Politik

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann. (Foto: Peter Kneffel/dpa)

10.12.2018

"Das Rumgeeiere brauchen wir nicht länger"

Simone Fleischmann, Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, über den Digitalpakt, das digitale Klassenzimmer und die digitalen Kenntnisse von Lehrkräften

BSZ: Was bedeutet der Digitalpakt von Bund und Ländern in Bezug auf die Schulen vor Ort?
Fleischmann:
Was die Schulen vor Ort brauchen, sind konkrete Aussagen,auf die wir uns als Lehrerinnen und Lehrer verlassen können. Das Hin und Her in der Diskussion um den Digitalpakt bringt uns dabei nicht weiter. Wir brauchen verbindliche Zusagenund konkrete Maßnahmen, damit die Schulen und die Lehrerinnen und Lehrer sich weiter auf den Weg machen und auch konkret umsetzen können was die Digitalisierung an Chancen bietet.

BSZ: Hat die Trennung von Bund und Ländern in der Schulpolitik noch Bestand?
Fleischmann:
Ein Rumgeeiere zwischen Bund und Ländern brauchen wir nicht länger. Sonntagsreden zur digitalen Bildung helfen nicht – die Realität an den Schulen muss sich verändern können. Die Technik an den Schulen, der Support im Umsetzungsprozess und die Kompetenzen der Kolleginnen und Kollegen: das  sind die drei Säulen, die es gilt jetzt anzugehen. Ein weiteres Warten, ein nächster Dialogprozess oder ein Vermittlungsausschuss bringen uns Lehrerinnen und Lehrer in der täglichen schulischen Praxis wieder nichts! Die Zeit läuft ... Wir wollen nicht abgehängt werden – wir wollen modernen Unterricht vorhalten können. 

BSZ: Reicht die aktuelle Zahl an Lehrern für den Informatikunterricht aus?
Fleischmann: Informatik ist sicher ein Teil von digitaler Bildung. Und Informatiklehrkräfte werden auch in Zukunft verstärkt gebraucht. Aber wir müssen uns darauf einigen, was Bildung vor dem Hintergrund der Digitalisierung leisten soll und was in den Schulen gelernt werden soll. Erst dann können wir sagen, welche Kompetenzen die Lehrerinnen und Lehrer dafür benötigen. Das hat Auswirkungen auf die Lehrerausbildung und die Weiterbildung der aktuellen Lehrkräfte. 

BSZ: Woran denken Sie da?
Fleischmann:
Der Informatikunterricht muss entlang eines roten Fadens aufgesetzt werden – beginnend in der Grundschule. Die Qualität des Informatikunterrichts ist entscheidend – hier braucht es eine grundlegende Konzeption damit dieser Unterricht in Bayern professionell weiterentwickelt werden kann.

BSZ: Wo sehen Sie Defizite bei Schülern hinsichtlich der digitalen Bildung und wo bei Lehrern?
Fleischmann:
Digitale Medien können dem Lernerfolg und der Lernfreude dienen. Der wesentliche Garant für hohe Bildungsqualität ist aber die Lehrerin oder der Lehrer. Sie müssen in die Lage versetzt werden, digitale Bildung auch bestmöglich integrierenzu können. Nur so können Lehrkräfte gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern einen verantwortungsbewusstenund kritischen Umgang mit digitalen Medien erlernen.

BSZ: Worin müsste vorrangig investiert werden?
Fleischmann
: Diese Frage wird sehr häufig reduziert auf die technische Ausstattung der Schulen. Natürlich muss diese erstmal gegeben sein und natürlich brauchen wir an den Schulen dringend und verlässlich eine professionelle Systembetreuung. Das ist aber nur das eine. 

BSZ: Und des Weiteren?
Fleischmann:
Lehrer wollen pädagogisch modern und digital unterstützt unterrichten. Dazu brauchen wir vor allem professionelle Fortbildungen und eine gute Ausbildung. Denn hier werden die Kompetenzen aufgebaut, die es für Schule und Bildung im Zeitalter der Digitalisierung benötigt. Die Menschen und Ihre Qualifizierung stehen vor der Anschaffung von Technik.Kompetente Kollegen sind der Garant für eine professionelle Bildung im digitalen Zeitalter.

BSZ: Welche Hindernisse stehen einer erfolgreichen Umsetzung im Weg?
Fleischmann:
Es ist ja bereits einiges passiert im Zuge der Digitalisierung an den Schulen. Und Lehrer sind motiviert, digitale Bildung umzusetzen. Was wir brauchen um den Veränderungsprozess erfolgreich leisten zu können ist ein roter Faden, ein Gesamtkonzept. Das erkenne ich bisher noch nicht. Und die Politik zeigt sich aktuell hier nicht von ihrer besten Seite. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir einen Weg finden, den alle gut gehen können – die Schulen, die Lehrkräfte, die Eltern und auch die Politik. (Interview: André Paul)

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