Politik

Der CSU-Parteitag am Wochenende sollte die Wahl drehen - die neue Umfrage deutet nicht darauf hin, dass das geklappt hat. (Foto: dpa/Daniel Karmann)

14.09.2021

CSU rutscht weiter ab

In der jüngsten Umfrage kommt Söders Partei nur noch auf 28 Prozent - im Streit mit der SPD um die historische Rolle legt er nach

Die CSU verliert einer neuen Umfrage zur Bundestagswahl zufolge weiter. Wäre am nächsten Sonntag Wahl, würden laut dem jüngsten "Wählercheck" der Sendung "17:30 Sat.1 Bayern" noch 28 Prozent der Wähler in Bayern die Christsozialen wählen. Bei der vorangegangenen Erhebung eine Woche zuvor Anfang September hatten noch 29 Prozent der Befragten angegeben, dass sie die CSU wählen würden - im Juli waren es sogar noch 35 Prozent.

Dafür hat sich die SPD binnen sechs Wochen in der Wählergunst verdoppelt auf 18 Prozent (Anfang September: 15 Prozent). Die Grünen sacken weiter auf 17 Prozent (Anfang September: 18 Prozent, Juli: 20 Prozent). Die FDP hält sich etwa auf 12 Prozent (Anfang September: 13 Prozent, Juli: 12 Prozent), die AfD bleibt im Vergleich zu Anfang September auf 10 Prozent und die Freien Wähler auf 6 Prozent.

Nur knapp über die Hälfte der Befragten (54 Prozent), die eine Partei nannten, sind sicher, "ganz bestimmt" die Partei zu wählen. 44 Prozent denken auch noch über die Wahl anderer Parteien nach.

Olaf Scholz bleibt an der Spitze

Bei der Kandidatenfrage bleibt SPD-Bewerber Olaf Scholz an der Spitze. Auf die Frage "Wenn Sie persönlich darüber entscheiden könnten, wer wäre Ihnen dann als Kanzler/in am liebsten?" nannten 39 Prozent den Bundesfinanzminister (plus zwei Prozentpunkte gegenüber Anfang September und plus 15 gegenüber Juli). Unions-Spitzenkandidat Armin Laschet bleibt mit 21 Prozent (minus 1 Punkt gegenüber Anfang September und minus 7 Punkte gegenüber Juli) auf Platz zwei, Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock steht unverändert bei 14 Prozent.

Das Ergebnis passt allerdings nicht zu einem anderen Wunsch der Wähler: 34 Prozent wollen, dass die Union die Regierungskoalition führt. Nur 27 Prozent hätten lieber eine Führung durch die SPD, 12 Prozent durch die Grünen.
Grundsätzlich sind Umfragen nur Momentaufnahmen. Sie spiegeln das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang. Zudem sind sie mit Unsicherheiten behaftet. Etwa erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschern zufolge die Gewichtung der Daten.

Söder: SPD reagiert schon sehr dünnhäutig

CSU-Chef Markus Söder hat unterdessen im Streit mit der SPD um die historische Rolle der Sozialdemokraten nachgelegt. "Fakt ist: Ob Westbindung, Eintritt in die Nato und die Gründung der Bundeswehr unter Konrad Adenauer und Franz Josef Strauß war die SPD dagegen", sagte der bayerische Ministerpräsident der "Augsburger Allgemeinen". "Auch bei der Deutschen Einheit lag Oskar Lafontaine völlig daneben." Und schließlich sei die SPD gegen den Stabilitätspakt gewesen und habe stattdessen eine Schuldenunion in Europa gefordert. "Insofern ist an der These eine Menge Wahres." Unionskanzlerkandidat Armin Laschet hatte der SPD am Samstag auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg im Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Finanzpolitik vorgehalten, "immer auf der falschen Seite" gestanden zu haben.

Söder wies die Kritik der SPD an Laschets Aussage zurück. "Da reagiert die SPD schon sehr dünnhäutig." Die SPD habe den Satz zudem verkürzt wiedergegeben. "Das hat mit sauberem Wahlkampf nichts zu tun."

Die SPD hatte unter anderem gefragt, ob Laschet mit seinem Urteil auch die Ostpolitik Willy Brandts meine oder das Nein Gerhard Schröders zum Irak-Krieg.

Söder sagte, die Sozialdemokraten hätten gleichwohl historische Verdienste: "Die große moralische Leistung der SPD - und die bleibt unbestritten - ist, dass sie sich in der Zeit des Nationalsozialismus ehrbar und klar positioniert hat und dadurch das demokratische Rückgrat der Demokratie repräsentiert hat."

Blume will trotz der schlechten Umfragewerte eine Trendwende erkennen

CSU-Generalsekretär Markus Blume hat sich trotz anhaltend schlechter Umfragewerte optimistisch zu einer Aufholjagd in der Schlussphase des Wahlkampfes geäußert und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz erneut attackiert. "Es ist alles möglich, ich erkenne auch Anzeichen für eine Trendwende", sagte Blume am Dienstag vor Journalisten in Berlin. Aus einem Triell der drei Kanzlerkandidaten Armin Laschet (Union), Scholz und Annalena Baerbock (Grüne) werde auf der Schlussgeraden eher ein Duell zwischen Union und SPD.

Im Wahlkampf dürfe man auch die Samthandschuhe ausziehen, sagte Blume mit Blick auf harte Kritik von Laschet an Scholz und den Vorwurf der SPD, die Union fahre eine Schmutzkampagne. Scholz und die SPD täten im Wahlkampf so, als hätten sie mit der Bundesregierung nichts zu tun - dabei hätten sie in 19 der vergangenen 23 Jahre im Bund mitregiert. Die CSU setze am 26. September auf Sieg und nicht auf Platz, betonte Blume auf die Frage nach einer möglichen Juniorpartnerschaft der Union in einer SPD-geführten Regierung.

Mit Blick auf FDP-Chef Christian Lindner, der mit seiner Partei das Zünglein an der Waage für eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP oder eine Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP sein könnte, kritisierte der CSU-Generalsekretär, Lindner buhle um Unionsstimmen und wolle zugleich eine Ampel nicht ausschließen. Dies zeige, dass nur die Union ein "Bollwerk gegen einen Linksrutsch" sei.
(dpa)

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