Politik

Das Ehegattensplitting ist umstritten. (Foto: dpa/SZ Photo, Wolfgang Filser)

10.04.2026

Ehegattensplitting: Darum ist die Neuregelung längst überfällig

Die Debatte um das Ehegattensplitting ist nicht neu, die Argumente dafür und dagegen auch nicht. Das Splitting verfestige überkommende Rollenmodelle mit der Frau am Herd, sagen die einen, seine Abschaffung sei eine Steuererhöhung für Familien, die anderen. Es wäre aber mal an der Zeit, die Sache aus dem ideologischen Kulturkampf zu holen und rational anzugehen. Ein Kommentar von Jürgen Uumlauft

Die Debatte um das Ehegattensplitting ist nicht neu, die Argumente dafür und dagegen auch nicht. Das Splitting verfestige überkommende Rollenmodelle mit der Frau am Herd, sagen die einen, seine Abschaffung sei eine Steuererhöhung für Familien, die anderen. Es wäre aber mal an der Zeit, die Sache aus dem ideologischen Kulturkampf zu holen und rational anzugehen. Im Prinzip stellen sich drei Grundfragen für die Regelung, die verheiratete Paare mit einem Gut- und einem Nicht- oder Geringverdiener bei der Steuer bevorzugt: Ist das Splitting noch zeitgemäß? Entspricht es der Lebensrealität und den Bedürfnissen heutiger Familien? Ist es gerecht?

Ausnahmen für Familien

Die ehrliche Antwort auf alle Fragen lautet: nein. Das Ehegattensplitting stammt aus einer Zeit, als Frauen noch ihre Ehemänner um Erlaubnis fragen mussten, ob sie arbeiten gehen dürfen. Frauen in Arbeit oder gar in gut bezahlten Jobs waren damals die Ausnahme. Familien bestanden aus Ehepartnern mit ihren Kindern. Heute sind Familien da, wo Kinder sind. Also immer häufiger bei Alleinerziehenden oder in Patchwork-Beziehungen. Und schließlich: Es ist kein triftiger Grund, Steuern sparen zu dürfen, nur weil man einen Trauschein hat.

Eine Neuregelung ist überfällig. Das Splitting für Ehepaare ohne oder mit erwachsenen Kindern gehört abgeschafft. Es setzt den falschen Anreiz zur Nichtarbeit, führt zu Mitnahmeeffekten und lohnt sich vor allem für Alleinverdienerinnen und Alleinverdiener mit hohem Einkommen. Dafür sollte es für alle Eltern mit Kindern – egal in welcher Rechtsform – bis zum Abschluss von deren Ausbildung steuerliche Vergünstigungen geben. Damit bliebe auch der von Konservativen befürchtete „Anschlag auf die Familie“ aus. Natürlich muss das verfassungsrechtlich sauber ausgetüftelt werden. Und ein Vertrauensschutz für bestehende Ehen würde für Verlässlichkeit sorgen. Also: Scheuklappen weg und Bahn frei für eine zeitgemäße und gerechte Lösung. 
 

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