Politik

05.06.2026

FDP-Vorsitz: Törichte Selbstzerstörung

Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Feind, Todfeind, Parteifreund: Was sich die FDP bei ihrem Bundesparteitag geleistet hat, ist ein Paradebeispiel dafür, wie Rivalitäten, Egoismen und Profilneurosen die gemeinsame Vision einer Partei überlagern, ja zerstören können. Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat mit ihrem illoyalen und selbstbezogenen Verhalten der ohnehin am Boden liegenden FDP schwer geschadet. Eine unangekündigte Kampfkandidatur zu starten, nachdem die Konkurrenten Kubicki und Höne es endlich geschafft hatten, sich im Vorfeld der Wahl zu einigen, und ein Aufatmen durch die gestresste Partei ging – das ist töricht und daneben.

Tatsächlich stellt sich die Frage, welches Ziel Strack-Zimmermann verfolgt. Abgesehen von medialer Aufmerksamkeit und der Möglichkeit, jetzt noch öfter in Talkshows zu sitzen. Um das angebliche Ansinnen, die FDP vor einer Koalition oder Zusammenarbeit mit der AfD zu retten, kann es jedenfalls nicht gehen.

Hilfe, so eine seltsame Streithansel-Partei braucht niemand

Denn der neu gewählte FDP-Chef Wolfgang Kubicki hat sehr deutlich gemacht, dass derlei für ihn nicht infrage kommt. Sondern lediglich erklärt, dass sein Abstimmungsverhalten im Parlament nicht davon abhinge, „ob andere politische Parteien das toll oder nicht toll finden“. Sprich, ob die AfD – eine erlaubte Partei übrigens, die in Umfragen derzeit vor allen anderen Parteien liegt – bei einem Antrag vielleicht auch mal mitstimmt.

Solche Gespensterdebatten sind das Gegenteil dessen, was die FDP braucht. Dabei fehlt eine geeinte und starke liberale Kraft in den Parlamenten durchaus. Doch wer soll eine Partei wählen, deren Spitzenpersonal mit sich selbst beschäftigt ist, sich nicht über den Weg traut, und in der unklar ist, welches Ränkespiel als Nächstes auf die Agenda kommt? Die gescheiterte Königsmörderin Strack-Zimmermann hat bereits gedroht, Kubicki zu beobachten und „ganz genau zu schauen, wohin die Partei geht“. Hilfe, so eine seltsame Streithansel-Partei braucht niemand. Wie würde das erst aussehen, wenn diese FDP tatsächlich irgendwann wieder im Bundestag säße. 

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