Politik

14.01.2022

Corona-Hysterie: Söders Wandlung

Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Jetzt auf einmal. Schon erstaunlich, wie hurtig Ministerpräsident Markus Söder seine Ansagen zum Thema Corona ändert. Noch im November sprach er von „Virus-Apokalypse“, jetzt plötzlich warnt er vor „Panik“ und „Hysterie“. Klar, mit Omikron beginnt wohl eine neue, weit weniger schlimme Phase der Pandemie. Wahr ist aber auch: Im kommenden Jahr findet die Landtagswahl statt, der Vorwahlkampf hat begonnen – unter für die CSU beunruhigenden Vorzeichen. Die Umfragewerte sind mau, die Landtagsabgeordneten genervt vom bislang rigiden Corona-Kurs, es gibt eine wachsende Zahl von Parteiaustritten.

Fatal auch der Eklat um unkorrekte Zahlen bei der Inzidenz Ungeimpfter – die Söder heranzog, um Bayerns besonders strenge Regeln zu rechtfertigen. Hinzu kommt Mega-Verdruss über eine, wie viele argwöhnen, bewusst unklar formulierte Vorschrift zu 2G im Einzelhandel. Nur weil einzelne Geschäfte dagegen klagten, kam heraus: Weite Teile des Handels waren davon gar nicht betroffen.

Noch vor wenigen Wochen wurde der Einzelhandel drangsaliert

Die Staatsregierung wusste sehr wohl um deren Not, sah sich aber keineswegs veranlasst, beizeiten für Aufklärung zu sorgen. Ungerührt sah man zu, wie etwa der Bekleidungsbranche im Weihnachtsgeschäft dringend nötige Umsätze verloren gingen. Das werden die Unternehmen so schnell nicht vergessen. Da wollte Söder jetzt nicht auch noch die Gastronomie durch 2G plus vergrätzen.

Das Argument: Man müsse erst mal gucken, wie hoch das Infektionsrisiko dort tatsächlich sei. Echt jetzt? Zwei Jahre nach Beginn der Pandemie hat man es nicht für nötig befunden, die Infektionsrisiken zu untersuchen? Hat Lockdowns angeordnet, Schulen und Kultureinrichtungen geschlossen, Menschen in Verzweiflung gestürzt, ohne wissenschaftliches Back-up? Wollte man es möglicherweise gar nicht so genau wissen?

Es ist ja schön, wenn in Bayern nun eine Pandemiepolitik mit Augenmaß eingeläutet wird. Allerdings reicht ein hastiger Schwenk nicht aus. Eine Vielzahl vertrauensbildender Maßnahmen ist nötig. Wie wäre es mit: offener Kommunikation, Ehrlichkeit, Sachlichkeit, Logik – und Demut. Der Satz „Entschuldigung, wir haben Fehler gemacht“ könnte helfen.

 

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