Politik

An allen Hochschulen in Bayern gilt seit dieser Woche 2G, was streng kontrolliert wird. In Hotspots mussten Hochschulen sogar schließen. (Foto: dpa/Demy Becker)

26.11.2021

Das Wintersemester wird digital

2G an Hochschulen, mit Online-Vorlesungen für Ungeimpfte: Das wirft Probleme auf

An Bayerns Hochschulen herrschte Chaos. Erst vor wenigen Tagen hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigt, die Zugangsbeschränkungen am 24. November von 3G auf 2G abzusenken. Das heißt, nur noch wer geimpft oder genesen ist, darf die Hochschule betreten. Außerdem müssen Hochschulen in Gebieten mit einer Inzidenz von über 1000 schließen und auf digitale Lehre umstellen. Manche sprachen von einem „hochschulpolitischen Erdbeben“. Trotzdem war selbst am Morgen nach der Umstellung den Hochschulleitungen noch unklar, wo 2G im Detail gilt. „Es ist ein Ratespiel“, klagt ein Hochschulsprecher. 

Inzwischen ist klar: An allen Hochschulen gilt 2G, für Ungeimpfte muss aber laut Wissenschaftsministerium die „digitale Studierbarkeit“ gewährleistet bleiben, also alle Vorlesungen müssen auch online abrufbar sein. Laborarbeit, Praktika sowie praktische Übungen in Sport, Theater und Kunst sollen an allen Hochschulen, also auch an den geschlossenen, weiterhin unter 3G-Bedingungen möglich sein, wenn sie nicht digital durchgeführt werden können. Dazu ist neben der FFP2-Maske ein PCR-Test erforderlich. 

Das Betreten von Hörsälen, Archiven, Bibliotheken und Mensen ist hingegen bis aktuell 15. Dezember nur Geimpften und Genesenen vorbehalten. 

Bei Prüfungen soll laut Ministerium aus rechtlichen Gründen weiterhin die 3G-Regel gelten, wobei viele Hochschulen wie zum Beispiel die Evangelische Hochschule Nürnberg natürlich auch Fernprüfungen anbieten. Das Wintersemester wurde dort sowieso schon weitgehend als digitales Semester geplant. Den Impfstatus wollen die meisten Hochschulen am Eingang von der Security, stichprobenartig oder von den Dozierenden kontrollieren lassen.

Seit Mittwoch haben inzwischen auch einige Hochschulen in Inzidenz-Hotspots auf Online-Lehre umgestellt, beispielsweise in Rosenheim oder Deggendorf. Auch in Gebieten mit einer Inzidenz unter 1000 wird darüber nachgedacht – jede Hochschule hat einen gewissen Spielraum bei der Auslegung der neuen Regelungen.

Gelassen dürfte die neuen Regelungen die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gesehen haben. Dort sind die Inzidenzen verhältnismäßig niedrig und auf 2G im Hörsaal wurde schon vor zwei Wochen umgestellt – diese Möglichkeit bestand bereits mit der letzten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Während einige Studierende in den sozialen Medien die Entscheidung begrüßten, kritisierten andere, ausgesperrt zu werden. 

Bayerns Studierendenvertretung von der Landesastenkonferenz (LAK) halten die 2G-Regelung an einzelnen Hochschulen für sinnvoll, wenn bei der Entscheidung die Studierendenvertretung miteinbezogen wird. „Eine flächendeckende Anwendung auf alle Hochschulen lehnen wir aber ab“, sagt LAK-Vorständin Johanna Weidlich. Was für Schulkinder das Klassenzimmer und für Angestellte das Büro sei, sei für Studierende der Hörsaal. Wie auch die Studierendenvertretung vom Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) Bayern fordern die jungen Menschen von der LAK ein erneutes Corona-Freisemester, das keine Auswirkungen auf BAföG-Bezugsdauer, Prüfungen und die Regelstudienzeit hat. Dafür setzt sich auch die Landtagsopposition ein.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es aber bei den neuen Zugangsbeschränkungen. Ex-Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) fordert, an der 3G-Regel festzuhalten, das sei aufgrund der hohen Impfquote unter Studierenden vertretbar. Außerdem erinnerte er daran, dass 2G nicht nur Ungeimpfte, sondern auch Erstgeimpfte ausschließe. „Wir dürfen Studierende nicht aufgrund ihres Impfstatus benachteiligen und womöglich nachhaltig ihre berufliche Laufbahn einschränken“, ist Heubisch überzeugt. Es gebe ein Grundrecht auf Bildung, Forschung und Lehre, für das jeder Studierende die gleichen Voraussetzungen erhalten müsse.

FDP für 3G an Hochschulen

SPD und Grüne im Landtag begrüßen die 2G-Regel. Es müsse aber dafür Sorge getragen werden, dass die Studierenden zu Hause auf die Lehrinhalte zugreifen können. Das Problem: „Die wenigsten Hochschulen verfügen über die nötige finanzielle, personelle und technische Ausstattung, flächendeckend hybride Veranstaltungen anzubieten“, klagt der wissenschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christian Flisek. Er befürchtet, dass dadurch nicht nur Hochschulen in Hotspots komplett auf Online-Lehre umstellen müssen. Verena Osgyan (Grüne) fordert daher dringend bessere finanzielle, logistische wie auch strategisch-planerische Unterstützung durch die Staatsregierung – auch für die psychosozialen Beratungsangebote der Studierendenwerke. 

Fliseks Befürchtungen sind nicht unbegründet. Die Universität Augsburg nutzt zwar angesichts der zunehmend angespannten Pandemielage bereits seit Wochen neben Präsenzangeboten hybride- und online-Formate. „Diese sind aber sicherlich nicht in allen Fällen synchron möglich“, sagt eine Sprecherin. Sie betont allerdings: „Unsere Dozierenden sind gebeten, hier bei Bedarf jeweils pragmatische Lösungen zu finden.“

An der Universität Bayreuth wird betont, dass dieses Semester trotz des Hybridunterrichts ein Präsenzsemester bleiben soll. Da Bibliotheken für ungeimpfte Studierende geschlossen sind, empfiehlt die Hochschule, elektronische Medien zu nutzen. Personen, die aus medizinischen Gründen von der 2G-Regelung ausgenommen sind, werden mit einem entsprechenden Attest zu den Vorlesungen zugelassen.

Die Universität Passau ist ebenfalls überzeugt, nach den Erfahrungen der letzten Online-Semester technisch dazu in der Lage zu sein, sowohl rein virtuelle als auch hybride Veranstaltungen anzubieten. Über die genaue Ausgestaltung entschieden die Dozierenden. Allerdings wird in Passau vom 13. Dezember bis 17. Januar eine reine Online-Phase eingelegt, damit alle rechtzeitig vor den Feiertagen „auf Sicherheitsabstand“ gehen könnten.

Eine entspannte Woche hatte die Bundeswehr Universität in Neubiberg. Dort gelten nach wie vor die 3G-Regeln. Über ein 2G-Modell sei zwar nachgedacht worden, „ein Umschwenken ist aber nicht geplant“, sagt ein Sprecher. Grund für die Ausnahme: Die Universität unterliegt den Regelungen des Bundesverteidigungsministeriums. Auf dem Campus gebe es nur Kleingruppen, eine Test- und sogar eine eigene Impfstation. (David Lohmann)

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