Politik

Auch der Schauspieler Hape Kerkeling ist ein möglicher Kandidat für das höchste Staatsamt. Hier in seiner Rolle als Provinzjournalist Horst Schlämmer, bei der Vorstellung des gleichnamigen Kinofilms in Hamburg. (Foto: dpa)

15.08.2026

Bundespräsidentenwahl: Könnte ein Nichtpolitiker Bundespräsident werden?

Diese prominenten Nicht-Politiker wurden bereits als Steinmeier-Nachfolger gehandelt. Die BSZ stellt sie vor und zeigt, wie realistisch eine Kandidatur von ihnen ist oder ob gar deren Wahl denkbar wäre

Am 30. Januar findet die Wahl des Bundespräsidenten statt. Weil Union und SPD in der Bundesversammlung über eine Mehrheit verfügen, haben Kandidaten anderer Parteien oder Unabhängige de facto wohl keine Chance, ins höchste Staatsamt gewählt zu werden  – dennoch werden in der Debatte um die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier neben diversen Unions-Granden (BSZ berichtete) weitere Frauen und Männer genannt. Sie sind zwar zumindest bei Teilen der Bevölkerung und mitunter auch Oppositionsparteien beliebt, haben jedoch keine oder bestenfalls Außenseiterchancen. Teils wollen sie nach eigener Aussage ohnehin definitiv nicht antreten. Die BSZ stellt drei im Netz und manchen Medien hoch gehandelte Kandidaten vor.

Bundeskanzler wollte er schon einmal werden – allerdings nur im Film. Viele kennen Hape Kerkeling in der Rolle des umtriebigen, stets peinlichen Lokaljournalisten Horst Schlämmer in der Politkomödie Isch kandidiere! Geht es nach der Linken-Bundestagsfraktion und über 120.000 Unterstützer einer Online-Petition, soll der 61-jährige Komiker und Schauspieler nun tatsächlich kandidieren. Ob Kerkeling das überhaupt möchte, ist unklar – klar ist, dass der Moderator auch ernst sein kann. Im April hielt er, der Enkel eines Insassen, am KZ Buchenwald eine bewegende Rede, die im politischen Berlin gut ankam.

Während Kerkeling immerhin von der Bundestags-Linken vorgeschlagen wurde, darf die Personalie Gloria von Thurn und Taxis (66) eher als provokanter Scherz verstanden werden. Der frühere TV-Moderator Waldemar Hartmann hatte die schrille Fürstin aus Regensburg Anfang des Jahres als seine angebliche „Traumlösung“ ins Spiel gebracht. Ausgerechnet Gloria, die in der Bundesversammlung die umstrittenste Kandidatin aller Zeiten wäre. Schon seit ihrer rotzfrechen Ursachenforschung bezüglich des Geburtenreichtums in Afrika („der Schwarze schnackselt gern“) zählt sie zum Lieblings-Enfant-Terrible der Feuilletons. Dass sie später Sympathien für die Neurechte, für Donald Trump und für reaktionäre Kirchenkreise erkennen ließ, machte die Sache nicht besser.

Vom thüringischen AfD-Rechtsaußen Björn Höcke schwärmte Thurn und Taxis als „deutschem Idealisten“. Wie auch immer, Gloria wird nicht zum offiziellen Kandidatenkreis für das Amt des Bundespräsidenten zählen. Weil sie erstens nicht will. Und weil zweitens eh niemand außer der AfD für sie stimmen würde. Selbst die CSU, der sie grundsätzlich nahesteht, dürfte bei der Vorstellung Herzrasen bekommen. Wobei die Adlige von der CSU im Jahr 2004 immerhin als Wahlfrau in die Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten entsandt worden war. Dort hatte sie sich dann angeblich verwählt, also falsch abgestimmt. Die CSU sah daraufhin von künftigen Nominierungen der verwirrten Fürstin ab.

Auch Juli Zeh wurde schon ins Spiel gebracht. Die bekannte Schriftstellerin selbst schließt nicht aus, sich als Bundespräsidentin zur Wahl zu stellen. „Inzwischen kann ich es mir tatsächlich irgendwann einmal vorstellen“, sagte sie im Februar dieses Jahres. Die Menschen sehnten sich nach einer Person, die nicht so auftritt und spricht, wie es für den Politikbetrieb typisch sei. Und nach jemandem, der sich nicht eindeutig einem Lager zuordnen lässt. „Da könnte ich vom Persönlichkeitsprofil ganz gut reinpassen“, ist Zeh überzeugt. Zeh ist SPD-Mitglied und Bestseller-Autorin. Da die SPD jedoch 2017 bei der Wahl von Steinmeier die Unterstützung der Union in Anspruch nahm, liegt das GroKo-interne Vorschlagsrecht nun bei CDU und CSU. Daher ist Zeh wohl chancenlos. (Tobias Lill, Waltraud Taschner)

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