Politik

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht beim Bundeskongress der Gewerkschaft der Polizei in Berlin. (Foto: dpa/Fabian Sommer)

03.11.2026

Dobrindt verteidigt „Chaoten“-Aussage zu Krawallen

Dobrindt blickt erneut zurück auf die Krawalle vom Wochenende. Hamburgs Innensenator schaut sorgenvoll in die Zukunft, wo in Sachsen-Anhalt demnächst ein AfD-Mitglied Innenminister werden könnte

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat Kritik an seinen Äußerungen zu den Krawallen bei den Jugendprotesten vom Wochenende zurückgewiesen. In einer Rede beim Bundeskongress der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin sagte der CSU-Politiker, er könne das, was er an Gewaltbereitschaft auf der Straße am Samstag gesehen habe, nicht anders beschreiben.

Er sagte: „Es sind Chaoten und dabei kann man dann diskutieren, wie man sie weiter beschreibt. Sind es Chaoten von links, sind es Chaoten von rechts, sind es islamistische Chaoten, sind es Chaoten aus dem migrantischen Hintergrund.“ Wenn Chaoten Polizistinnen und Polizisten angriffen, sei es wichtig, auf der richtigen Seite zu stehen und die Polizeikräfte zu schützen.

Dobrindt hatte mit Blick auf die Ausschreitungen von „gewaltbereiten linken Gruppen und migrantischen Chaoten“ gesprochen. Unter anderem Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte widersprochen. Die Grünen kritisierten, es sei falsch, Menschen mit Migrationshintergrund – immerhin knapp ein Drittel der Bevölkerung – als Problem zu markieren.

Kopelke als GdP-Vorsitzender wiedergewählt

Die Delegierten haben den GdP-Bundesvorsitzenden Jochen Kopelke am Montag, dem ersten Tag des Bundeskongresses, mit rund 89 Prozent für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Der 42-jährige Polizeioberrat aus Bremen steht seit 2022 an der Spitze der Gewerkschaft.

In einem Deutschlandfunk-Interview zu den Ausschreitungen vom Wochenende, die in Frankfurt am Main besonders gewalttätig waren, räumte Kopelke auf die Frage einer pauschalen Diffamierung ganzer gesellschaftlicher Gruppen ein, dass das für diese verletzend sei. Er fragte aber zugleich, wie man die Menschen nun benennen solle. „Das sind die, die auf den Bildern sind. Wieso weiß man vorher, welcher Talahon, welcher junge Mann sich wieder nicht im Griff haben wird?“ Die Gesellschaft finde keinen Umgang und keine Antwort auf dieses Kriminalitätsphänomen.

Der Begriff „Talahon“ geht auf den arabischen Satz „Ta'ala hon“ (Komm her!) zurück. Er war ursprünglich eine Selbstbezeichnung, wird aber nach Einschätzung von Antirassismus-Initiativen und Sozialwissenschaftlern zunehmend von rechten Akteuren genutzt, um junge Männer mit Migrationshintergrund abzuwerten.

IMK-Vorsitzender blickt sorgenvoll nach Sachsen-Anhalt

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Hamburgs Innensenator Andy Grote, sagte mit Blick auf das starke Abschneiden der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, dort sei eine „ernste Lage entstanden“, mit der sich die IMK zuletzt intensiv beschäftigt habe. Der SPD-Politiker sagte, keine Polizistin und kein Polizist dürfe „einem Dienstherrn folgen, der den Boden von Recht und Gesetz verlässt“.

Der Eid binde jeden Polizisten an die Verfassung und nicht an die politische Macht. Er hoffe, dass die Polizeibeamten in Sachsen-Anhalt nicht in diesen Konflikt kommen. Sollte dies jedoch der Fall sein, bräuchten sie Unterstützung, auch durch Gewerkschaften. Der AfD-Politiker Ulrich Siegmund möchte sich im Dezember im Magdeburger Parlament als Ministerpräsident zur Wahl stellen. Er ist dabei auf drei Stimmen aus anderen Reihen angewiesen. (dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll es eine Stromsteuersenkung für alle geben?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Start-up-Investor Carsten Maschmeyer meint, dass ein Staat, der offensichtliche Probleme nicht löst, von seinen Bürgerinnen und Bürgern als dysfunktional wahrgenommen wird. Politiker, die viel versprechen und wenig halten, sorgen für Ablehnung.

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.