Politik

12.07.2024

Ausländische Fachkräfte: Gleiches Steuerrecht für alle!

Ein Kommentar von Jürgen Umlauft

Deutschland steuert auf einen gewaltigen Fachkräftemangel zu. Schon heute spürt man ihn, etwa in Kliniken und Pflegeheimen, im Handwerk, in Bildungseinrichtungen, bei Verkehrsbetrieben und sogar in Amtsstuben. Wenn nun die Babyboomer in Rente gehen, wird sich die Lage weiter verschärfen. Ein Teil der Lösung des Problems kann die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland sein. Dafür braucht es auch Anreize, denn Deutschland sucht nicht allein. Man befindet sich letztlich in einem globalen Wettbewerb.

Von Bundesfinanzminister Christian Lindner kommt nun die Idee, ausländischen Fachkräften in den ersten drei Jahren ihrer Tätigkeit in Deutschland Steuervergünstigungen zu gewähren. Steuerliche Anreize sind ein probates Mittel, wenn es darum geht, Menschen zu gewünschten Entscheidungen zu motivieren – sei es der Kauf eines E-Autos oder das Spenden für gemeinnützige Zwecke. Bei Lindners Vorschlag aber überwiegen die gesellschaftlichen Risiken. Denn wie erklärt man der coronagefrusteten Krankenschwester, dass die neue Kollegin einen stattlichen Steuerbonus erhält? Wie dem Handwerker, dass der neue Kollege am Monatsende deutlich mehr Netto vom Brutto hat?

Solche schnell als ungerecht empfundenen Ungleichheiten gefährden nicht nur den innerbetrieblichen Frieden, sie diskreditieren auch die erforderliche Arbeitsmigration und fördern unterschwellig das leider weitverbreitete dumpfe Gefühl, dass es „den“ Zugewanderten ohnehin „nur reingeschoben“ werde. Deshalb braucht es andere Anreize, auch solche, von denen nur ausländische Fachkräfte profitieren. Zum Beispiel die viel schnellere Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen oder die Aussicht auf zeitnahe Einbürgerung unter klaren und an die Berufstätigkeit gekoppelten Kriterien.

Und es braucht, um Neid gar nicht erst aufkommen zu lassen, Anreize, von denen auch einheimische Arbeitskräfte profitieren, wie bezahlbaren Wohnraum, eine gesicherte Kinderbetreuung und ja, auch Steuererleichterungen in besonders systemrelevanten Mangelberufen. Aber eben für alle. Sonst leitet die notwendige Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland nur Wasser auf die Mühlen der Populisten von links und rechts. Das wäre die schlechteste aller Konsequenzen. 
 

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