Politik

Die Bedingungen für die Luftfahrt sind derzeit alles andere als rosig. (Foto: dpa/Federico Gambarini)

31.07.2020

Branche in heftigen Turbulenzen

Corona bremst die Luftfahrtindustrie aus – Innovationen sollen die Krise abfedern

Schwere Krise bei der Luftfahrt. Die Branche leidet ganz besonders unter der Corona-Pandemie. So erwartet etwa der Flughafen München für 2020 weniger als die Hälfte der knapp 48 Millionen Passagiere aus dem Vorjahr. Auch am Flughafen Nürnberg sieht es nicht viel besser aus. „Von den 4,1 Millionen Passagieren im letzten Jahr werden wir in diesem Jahr etwa ein Drittel erreichen“, so Pressesprecher Jan Beinßen. Hoffnung kann auch der Weltluftfahrtverband IATA nicht verbreiten. Dieser rechnet nicht vor 2023 mit einer Erholung des Flugverkehrs. Andere Branchenvertreter glauben, dass erst wieder 2025 das Vorkrisenniveau erreicht sein wird.

Ob dies so kommt, ist ungewiss. Denn eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation aus Stuttgart verheißt für die Luftfahrtbranche nichts Gutes. Knapp 90 Prozent von 500 befragten deutschen Unternehmen tendieren dazu, Dienstreisen zukünftig zumindest kritischer zu hinterfragen. Die Studienautoren prophezeien: Es wird selbstverständlicher werden, virtuelle Zusammenkünfte statt Dienstreisen zu organisieren. Diese Tendenz wird auch der Luftfahrtbranche zusetzen. Denn weniger Flüge bedeuten auch weniger Flugzeuge, die gebraucht werden.

Das spürt auch der Münchner Triebwerkshersteller MTU. Es werden weniger neue Triebwerke bestellt und auch weniger Triebwerksinstandhaltungsdienstleistungen nachgefragt. „Wir werden unsere Kapazität bis Ende 2021 um rund zehn bis 15 Prozent reduzieren“, erklärt Markus Wölfle, Leiter der MTU-Unternehmenskommunikation. Das soll mittels geringerer Wochenarbeitszeit und Altersteilzeit erfolgen.

Für die Staatsregierung zählt die Luftfahrt zu den strategischen Schlüsselindustrien, die sie schon immer unterstützt hat und auch weiterhin unterstützen wird. So investiert der Freistaat mit einem neuen Förderprogramm zur Steigerung der Produktivität und Materialeffizienz in die Zukunftsfähigkeit der Branche.

„Jetzt ist aber vor allem auch der Bund gefordert, den Förderrahmen soweit irgend möglich auszureizen und auszuweiten sowie durch vertragsgemäße Abnahme von Flugzeugen durch die Lufthansa und mit militärischen Aufträgen für eine höhere Auslastung zu sorgen“, fordert Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW). Auch das Thema Flottenerneuerungsprogramm für neue, klimafreundlichere Flugzeuge sollte massiv angegangen werden. „Idealerweise auf europäischer Ebene“, betont Aiwanger. Von EU über Bund bis hin zum Freistaat müssten jetzt alle die strukturelle Basis der Luftfahrtindustrie stützen und erhalten.

Lufttaxis als Zukunftsfeld: Start-ups in Bayern sind dran

Aiwanger setzt aber auch auf die Innovationskraft der Branche. Diese ist durchaus vorhanden, etwa bei der Diehl Aviation. Das zur Nürnberger Diehl Gruppe gehörende Unternehmen nutzt sein Know-how im Bereich der Umweltkontrollsysteme, um die Luftzirkulation und Luftfeuchtigkeit in der Kabine zu optimieren sowie die Luft an Bord zu desinfizieren und zu reinigen. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen an berührungsfreien Funktionen für die Flugzeugkabine, vor allem im Toilettenbereich, um die Hygiene an Bord zu verbessern.

Bei MTU arbeitet man an der wasserstoffbetriebenen Brennstoffzelle. Diese wird als Energiequelle Elektromotoren antreiben. „Mit heute verfügbaren Brennstoffzellen lassen sich allerdings noch keine größeren Flugzeuge betreiben. Aufgrund des vorhandenen Potenzials verfolgen wir jedoch dieses Konzept als langfristige Lösung“, erklärt MTU-Sprecher Wölfle.

Lufttaxis und der Bereich Urban Air Mobility sind ebenfalls ein Zukunftsfeld. „Unsere bayerische Luftfahrtindustrie ist hier sowohl mit etablierten Unternehmen wie mit innovativen Start-ups auf jeden Fall sehr gut aufgestellt, um von den hoffentlich sehr positiven Entwicklungen im Bereich Lufttaxis nachhaltig profitieren zu können“, ist sich Wirtschaftsminister Aiwanger sicher.
Trotz des momentanen Tiefschlags gibt es also für Bayerns Luftfahrtindustrie durchaus Hoffnung.
(Ralph Schweinfurth)

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