Politik

Für viele syrische Geflüchtete in Bayern steht die Frage im Raum, ob sie bleiben können oder zurückkehren müssen. (Foto: dpa/Michael Bihlmayer)

07.04.2026

Bleiben oder gehen? Herrmann fordert Perspektiven für Syrer

In der Debatte um syrische Geflüchtete fordert Bayerns CSU-Innenminister klare Regeln. Gut integrierte Fachkräfte sollen bleiben dürfen, während Straffällige und Menschen ohne Perspektive Deutschland verlassen müssen

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hält die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa angestoßene Debatte über die Rückkehr syrischer Flüchtlinge für richtig. „Flüchtlingsschutz ist Schutz auf Zeit. Wenn sich die Lage in Herkunftsregionen dauerhaft verändert, brauchen Menschen verlässliche Perspektiven - sei es für eine sichere Rückkehr oder für dauerhaftes Bleiben in Deutschland“, sagte der CSU-Politiker in München.

Bleiberecht für integrierte Fachkräfte

Dabei fordert Herrmann drei Dinge: Erstens eine Bleibeperspektive für gut integrierte Fachkräfte und deren Familien, die in Deutschland bleiben wollen. Menschen, die integriert seien, die den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie dauerhaft ohne Sozialleistungen bestreiten könnten und zum Beispiel im Gesundheitswesen einen wichtigen Beruf ausübten, sollten gerne bleiben. Das geltende Ausländer- und Einbürgerungsrecht biete hierfür schon heute viele Instrumente, die man nutzen könne und - falls nötig - nachjustieren sollte. Allein von 2020 bis einschließlich 2024 wurden nach Angaben des bayerischen Innenministeriums im Freistaat rund 28.000 Syrerinnen und Syrer eingebürgert.

Konsequenzen für Straffällige

Wer straffällig geworden sei oder sonst keine Integrationsbemühungen zeige, vor allem wer nach mehreren Jahren in Deutschland keinen Arbeitsplatz gefunden und kein richtiges Deutsch gelernt habe, solle Deutschland dagegen wieder verlassen, am besten freiwillig. Falls nicht, müssten die Personen abgeschoben werden, forderte Herrmann. Der Bund müsse nun die Möglichkeit für Abschiebungen schaffen. Es gebe keinen Grund, syrische Asylbewerber, die erst nach dem Sturz des Assad-Regimes gekommen seien, gegenüber anderen zu privilegieren.

Unterstützung für Rückkehr

Zum Dritten fordert Herrmann eine gezielte Unterstützung der freiwilligen Rückkehr nach Syrien - auch mit Prämien - und koordinierte Wiederaufbauhilfe vor Ort. Das schaffe Perspektiven und Verlässlichkeit für die Menschen.

Zahlen zur Lage in Bayern

Nach Angaben Herrmanns lebten zuletzt mit Stand von Ende Februar rund 88.000 Syrer in Bayern, davon knapp 42.000 mit einem befristeten Aufenthaltstitel wegen der Zuerkennung eines Schutzstatus. Bei weiteren rund 11.600 Syrern in Bayern war das Asylverfahren noch nicht rechtskräftig abgeschlossen. Etwa 920 Personen seien aktuell ausreisepflichtig.

Zudem seien derzeit beim Landesamt für Asyl und Rückführungen 218 schwere Straftäter mit syrischer Staatsangehörigkeit gelistet, deren Aufenthaltsbeendigung für die Staatsregierung oberste Priorität habe.

Merz und al-Scharaa hatten nach einem Treffen in Berlin zuletzt eine 80-Prozent-Zielmarke für die Rückkehr syrischer Flüchtlinge thematisiert - wobei beide Seiten die Urheberschaft später dem jeweils anderen zusprachen. (dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll das Ehegattensplitting abgeschafft werden?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Bundesforschungsministerin Dorothea Bär will mit ihrer Hightech-Agenda Deutschland technologisch auf ein neues Level bringen. Im Gespräch mit dem vbw Unternehmermagazin spricht sie über die Herausforderungen.

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.