Politik

Olaf Sundermeyer untersucht in „Blaues Land“, wie die AfD jenseits von Wahlkämpfen politische Präsenz und Bindung aufbaut. (Foto: dpa/INSIDE-PICTURE/LB)

25.10.2026

„Blaues Land“: Wie die AfD vor Ort politische Macht aufbaut

Olaf Sundermeyer beschreibt, wie die AfD mit dauerhafter Präsenz, Parteibüros und politischer Nachwuchsarbeit Einfluss gewinnt. Zugleich zeigt er am Beispiel einer CDU-Landrätin, was andere Parteien dem entgegensetzen können

Eine Landrätin trat gegen einen AfD-Herausforderer an und gewann, obwohl sie kaum klassischen Wahlkampf machte. Sie arbeitete fleißig und hoffte, dass die Leute ihre Arbeit anerkennen. Olaf Sundermeyer erzählt die Geschichte der CDU-Landrätin Karina Dörk aus dem Landkreis Uckermark in Brandenburg, um nicht nur den Aufstieg der AfD zu beschreiben, sondern auch zu zeigen, was ihr entgegengesetzt werden kann. Die offen lesbisch lebende Lokalpolitikerin gewann durch Persönlichkeit und Überzeugungskraft. Für Sundermeyer ist das mehr als eine lokale Episode. Es geht um eine grundsätzliche Frage: Wenn die AfD vor Ort so stark werden konnte, warum gelingt es anderen Parteien nicht ebenso, Menschen zu erreichen?

Diese Frage steht im Zentrum von „Blaues Land – Über Leben mit der AfD“. Olaf Sundermeyer beobachtet die Partei für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) seit ihrer Gründung 2013 und beobachtete Dörks ungewöhnlichen Wahlkampf über Monate. Er beschreibt weniger einen einzelnen Wahlerfolg als einen Machtprozess: Wie wurde aus einer zunächst wenig gefestigten Protestpartei eine politisch und organisatorisch zunehmend etablierte Kraft?

Von der Protestpartei zur dauerhaften Präsenz

Sundermeyers Antwort beginnt bei der Organisation. Aus dem vom ehemaligen AfD-Bundesvorsitzenden Alexander Gauland einst als „gäriger Haufen“ bezeichneten Gebilde ist nach seiner Darstellung eine Kaderpartei geworden. Die Partei baut politisches Personal auf, organisiert Schulungen und pflegt Kontakte in das rechtsextreme Vorfeld. Sundermeyer kennt die Entwicklung der AfD aus jahrelanger Recherche vor Ort, oft wurde er bei Veranstaltungen und Interviews direkt angegriffen. AfD-Politiker brächten die Menge zum „hämischen Johlen“, wie Sundermeyer schreibt.

Ihn interessiert die Zeit zwischen den Wahlen. Bürgerdialoge, Parteibüros und Veranstaltungen sollen dauerhafte Präsenz schaffen. Parteibüros werden dabei zu sozialen Treffpunkten. Diese Strategie wirkt wie eine Art Dauerwahlkampf. Die Partei versucht damit, ansprechbar zu bleiben und politische Bindungen aufzubauen. Seine Recherchen führen Sundermeyer auch in kleinere Orte und Kommunen. Eine der zentralen Thesen: Die AfD ist nicht nur deshalb erfolgreich, weil sie bei Wahlen viele Stimmen erhält. Sie arbeitet kontinuierlich daran, politische Präsenz aufzubauen.

„Blaues Land“ ist nicht nur eine Parteigeschichte. Sundermeyer beschreibt auch die Versäumnisse der politischen Konkurrenz. Seine Schlussfolgerung ist dabei keineswegs eine Annäherung an die AfD. Er fordert von den Parteien mehr politische Nähe zu den Menschen. Und klare Grenzen gegenüber Extremismus. Darin steckt eine unbequeme Botschaft. Wer die AfD lediglich moralisch verurteilt, beantwortet nicht die Frage, warum sie vor Ort erfolgreich sein kann.

Politische Macht beginnt zwischen den Wahlen

Politische Macht beginnt dort, wo eine Partei dauerhaft präsent ist, Kontakte pflegt, Themen setzt und andere politische Akteure zwingt, auf ihre Stärke zu reagieren. So, wie man das in Bayern von der CSU und vom Bauernverband kennt. Zur Untersuchung darüber, wie die AfD politische Macht aufbaut, gehört auch die Schulpolitik. Die AfD wolle die kulturelle Vorherrschaft erlangen. Vermeintlich linke Lehrer würden an den Pranger gestellt, wer im Demokratie-Unterricht die AfD kritisch sehe, werde unter Verweis auf ein angebliches „Neutralitätsgebot“, das so nicht existiere, angegriffen.

Es mag überraschen, aber Sundermeyer ist überzeugt: „Die Brandmauer wirkt.“ Die AfD schaffe es nicht an die Regierung, solange diese Mauer weiter stehe. (Thomas Schuler)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll man das Berufsbeamtentum einschränken?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Start-up-Investor Carsten Maschmeyer meint, dass ein Staat, der offensichtliche Probleme nicht löst, von seinen Bürgerinnen und Bürgern als dysfunktional wahrgenommen wird. Politiker, die viel versprechen und wenig halten, sorgen für Ablehnung.

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.