Politik

Notre-Dame in Flammen. Das Feuer ist mittlerweile komplett gelöscht. (Foto: Jean-Paul Lozouet / Le Pictorium/MAXPPP/dpa)

16.04.2019

Fassungslos und erschüttert

Kardinal Marx und Ministerpräsident Söder reagieren entsetzt auf den Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame

Auf das verheerende Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, mit Fassungslosigkeit und Erschütterung reagiert. In einem Brief an den Erzbischof von Paris, Michel Aupetit, schrieb Kardinal Marx: "Was gestern mit Ihrer Bischofskirche Notre-Dame geschehen ist, lässt sich nicht in Worte fassen. Ich übermittle Ihnen, den Gläubigen des Erzbistums Paris und allen Menschen Frankreichs meine tief empfundene Anteilnahme."

"Die Karwoche mit ihren aufrüttelnden Bildern und Texten ist für Paris, Frankreich und Europa zu einer Woche tiefster Trauer geworden", schrieb Marx weiter. "In der Sprachlosigkeit über diesen Schicksalsschlag" versichere er dem Pariser Erzbischof das Gebet der Gläubigen in Deutschland.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat sich bestürzt über den Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame geäußert. Auf Twitter schrieb der CSU-Politiker, die Bilder seien "schockierend und traurig". In seinem Tweet nennt Söder die Kirche ein "Wahrzeichen französischer und europäischer Geschichte und Kultur". Er hoffe, dass es gelinge, die Kirche schnell wiederaufzubauen.

Staatsanwaltschaft geht von einem Unfall aus

Nach dem verheerenden Brand sind die Flammen am Dienstagvormittag komplett gelöscht. "Das ganze Feuer ist aus", sagte der Sprecher der Feuerwehr, Gabriel Plus.  Nun beginne die Phase der Begutachtung. Man habe die ganze Nacht über sichergestellt, dass das Feuer nicht wieder ausbricht und die Gebäudestrukturen überwacht. Der Brand auf dem Dach habe sich am Montagabend sehr schnell auf rund 1000 Quadratmeter ausgebreitet, so Plus weiter.

Bei dem Brand sind nach ersten Erkenntnissen drei Menschen leicht verletzt worden. Dabei handele es sich um zwei Polizisten und einen Feuerwehrmann, teilte die Feuerwehr mit.

Experten und Architekten wollen darüber beraten, wie die Feuerwehr ihre Arbeit fortsetzen kann und ob die Kathedrale stabil ist, so der Staatssekretär im Innenministerium, Laurent Nuñez, im Sender BFM TV. Rund hundert Feuerwehrwehrleute seien noch im Einsatz, am Montagabend waren es 400.

Eine internationale Geberkonferenz soll nach dem Brand Geld für den angestrebten Wiederaufbau sammeln. Einen entsprechenden Vorschlag verkündete die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, über ihren Twitter-Account. Sie wolle die Spenderkonferenz im Rathaus von Paris veranstalten, um die notwendigen Mittel für den Wiederaufbau der Kathedrale zusammenzubekommen.

Erste Großspender können Hidalgo und Macron bereits auf der Haben-Seite buchen: Die Familie des französischen Unternehmers und Milliardärs Bernard Arnault kündigte über Arnaults Luxuslabel LVMH an, sich mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion beteiligen zu wollen. Zuvor hatte bereits die französische Milliardärsfamilie Pinault 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau versprochen. Die superreichen Franzosen Arnault und Pinault sind als Kunstliebhaber, Mäzene und Konkurrenten bekannt.

Deutschland und Bayern wollen Frankreich helfen

Auch Deutschland will Frankreich beim Wiederaufbau unterstützen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe zur Hilfe für den Wiederaufbau weit über Frankreich hinaus aufgerufen, twitterte Außenminister Heiko Maas. "Deutschland steht dazu in engster Freundschaft bereit", schrieb der SPD-Politiker. "Wir sind in Trauer vereint. Notre Dame ist kulturelles Erbe der Menschheit und Symbol für Europa."

Bayern bietet Frankreich praktische Hilfe beim Wiederaufbau an. In einem Brief an die französische Botschafterin in Berlin, Anne-Marie Descôtes, hat Ministerpräsident Söder am Dienstag die Expertise der drei staatlichen Dombauhütten in Regensburg, Passau und Bamberg zur Verfügung gestellt. "Dort wird die mittelalterliche Steinmetz-Tradition bis heute gepflegt und kommt bei der Restaurierung der Sakralgebäude nach wie vor zum Einsatz", sagte Söder am Rande seiner Äthiopienreise in Addis Abeba. Er hoffe, dass der Aufbau schnell gelingen werde.

Das Feuer war am Montagabend in der weltberühmten Kathedrale im Herzen von Paris ausgebrochen. Die Flammen verwüsteten den Sakralbau, der Dachstuhl stand lichterloh in Flammen.  Die Feuerwehr war während des Brandes in großer Sorge um die beiden Türme des massiven Baus. Priorität der Arbeiten sei es gewesen, die Struktur der beiden Türme zu schützen, sagte Sprecher Plus. Die Befürchtung sei gewesen, dass die Konstruktion der Türme geschwächt würde und die tonnenschweren Glocken von Notre-Dame abstürzen könnten. Zu Beginn der Löscharbeiten sei es nicht übereilt gewesen, einen Zusammenbruch der Strukturen zu bedenken.

Eine große Herausforderung für die Arbeiten sei die Sicherung der Kunstschätze gewesen. Nach dem Einsturz des Spitzturms, der sich im Zentrum des Mittelschiffs befand, seien Leute aus dem Inneren der Kirche zurückgezogen worden. Dort sei dann ein Roboter eingesetzt worden.

Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt, bislang wird dabei die Spur eines Unfalls verfolgt. "Sie leitete eine Untersuchung wegen unbeabsichtigter Zerstörung durch Feuer ein, von Brandstiftung ist bislang nicht die Rede. Der Brand könnte mit Bauarbeiten auf dem Dach der Kirche zusammenhängen. Die Staatsanwaltschaft nahm dazu zunächst keine Stellung. Die Ermittler begannen in der Nacht, die Arbeiter der Baustelle zu befragen. Auf dem Dach hatten die Bauarbeiter ein Gerüst angebracht.

"Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist", sagte Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. Dies soll nun auch mit Lasertechnik untersucht werden.
(dpa)

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