Politik

Inzwischen sind es viele Menschen gewohnt, mit dem Smartphone zu bezahlen. Aber überall ist das noch nicht möglich. (Foto: dpa/imageBROKER/Addictive Stock)

22.09.2026

Bargeldloses Bezahlen: Wir brauchen überall die Wahlfreiheit!

"Nur Bargeld", "Kartengerät defekt" oder "Kartenzahlung erst ab zehn Euro": Es gibt einige Läden, die sich digitalen Zahlungsmethoden nach wie vor verschließen. Das Bundesfinanzministerium will dem ein Ende setzen – mit einem Gesetz, das eine digitale Bezahlmöglichkeit vorschreibt. Gut so, findet Thorsten Stark in seinem BSZ-Kommentar. Wer digital zahlen will, soll das auch überall dürfen

Ohne Corona wäre das undenkbar gewesen: Selbst Kleinstbeträge zahlen viele Deutsche mit Girokarte, Kreditkarte und inzwischen sogar mit Smartwatch und Smartphone. Das belegt auch eine Studie der Bundesbank: Im vergangenen Jahr löste demnach das digitale Bezahlen erstmals Bargeld als häufigste Zahlungsmethode ab. Insofern ist der Vorstoß aus dem von Lars Klingbeil (SPD) geführten Bundesfinanzministerium absolut nachvollziehbar: Geschäfte, Restaurants und Dienstleister sollen künftig zusätzlich zum Bargeld auch eine digitale Zahlungsmethode mit Karte oder Handy anbieten müssen. Mindestens ein europäisches Verfahren soll dabei akzeptiert werden, etwa der Zahlungsdienst Wero.

Es ist wirklich an der Zeit, dass dieser Plan, den Union und SPD schon in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart hatten, umgesetzt wird. Schilder mit Aufschriften wie „Nur Bargeld“, „Kartengerät defekt“ oder „Kartenzahlung erst ab 10 Euro“ an der Kasse sind im Jahr 2026 eine Zumutung. Gerade jüngere Menschen führen oft gar kein Bargeld mehr mit sich. Und warum sollten sie es auch müssen?

Ein gewisser Mehraufwand wäre es, aber ...

Ja, für Läden, die bisher keine oder nur eingeschränkt digitale Zahlungsmöglichkeiten anbieten, wird das Gesetz einen Mehraufwand bedeuten. Vermutlich auch Mehrkosten. Allerdings hätten sie ohnehin bald auf die zunehmende Digitalisierung reagieren müssen. Und: Mit der geplanten Einführung des digitalen Euro sollen die Transaktionskosten für den Handel deutlich günstiger werden als mit den bisher alternativlosen US-Zahlungsdiensten. Steuerbetrug, in bargeldintensiven Branchen laut Schätzungen 15 bis 20 Milliarden Euro pro Jahr, dürfte übrigens auch nicht mehr so leicht möglich sein.

Trotzdem sollte man natürlich weiterhin bar zahlen können, wenn man es will. In Schweden, einem Vorreiterland für digitales Bezahlen, verpflichtet ein neues Gesetz Läden, wieder Bargeld zu akzeptieren – auch im Hinblick auf mögliche Cyberattacken. Das sollte man in Deutschland beim Formulieren eines Gesetzes zumindest im Hinterkopf haben. 
 

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