Politik

Michael Brückner war am Dienstag vergangene Woche mit Verweis auf "private Gründe" von all seinen Ämtern zurückgetreten. Besser wäre es laut der Expertin gewesen, von vornherein die Wahrheit zu sagen. (Foto: dpa)

13.06.2016

CSU-Skandale befeuern Politikverdrossenheit

Sexaffäre und Drogenvorwürfe - die sonst so ordnungsliebende CSU hat gerade allerlei mit sich selbst zu tun. Eine Expertin sagt, welche Wirkung die Skandale der vergangenen Tage haben

Die Sex- und Drogen-Verfehlungen der CSU-Politiker Michael Brückner und Georg Schlagbauer spielen nach Expertenansicht Populisten in die Hände. "Pegida und generell die populistischen und rechtsextremen Parteien profitieren natürlich davon", sagte Teresa Nentwig vom Institut für Demokratieforschung in Göttingen am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. In diesen Kreisen sei Kritik an Politikern ohnehin sehr ausgeprägt. In Sachen Informationspolitik hätten die Betroffenen zudem einiges besser machen können, sagte Nentwig, die zu politischen Skandalen forscht. "Solche Affären und Skandale befeuern das natürlich, dass Menschen sich weiter von der Politik abwenden, dass sie nicht wählen gehen oder dass sie sich zu populistischen und rechtsextremen Parteien hinwenden." Somit beträfen die aktuellen Fälle auch andere Parteien. CSU-Chef Horst Seehofer hatte nach Bekanntwerden von Brückners Sex-Affäre gesagt, er fürchte dadurch Schaden an der Partei. Nentwig riet Betroffenen, die Öffentlichkeit nicht häppchenweise zu informieren. "Es kommt ja irgendwann doch an die Öffentlichkeit." Die Wissenschaftlerin nennt das Beispiel des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU), der 2012 im Laufe der sogenannten Kreditaffäre zurückgetreten war. "Wenn der von Anfang an gesagt hätte, was Sache ist, dann wäre der heute wahrscheinlich noch Bundespräsident."

Allerdings: Das öffentliche Gedächtnis ist auch sehr löchrig

Brückner war am Dienstag mit Verweis auf "private Gründe" von all seinen Ämtern zurückgetreten. Der Münchner CSU-Mann Schlagbauer nannte am Donnerstag über seinen Anwalt "dringende gesundheitliche und familiäre Gründe". Besser wäre es laut Nentwig gewesen, von vornherein die Wahrheit zu sagen. "Das würde besser ankommen als diese Salamitaktik." Nentwig verwies aber auch darauf, dass das öffentliche Gedächtnis sehr löchrig sei. In den meisten Fällen würden die Wähler Verfehlungen schnell vergessen. Zwar sei die politische Karriere der Betroffenen zunächst einmal hinüber. "Aber das heißt nicht, dass die nicht mehr Fuß fassen können." Im Laufe der Woche war bekanntgeworden, dass der Landtagsabgeordnete und Bauernfunktionär Brückner gegen Geld Sex mit einer Jugendlichen gehabt hatte. Schlagbauer, der Handwerkspräsident und ein prominenter Münchner CSU-Stadtrat war, soll Drogen gekauft haben. Gegen beide ermittelt die Staatsanwaltschaft. Vor Bekanntwerden der Vorwürfe traten sie von ihren Ämtern zurück. (dpa) Foto (dpa): Teresa Nentwig, Politikwissenschaftlerin der Universität Göttingen

Kommentare (1)

  1. otto regensbacher am 13.06.2016
    Politikwissenschaftler wollen uns Deutschen immer wieder aufs Neue "die Politik" erklären. Verfehlungen bei Politikern jedweder Art gab es und wird es immer geben. Ein gewisser Prozentsatz unserer Bevölkerung hat eben eine "kriminelle Veranlagung." Von dieser Veranlagung sind auch Politiker betroffen.
    Erschreckend ist natürlich schon, dass derartige Fälle - verteilt auf alle Parteien - gehäuft auftreten. Solche Fehlbesetzungen könnte man vermeiden oder jedenfalls einschränken, wenn bei der Auswahl der Bewerber für "politische Posten" mehr Sorgfalt an den Tag gelegt würde.

    Die Bürger ärgern sich natürlich über solche Vorfälle. Die eigentliche Politikverdrossenheit basiert aber auf ganz anderen Gegebenheiten. In diesem Zusammenhang wäre vor allem zu nennen: Die von Merkel ausgelöste Massenzuwanderung von Afrikanern und Arabern. Aber solche Dinge werden auch im Land der Merkel kaum von Politikwissenschaftlern angesprochen!
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