhalten bringen können.

    Sollten Sie allerdings zur AFD-Eike-Fraktion, die den menschengemachten Klimawandel schlicht leugnet und deshalb munter weiter auf fossile Energieträger setzt gehören, dann fehlt uns leider die Basis für eine ernsthafte Diskussion.

    Auch ich finde eine Landschaft ohne Gewerbegebiet, ausufernde Neubausiedlungen oder überdimensionierte Ausfallstraßen nicht schön. Deshalb würde ich auch lieber auf Windkraftanlagen und Freiflächenphotovoltaik verzichten.
    Solange es aber keine andere Alternative zu fossilen Energieträgern und Atomkraft gibt, muss die Gesellschaft mit klug geplanten Windkraftanlagen, auch in größerer Zahl, wohl leben.
  6. Hentinger am 23.04.2020
    Entschuldigung Herr/Frau Alea, aber die gemeindliche Planungshoheit ist nunmal im Grundgesetz und in der Bayerischen Verfassung verankert. Sie mögen, wie so mancher Spitzenpolitiker der Grünen, das zentralistische System von China bevorzugen, aber bisher haben wir das nunmal nicht. Mit der Privilegierung im Außenbereich hat man dieses Recht bei Windenergieanlagen weitestgehend ausgehebelt und als Ausgleich für die Gemeinden eigentlich die Möglichkeit geschaffen, über die Flächennutzungsplanung die möglichen Standorte vorzugeben (indem neben Eignungsflächen auch Ausschlussflächen definiert werden können). Letzteres wurde anschließend von den Gerichten nahezu auf Null gefahren, weil es angeblich eine Pflicht gebe, der Windenergie "substantiell Raum" zu schaffen. Die Situation war (und ist außerhalb Bayerns noch immer), dass ein Windenergie-Konzern die Windräder nahezu überall platzieren konnte - notfalls indem man ganze Regionalpläne wegen Formfehler aushebelte und die dann "planungsfreie" Zeit nutzte, um vollendete Tatsachen zu schaffen. Dass diese Firmen heute dieser Zeit nachtrauern, ist nachvollziehbar.

    Warum begeht ein Bürgermeister (zusammen mit seinem Gemeinde- bzw. Stadtrat) "politischen Selbstmord", wenn er eine Entscheidung trifft, die (angeblich) von über 90 % der Bevölkerung gewünscht ist? Warum kann eine Kommune Ihrer Meinung nach zwar über den Standort von Chemiefabriken oder Kohlekraftwerken entscheiden, aber keinesfalls über Standorte von Windenergieanlagen? Und selbstverständlich gibt es in Bayern Windparks, die auf diese Weise realisiert wurden. Für den Bauherren spielt es letztlich kaum eine Rolle, ob ein Teil der sowieso notwendigen Prüfungen für eine Genehmigung bereits in die Phase des Aufstellens eines Bebauungsplanes verschoben werden, oder nicht. Wobei: Ist so ein Bebauungsplan erst einmal aufgestellt und rechtskräftig, muss der Bauherr keine Angst mehr haben, dass die Genehmigung für seinen Windpark noch erfolgreich von einem Umweltschutzverband beklagt wird, denn die Umweltschutz-Aspekte sind dann ja Teil des Bebauungsplanes.

    Und leider beantworten Sie auch meine Frage nicht, warum sogar in Baden-Württemberg, wo es keine Abstandsregelung gibt, alle Einschränkungen für Windenergie in Regional- oder Flächennutzungsplänen von der Landesregierung (grundgesetzwidrig, siehe oben) für nichtig erklärt wurden und zudem das Ausweisen neuer Ausschlussgebiete untersagt wurde, der Windenergieausbau massiv eingebrochen ist. Dabei hätten die doch jeden Grund, endlich mit der Energiewende voran zu kommen. Schauen Sie sich doch mal deren aktuellen Strommix - gerne im direkten Vergleich zu Bayern - an!

    Soso, wer darauf hinweist, dass der (aktuelle) Stromverbrauch nur etwa 20 % des Gesamtenergieverbrauchs ausmacht, hat also die Energiewende nicht verstanden, denn für die Rettung der Welt muss grüner Strom künftig die gesamte Energieversorgung bilden. Und was genau ist da jetzt der Unterschied? Also was ist Ihr Vorschlag, woher die aktuell noch fehlenden 90 % in den nächsten (maximal) 30 Jahren kommen sollen? Jaja, angeblich geht es ohne die 7 % des Gesamtenergieverbrauchs, die aktuell aus der Windenergie stammen, auf keinen Fall. Aber das ist keine Antwort auf meine Frage. Sie wissen wenigstens, dass 2050 sowieso keine einzige der heute in der Landschaft stehenden Windenergieanlagen mehr stehen wird, z.B. weil die Betriebserlaubnis in der Regel nur für 20 Jahre - in einigen Ausnahmen auch 25 Jahre - gilt?

    Ein Windrad, das 800m nördlich einer Siedlung seinen Standort hat, steht südlich der nördlich benachbarten Siedlung, die an der Planung aber nicht beteiligt wird und bei der Genehmigung nahezu nichts zu sagen hat. Schauen Sie sich doch einfach mal eine Karte von Bayern an, auf der sowohl die errichteten Windenergieanlagen als auch die Gemeindegrenzen eingezeichnet sind. Ob es tatsächlich purer Zufall ist, dass die meisten Windenergieanlagen direkt an die Grenze gebaut werden - möglichst weit weg vom eigenen Hauptort, dafür gerne auch mal unter 800 m entfernt vom nächsten Ortsteil der Nachbargemeinde?

    Entgegen Ihrer Behauptung ist der Faktor 10 auch nicht willkürlich. Zum Beispiel wirkt der Schattenschlag einer Windenergieanlage bekanntlich etwa bis zu einer Entfernung vom 10-fachen der Anlagenhöhe (danach ist er so diffus, dass er nur noch bedingt wahrgenommen wird). Und auch die von Ihnen nicht zufällig erwähnten 800 m waren letztlich mal eine 10H-Regelung - damals, als die Anlagen noch maximal 80 m hoch waren. Von mir aus hätte man aber gerne auch eine 15H- oder 20H-Regelung machen können. Darüber können wir gerne reden.

    Schön, dass Sie gegen Ende Ihres Kommentars (völlig überraschend) selbst erklären, dass es mit einer klugen, vorausschauenden Regional- und Bauleitplanung durchaus gelingen kann, die Belange von Bürgern, Natur- und Landschaftsschutz sowie der Energieversorgung durch Windkraft unter einen Hut zu bringen. Nichts anderes macht die 10H-Regelung ja im Nahbereich von Ortschaften. Wie eben bereits erwähnt, kann man durchaus darüber nachdenken, den Radius für die Bauleitplanung zu erweitern, um aktuell noch vorkommende "Ausrutscher" (z.B. Windparks mitten in naturnahen Wäldern) auch noch in den Griff zu bekommen. Die eigentlich sinnvolle Lösung dieses Problems wäre aber die Abschaffung der 1997 eingeführten Privilegierung für Windenergieanlagen im Außenbereich. Denn auch PV-Freiflächenanlagen, Biogasanlagen, Krankenhäuser oder Kinderspielplätze sind im Außenbereich nicht privilegiert. Diese Lösung ist aber nunmal nur auf Bundesebene erreichbar.

    Den Ausländerhass, den Sie in Ihrem letzten Absatz zum Ausdruck bringen, werde ich schon aus Prinzip nicht kommentieren. Warum Ihnen die Kinder, die ihre Zukunft nach Ihrem Willen in einem Industriegebiet verleben sollen statt in einer Kultur- oder sogar Naturlandschaft, völlig egal sind, nur damit die Stadtkinder auch als Erwachsene ihren energiehungrigen Lebensstil beibehalten können, würde mich dagegen durchaus interessieren.
  7. Alea am 23.04.2020
    Die 10-H Regelung macht den weiteren Ausbau der Windkraft in Bayern nahezu unmöglich.
    Wer hier darauf verweist (Hentinger), dass die Gemeinden ja die Möglichkeit hätten durch die gemeindliche Bauleitplanung Windkraftanlagen zu ermöglichen, macht es sich zu einfach.
    Fakt ist, dass die Verantwortung für eine nationale Aufgabe (Energiewende) vom Freistaat Bayern auf die gemeindliche Ebene geschoben wird. Eine klarer Fall von Verantwortungsverweigerung.

    Gegen die 10-H-Regelung wird kaum ein Bürgermeister und Gemeinderat eine Windkraftanlage vor Ort durchsetzen wollen - es sei den er will politischen Selbstmord begehen.

    Wer argumentiert dass "Stromverbrauch nur etwa 20 % des Gesamtenergieverbrauchs" ausmacht, hat die Energiewende nicht verstanden. Wenn unsere Kinder und Enkel eine Zukunft haben sollen, muss - vor dem Hintergrund der Klimaveränderungen - die Wirtschaft künftig dekarbonisiert werden. Im Zuge der Sektorkopplung wird grüner Strom künftig die Basis für die gesamte Energieversorgung bilden müssen. Und ohne Windkraft wird es dabei nicht gehen.

    Die 10-H-Regelung ist zudem eine dumme Pauschalregelung, mit der sich die Landespolitik aus der Verantwortung verabschiedet.

    Ein Windrad das 800m nördlich einer Siedlung seinen Standort hat, wo Häuser stehen die nur ihre Funktionsräume wie Speisekammern, Bäder, Abstellräume zur Windkraftanlage ausgerichtet haben, kann weniger stören, als eine Anlage in zwei Kilometer Entfernung im Süden, die permanent von den Terrassen und Wohnzimmern einsehbar ist. Deshalb ist die Pauschalregelung dumm.

    Mit einer klugen, vorausschauenden Regional- und Bauleitplanung kann es durchaus gelingen, die Belange von Bürgern, Natur- und Landschaftsschutz sowie der Energieversorgung durch Windkraftt unter einen Hut zu bringen.

    Auch aus Sicht unserer nationalen Interessen ist das Ausbremsen der Windkraft töricht und verspielt die Zukunft unserer Kinder. Wer die Windkraft ausbremst vertritt die Interressen von Trump, Putin und Mohammed bin Salman aus Saudi Arabien und nicht die unserer Kinder und Enkel!
  8. Hentinger am 20.04.2020
    Als einer derjenigen, der 2013 bei der Entstehung dieser 10H-Regelung maßgeblich beteiligt war, finde es immer wieder interessant, wie diese Regelung ständig (bewusst) falsch als Abstandsregelung diffamiert wird, um Stimmung zu machen. Dabei hebt diese Regelung lediglich in einem höhenabhängigen Abstand um Ortschaften die Privilegierung der Windenergieanlagen im Außenbereich auf. In diesem Bereich haben Windenergieanlagen also Baurechtlich den selben Status wie Photovoltaikanalgen, Biogasanlagen, Einkaufs-Center, Krankenhäuser oder Kinderspielplätze. Wie diese Bauwerke auch, kann eine betroffene Windenergieanlage also durch die Aufstellung eines (vorhabenbezogenen) Bebauungsplanes ermöglicht werden, wobei der Gemeinde weiterhin Gestaltungsmöglichkeiten zu Standort und Bauform der Anlagen erhalten bleiben. Eine zweite Möglichkeit für den Bauherren besteht darin, eine kleinere Anlage zu errichten. Insbesondere in Bayern spielt es ja keine entscheidende Rolle, ob die unwirtschaftliche Windenergieanlage 150, 200 oder 250 m Höhe aufweist.

    Gerade die Grünen, die Gerne das Märchen verbreiten, dass der Windenergieausbau in Bayern vor allem durch die 10H-Regelung zusammengebrochen sei, sollten endlich einmal beantworten, warum dann auch im Windenergie-Musterländle Baden-Württemberg der Windenergie-Ausbau danieder liegt.

    Und schließlich dürfen die Anhänger des rücksichts- und skrupellosen Ausbaus der Windenergie gerne einmal vorrechnen, wie sie insbesondere mit dieser Technologie bis 2050 den gesamten Energieverbrauch "CO2-neutral" bewerkstelligen wollen. Bekanntlich macht der Stromverbrauch nur etwa 20 % des Gesamtenergieverbrauchs aus - und davon werden aktuell lediglich etwa 50 % durch erneuerbare Energiequellen gedeckt. Also woher sollen die noch fehlenden 90 % des Gesamtenergieverbrauchs kommen? Etwa aus Windräder und Solarplatten, die ganz Deutschland in ein riesiges Industriegebiet verwandeln? (Das Thema "Dunkelflaute" spare ich mir hier.) Einfach zu erklären, dass man als gewählter Politiker halt das macht, was einige Kinder lautstark fordern, ist jedenfalls ein wenig hilfreicher Lösungsansatz.
  9. Emanuele Forlì am 26.01.2020
    Wer mit mehr Wind in nördlicheren Gefilden argumentiert, übersieht, dass durch die einem zentralen Ansatz erforderlichen und mindestens 35 Milliarden Euro teuren Stromtrassen in den Süden der Stromtransport alleine schon mehr kostet, als die Stromerzeugung mittels Windkraft selbst, dass sich Bayern so abhängig macht und dass die Stromtrassen selbstverständlich auch einen Umweltimpakt haben, Wälder zerschneiden usw.!

    Daher benötigen wir einen dezentralen Ausbau von Windkraft, auch im Süden der Republik.
  10. Realist am 12.11.2019
    Stellungnahme zum Diskurs: Soll die 10H-Regelung fallen?
    BSZ vom 08.11.2019 / siehe auch Herr Kirchner in der "Frage der Woche" vom 19.01.2018
    Die CSU erhöht mit 10H nicht die Akzeptanz, sondern macht die Windkraft in Bayern unmöglich.
    In Norddeutschland stehen viele Windräder und sehr viel näher, teilweise bis unter 3H zu einzelnen Gehöften. Außerdem sind sie dort viel weiter sichtbar, da flaches Land. In Bayern sind sie meist hinter dem nächsten Hügel verschwunden. Im Norden werden die Abstände auf ein richtiges Maß vergrößert, in Bayern müssen sie auch auf dieses Maß (etwa 4 - 5 H = heutzutage 800 - 1000 m) reduziert werden. Außerdem werden in Bayern usw. andere Windräder (für windärmere Gebiete) eingesetzt, im Winter eine wichtige Energiequelle, jahreszeitlich bedingt mehr als die PV-Anlagen.
    Woher sonst soll Bayern in einigen Jahren seinen Strom beziehen. Wasserkraft, Geothermie, Biogas usw. können das bei weitem nicht. Die Solaranlagen reichen für die Versorgung Bayerns höchstens für ein paar außergewöhnliche Stunden pro Jahr. Über 60 % des bayerischen Stroms lassen sich nicht so leicht ersetzen. Vorhandene moderne Gaskraftwerke werden wegen irrwitziger Regelungen nicht eingesetzt bzw. sind zu teuer. Wer möchte weitere jetzt schon bauen? Bei unsicherem Betrieb für die Lebensdauer von etwa 40 Jahren. Von der CSU wurden auch die "Monstertrassen" in einigen Gebieten (Franken) verteufelt, in anderen Gebieten (Niederbayern) werden sie in Kürze auf alten Trassen errichtet. Dank der erreichten Verkabelung der HGÜ usw. wird der Strompreis weiter steigen, die Stromversorgung Bayerns wird jedenfalls unsicherer, andere Bundesländer sollen mit weniger strengen Regeln bei gleichem Strompreis helfen. Alles ein Beweis für die Unkenntnis / Widerspruch / Unkenntnis der Realität einiger Machthaber gegenüber den Gegebenheiten der Stromversorgung in Deutschland und vor allem trotz dem dringend nötigen Klimaschutz.
  11. Georg am 12.11.2019
    Ja, die 10H-Regelung soll fallen um den Gemeinden und Bürgern, die Entscheidung zu ermöglichen. Und mit dem individuellen Konsum/ der florierenden Wirtschaft hier, ist man auch an dem energiehunger beteiligt, ob man will oder nicht.
  12. Landei am 11.11.2019
    An dem Tag, an dem das erste Windrad in einer Großstadt gebaut wird, kann gerne die 10H-Regelung fallen. Dann würden die Grünen Oberschlaumeier, vor der eigenen Haustür damit konfrontiert. Damit würde sich auch manch dumme Frage oder Kommmentar erübrigen.

    Das es immer mehr Leute gibt, die schlau daher reden solange es sie selbst nicht betrifft, macht nachdenklich. Ging bei denen in der Erziehung etwas schief oder ist es natürliche Dreistigkeit?

    Machen die Grünen sich eigentlich auch mal Gedanken über die Umweltverschmutzung, die von Windrädern ausgeht? 70.000 to Schrott jährlich, alleine aus den Rotorblättern, die nur schwer oder gar nicht zu recyeln sind. Abholzung von Wälder für die Standflächen bzw. Zufahrtswege, unglaubliche Betonfundamente quer durch Deutschland...

    Bedient doch nicht immer nur eine Lobby, haltet einfach mal den Kopf etwas schräg und versucht mal nachzudenken!
  13. dpfeifer am 08.11.2019
    Es wäre einmal sehr spannend zu erfahren mit welcher Begründung genau die 10-H die Interessen der Anwohner widerspiegelt, vor allem hinsichtlich welcher Wirkung auf die Anwohner. Währen diese nicht auch mit 5-H oder 3-H genau so gewahrt? Und wie kann etwas einen Ausgleich darstellen das eine der beiden Seiten vollständig ausnimmt?

    Der Bezug auf die Begrenzung in Schleswig-Holstein ist in etwa so stimmig wie ein generelles Tempo 30 auf allen Straßen mit der Begründung dass man in Österreich auch ein Limit hat. Ich gehe davon aus dass Herrn Kirchner bewusst ist welche Vielzahl an Flächen mit der Schleswig-Holsteinischen Regelung für Windkraft zur Verfügung stünden im Vergleich zu 10-H.

    Gerne würde ich wissen wieso Herr Kirchner die Laufzeit von 20 Jahren als Begründung dafür sieht dass immer weniger Windräder gebaut werden.

    Konkret würde mich interessieren ob Herr Kirchner die "diversen Gemeinden" konkretisieren kann - wie viele Gemeinden haben in Bayern aktiv beschlossen haben 10-H in ihrer Bauleitplanung zu umgehen, und wie viele Anlagen wurden auf dieser Grundlage realisiert - und nicht etwa weil sie noch Baurecht aus einer Zeit vor 10-H geltend machen mussten?
  14. voa zua am 08.11.2019
    In der Zwischenzeit muss man unsere heimische Natur und Kulturlandschaft vor den GRÜNEN bewahren. Mit der vollständigen Zerschneidung der letzten noch größerflächigen Naturräume durch die lärmbelastende und Tiere um ihre Lebensräume bringenden Windkraft- und Photovoltaik-Freianlagen werden wir das Weltklima nicht retten. Es wird nur unser Land kaputt gemacht.

    Ich bin für den umgekehrten Weg. Wir brauchen eine "negative 1-H-Regel". Windkraftanlagen dürfen nicht weiter als die einfache Höhe von der Wohnbebauung der Befürworter wegstehen. Dann merken die vielleicht auch einmal, welchen Lärm die Dinger produzieren (selbst bei Windstille, wenn sie sich nicht drehen). Warum gibts denn in Oberfranken so viele Windkraftanlagen und rund um München, einer der windhöffigsten Regionen Bayerns, kann man sie an einer Hand abzählen? Weil in der bevölkerungsärmeren Provinz nicht so viel Widerstand herrscht. Aus dem gleichen Grund bekommt die ländliche Region statt Schutz vor immer weiterer Flächenvernichtung und -zerschneidung immer mehr Fernverkehrswege und Kraftwerke nur damit die immer weiter verstädternde Bevölkerung mit gutem Gewissen zum nächsten "Malle"-Urlaub abzwischern kann.

    Wir brauchen den Energiewandel zum Schutz unseres Klimas, unserer Welt, unserer Zukunft.

    Keine Frage.

    Aber wir brauchen dafür insbesondere Partnerschaften. Unsere Wirtschaft ist im Moment abhängig von Gaslieferungen aus Russland und Erdöl aus Saudi-Arabien. Was spricht dagegen, bezüglich der Gewinnung erneuerbarer Energien mit aufstrebenden, demokratischen Staaten entlang der südlichen Mittelmeerküste zu kooperieren? In Tunesien würde sich z. B. hervorragend durch Solarthermie Wasserstoff oder weiter raffinieriert Erdgas gewinnen lassen und durch z. T. bereits bestehende Pipelines in unsere Region fördern.

    Holen wir uns doch lieber andere mit ins Boot, als den Energiewandel in so einem kleinen Land selbst stemmen zu wollen.

    Im Übrigen: Auch wenn ich kein Fan der Kernkraft bin - diese produzier(t)e eine Menge Strom nahezu klimaneutral (!!!). Und es ist schon fast eine Frechheit, wenn die Medien, wenn sie den CO²-Ausstoß anprangern, gerade immer Kühltürme von AKW zeigen. DA kommt ganz sicher kein CO² raus sondern Wasserdampf. Der dumme Hals-über-Kopf-Ausstieg aus der Kernenergie in einem Land mit den höchsten Sicherheitsstandards und das wohl kaum von Tsunamis und Erdbeben heimgesucht wird, hat schon genug kaputt gemacht. Gut, dass unsere Landesregierung diesem "Hype" wenigstens etwas den Riegel vorgeschoben hat.

    Suchen und forschen wir bitte weiter nach Lösungen ohne Ideologie. Dass die GRÜNEN von tatsächlichem Naturschutz wirklich nicht viel verstehen, beweisen sie auch mit ihrer Forderung nach immer mehr Wind- und Solaranlagen wirklich bestens.

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