Politik

Christian Schmidt überwachte seit 2021 als Hoher Repräsentant die Umsetzung des Friedensabkommens in Bosnien-Herzegowina. Nun kündigt der CSU-Politiker seinen Rückzug an. (Foto: dpa/Michael Kappeler)

11.05.2026

Bosnien-Beauftragter Schmidt kündigt Rücktritt an

Fünf Jahre lang überwachte der deutsche CSU-Politiker Christian Schmidt das Friedensabkommen für das einst vom Krieg zerrissene Bosnien-Herzegowina. Jetzt wirft er das Handtuch. Beugte sich dem Druck der USA?

Der Bosnien-Beauftragte der internationalen Staatengemeinschaft, der Deutsche Christian Schmidt, hat seinen Rücktritt angekündigt. Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt wurde 2021 zum Hohen Repräsentanten in Bosnien-Herzegowina ernannt. Nach fünf Jahren in der Funktion des Hohen Repräsentanten (...) hat Christian Schmidt die persönliche Entscheidung getroffen, seine Dienste für die Umsetzung des Friedens in Bosnien-Herzegowina zu beenden, teilte sein Amt in Sarajevo mit. Zuvor hatte die FAZ am Sonntag über die Rücktrittsabsicht des CSU-Politikers berichtet.

Er werde weiterhin die Funktion des Hohen Repräsentanten ausüben, bis ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gefunden sei, hieß es in der Mitteilung weiter. Nähere Informationen über Motive und Hintergründe der persönlichen Entscheidung, die der Rücktrittsankündigung zugrunde liegt, enthielt die Mitteilung nicht.

Friedenswächter mit weitreichenden Vollmachten

Bosnien-Herzegowina besteht seit Ende des Krieges (1992 bis 1995) mit mehr als 100.000 Toten aus zwei Landesteilen: aus der Föderation Bosnien-Herzegowina (FBiH), die hauptsächlich von Bosniaken und Kroaten bewohnt wird, und der hauptsächlich von Serben bewohnten Republika Srpska (RS). Die Landesteile genießen weitgehende Autonomie. Das Friedensabkommen von Dayton aus dem Jahr 1995 sah auch die Schaffung des Amtes des Hohen Repräsentanten (OHR) vor. Er soll die Umsetzung des Friedens überwachen und verfügt dabei über weitgehende Vollmachten. Schmidt, der früher deutscher Landwirtschaftsminister war, bekleidet das Amt seit dem 1. August 2021.

Druck aus den USA als Rücktrittsmotiv?

Das bosnische Nachrichtenportal avaz.ba berichtete unter Berufung auf diplomatische Quellen, Schmidt habe sich auf Druck Washingtons zum Rücktritt entschlossen. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump unterstützt zunehmend den bosnisch-serbischen Politiker Milorad Dodik, der die Abspaltung des serbischen Landesteils RS vom bosnischen Staat betreibt. Mit seinen Vollmachten als Bosnien-Beauftragter hatte Schmidt zahlreiche Gesetze der RS annulliert, die diese Abspaltung einleiten sollten.

Dodik war im Sommer 2025 von einem Gericht in Sarajevo wegen seiner separatistischen Aktivitäten als RS-Präsident abgesetzt worden. Als Vorsitzender der Regierungspartei SNSD gilt er aber weiterhin als starker Mann des serbischen Landesteils. Die Trump-Administration hat die von der vorangegangenen US-Regierung verhängten Sanktionen gegen Dodik und seine Angehörigen aufgehoben.

Hinter der Zuwendung Washingtons zum bosnisch-serbischen Separatisten könnte dessen Unterstützung von Pipeline- und Gaskraftwerksprojekten stehen, die Geschäftsleute aus dem Umfeld Trumps vorantreiben. Auch die FAZ am Sonntag berichtete dies. Als Bundeslandwirtschaftsminister stand Christian Schmidt bereits früher im Fokus bundespolitischer Kontroversen. Nach unbestätigten Informationen des bosnischen Portals istraga.ba sollen die Amerikaner Schmidt sogar angedroht haben, ihn auf ihre Sanktionsliste zu setzen, falls er nicht zurücktrete. (dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Ralf Wintergerst, CEO von Giesecke+Devrient, weist auf einen sehr wesentlichen Umstand der deutschen Politik hin: „Es gibt hierzulande sehr viele Veto-Punkte, wo der eine aus Eigeninteresse den Vorschlag des anderen blockieren kann."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.