Politik

Immer mehr Arztpraxen setzen auf digitale Telefonassistenten und andere KI-Helfer. (Foto: dpa/Westend61, Uwe Umstätter)

02.11.2026

Doctolib & Co: Digitale Arzthelfer übernehmen die Macht

Immer mehr Praxen nutzen Apps wie Doctolib oder andere digitale Helfer – Kranke, die anrufen wollen, haben häufiger das Nachsehen. Gerade für Seniorinnen und Senioren ist das schwierig

Termine über eine App oder den KI-Telefonassistenten vereinbaren, Nachfragen per Chat klären: Immer mehr ärztliche Praxen setzen auf digitale Kommunikation. Laut Studien wie dem Praxisbarometer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bieten bereits rund 40 Prozent der Praxen eine Onlineterminvergabe an, Tendenz steigend.

Die Zeitersparnis, die man sich davon verspricht, ist schließlich enorm. Bis zu 20 Stunden pro Woche sind es laut Doctolib, der führenden Terminvergabe-App in Deutschland. Für die Praxen heißt das: Man hat mehr Zeit für die Behandlung – oder kann eine Teilzeitkraft einsparen.

Die Kehrseite der Medaille: Es läuft nicht immer so, wie in der Anbieterwerbung versprochen. Der Verbraucherzentrale-Bundesverband bemängelt etwa die teils komplizierte Terminsuche bei Doctolib und dem auch häufig genutzten Portal Jameda. Zudem zeigte ein Test der Verbraucherzentrale, dass manchmal nur Selbstzahlertermine angezeigt wurden, obwohl das im Suchfilter vorher ausgeschlossen worden war. Klar, die sind lukrativer.

Nur noch digital zu erreichen

Und auch das Versprechen, dass Patienten mit KI und Apps zusätzliche Kommunikationsmittel erhalten, entpuppt sich in einigen Fällen als falsch. Etliche Praxen sind nur noch über die neuen Kanäle zu erreichen. Für Helmut Hirner, den Vorsitzenden der Landesseniorenvertretung Bayern, ist das „eine Sauerei“. „Ich bin auch für Digital first“, sagt er. „Aber es muss einen Bypass geben.“ Es gebe Menschen, die von der zunehmenden Digitalisierung überfordert seien, und zwar nicht nur ältere. Auch die müsse man mitnehmen.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns sieht man das ähnlich. Man empfiehlt den Mitgliedern, die digitalen Kanäle und die telefonische Erreichbarkeit „nicht als sich gegenseitig ausschließende Optionen zu betrachten“. Letztlich seien Praxen aber für ihre Organisation selbst verantwortlich. (Thorsten Stark)
 

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