Politik

Die Zahl der christenfeindlichen Straftaten explodierte innerhalb von nur zwei Jahren um 150 Prozent. (Foto: dpa/Thorsten Wagner)

29.08.2025

Bedrohte Religionsfreiheit: Die Zahl der christenfeindlichen Straftaten explodiert

Verwüstete Kirchen, Angriffe auf Gläubige: Die Zahl der beim BKA registrierten christenfeindlichen Straftaten stieg innerhalb von nur zwei Jahren um 150 Prozent an. Das ergab eine BSZ-Anfrage. Bayerns Innenminister Herrmann (CSU) hat an die Täter eine klare Botschaft: „Das werden wir auf keinen Fall tolerieren.“ Grüne und SPD fordern mehr Präventionsarbeit und einen besseren baulichen Schutz der Kirchen

Es war ein Bild sinnloser Zerstörungswut, das sich der Polizei Ende Juni in mehreren Kirchen im oberbayerischen Traunreut bot: Eindringlinge verwüsteten Altarräume, stießen Kerzen und Bänke um und beschädigten unter anderem eine Marienstatue. Auch anderswo beklagten Bischöfe zuletzt vermehrt Vandalismus gegenüber Kirchen. Im Bistum Regensburg etwa wurden Madonnenfiguren geköpft und es wurde in Kirchenräume uriniert.

Das Bayerische Landeskriminalamt registrierte im vergangenen Jahr im Freistaat 231 Fälle von Sachbeschädigungen, bei denen eine Kirche oder Kapelle der Tatort war. Das sind in etwa so viele wie im Vorjahr. Im Vergleich zur zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts gab es allerdings einen Anstieg.

Die Täter gingen immer brutaler vor, sagt ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Aus ihrem Verhalten spreche teils „offene Feindseligkeit gegenüber dem Christentum“. Etwa seit 2015 habe man es „mit einer verschärften Dimension zu tun“.

Nicht immer haben diese Taten eine religionsfeindliche Intention – etwa, wenn sich ein Betrunkener an der Kirchenmauer erleichtert oder ein Dieb beim Klau der Kollekte Inventar beschädigt. Auch deshalb landet nur ein kleiner Teil der Straftaten gegen Christen und deren Gotteshäuser in der Statistik für politische Straftaten des Bundeskriminalamts. Im Jahr 2024 wurden beim BKA 337 christenfeindliche Straftaten erfasst, darunter 19 Körperverletzungen.

Ein Plus 150 Prozent in zwei Jahren

2022 waren es noch 135 christenfeindliche Delikte gewesen – in den Jahren 2017 bis 2021 sogar stets noch weniger. Erst 2023 stieg deren Zahl dann erstmals massiv auf 277 an. Auch die Zahl der Körperverletzungen fiel zuletzt deutlich höher aus als im Schnitt vergangener Jahre.
Ein Plus von 150 Prozent in zwei Jahren – wie kam es dazu? Der Religionssoziologe Detlef Pollack sagt, antikirchliche und antireligiöse Tendenzen hätten seit den 2010er-Jahren stark zugenommen. Er vermutet einen Zusammenhang mit der Missbrauchsdebatte. Die AfD glaubt dagegen, der Anstieg sei Folge der „illegalen Massenmigration“.

Dass unter den Flüchtlingen auch Islamisten sind, erklärt nur kleinere Teile des Anstiegs. Tatsächlich hatten im vergangenen Jahr von 160 Tatverdächtigen 56 keinen deutschen Pass. 22 hatten die syrische Staatsbürgerschaft, jeweils acht die afghanische und türkische Staatsbürgerschaft. In den vergangenen Jahren schwankte der Anteil der Verdächtigen aus vorwiegend muslimischen Ländern stark.

Religionsgemeinschaften zunehmend unter Druck

Klar ist: Auch andere Religionsgemeinschaften sind zunehmend unter Druck – die Zahl der islamfeindlichen Delikte stieg ebenfalls.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ist besorgt. „Angriffe auf Gläubige egal welcher Religion sind Angriffe auf die Freiheit einer Gesellschaft.“ Wer Gotteshäuser schände, vergehe „sich auch an den christlich-abendländischen Werten unserer Gesellschaft“. An die Täter hat der CSU-Politiker eine klare Botschaft: „Das werden wir auf keinen Fall tolerieren.“

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel fordert unter anderem „einen besseren baulichen Schutz“. Katja Weitzel (SPD) wünscht sich neben einer konsequenten Bestrafung mehr Geld für die Präventionsarbeit, da viele Täter Jugendliche seien.

Die Gläubigen spüren derweil die Folgen der Misere – manche Kirchen sind außerhalb der Gottesdienste abgeschlossen.
(Tobias Lill)

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