Politik

21.04.2022

Eine Eventarena am Münchner Flughafen – braucht’s das?

Der Freisinger Stadtrat gab vor Kurzem grundsätzlich grünes Licht für ein multifunktionales Konzert- und Kongresszentrum am Münchner Flughafen. Bis zu 20.000 Gäste soll es fassen. Aber es gibt auch entschiedene Gegner*innen

JA

Benno Zierer, umweltpolitischer Sprecher der Freien Wähler im Landtag und Freisinger Stadtrat

Mit klarer Mehrheit hat sich der Freisinger Stadtrat dafür ausgesprochen, in das Planverfahren für eine Konzert- und Kongresshalle auf dem Gelände des Flughafens einzusteigen. Das bedeutet noch keine endgültige Entscheidung. Für Verwaltung und Stadtrat gilt es, unter Beteiligung der Öffentlichkeit festzustellen, ob der Bau von Arena, Hotel und Parkhaus genehmigungsfähig ist. Ich habe mit der Stadtratsfraktion der Freien Wähler dafür gestimmt, in das Verfahren einzutreten.

Ein Investor aus unserer Stadt möchte über 300 Millionen Euro in eine moderne und nachhaltig errichtete Multifunktionsarena für Konzerte, Kongresse und TV-Produktionen investieren. Die Hochschulen der Universitätsstadt Freising wünschen sich seit Jahren einen Ort, an dem sie Kongresse abhalten können. 20.000 Zuschauer soll die Arena fassen – eine Größe, die für internationale Top-Künstler attraktiv ist. Denn um die altehrwürdige Olympiahalle mit einem Fassungsvermögen von 12.500 Zuschauern machen viele Stars mittlerweile einen Bogen.

Der Bedarf für einen neuen Veranstaltungsort im Großraum München ist also da. Das sieht auch die Münchner Stadtpolitik, favorisiert aber einen innerstädtischen Standort. Dagegen spricht, dass gerade bei Konzerten viele Besucher aus einem großen Einzugsgebiet mit dem Auto kommen. Am Flughafen ist neben dem S-Bahn-Anschluss auch eine leistungsfähige Straßenanbindung mit Parkmöglichkeiten vorhanden.

Ein kleiner Teil der Besucher wird per Flugzeug anreisen – etwa, um das Konzert mit einem Städtetrip zu verbinden. Dass dadurch in großem Ausmaß zusätzliche Flugbewegungen generiert werden, wie es die Gegner des Projekts prophezeien, sehe ich nicht. Einen Zusammenhang zwischen Arena und dritter Startbahn zu konstruieren ist weit hergeholt und unnötig. Für die dritte Bahn gibt es keine politische Mehrheit und keinen Bedarf – ob mit oder ohne Konzert- und Kongresshalle.


NEIN

Christian Hierneis, Sprecher für Umweltschutz der Landtags-Grünen und Vorsitzender des Bund Naturschutz München

Der Flughafen München wird immer mehr zu einer eigenen Stadt: Ärztezentrum, Kindertagesstätte, Weihnachtsmarkt, Arbeiten am LabCampus, und jetzt noch Kongresse, Konzerte und TV-Shows. Von diesen Geschäftsfeldern profitiert vor allem der Flughafen als Unternehmen, während gleichzeitig Flächenverbrauch vorangetrieben und Verkehr produziert wird. Das bayerische Wirtschaftsministerium bestätigt, dass die Multifunktionshalle die Attraktivität des Flughafens und dessen Bedeutung als internationales Drehkreuz sichern soll. Im Klartext: Die Halle soll explizit dazu dienen, mehr Flugverkehr zu generieren, das heißt mehr Fluglärm, mehr Ultrafeinstaub und weniger Klimaschutz. Also wieder: Profit am Flughafen, Nachteile für die Region.

Wer nicht fliegt, kommt mit dem Auto oder der Bahn. Das Straßennetz in der Flughafenregion ist bereits jetzt erheblich belastet, und so wird ständig über neue Straßenbauprojekte diskutiert, unter anderem eine weitere Isarbrücke durch das FFH-Gebiet, also Schutzgebiet der Isarauen. Wenn wir die Verkehrswende schaffen wollen, dürfen wir nicht ständig neuen Verkehr produzieren. Auch die Anbindung an den ÖPNV ist am Flughafen München bekanntlich nicht sonderlich gut. Die Eventhalle führt zu einer weiteren Belastung der S-Bahn.

In Bayern gibt es bereits genug Hallen für Veranstaltungen. Es ist nicht bekannt, dass ein Kongress oder ein Konzert woanders hin verlegt werden musste, weil es in Bayern dafür keine geeigneten Orte gab. Alle Superstars treten in Bayern auf, große Kongresse und Messen finden in Bayern ihren Platz. Sollten wir tatsächlich zusätzliche Hallen benötigen, dann muss dies miteinander und nicht in harter Konkurrenz gegeneinander erfolgen. Sonst drohen erhebliche finanzielle Verluste, die dann oftmals die Steuerzahlenden oder Kommunen treffen. Wir brauchen nicht immer noch mehr von dem, was wir schon haben. Und das dann auch noch zulasten der Umwelt und damit der Menschen.

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