Politik

Sendemasten in der Münchner Innenstadt. (Foto: dpa/Frank Leonhardt)

13.09.2019

Fluch und Segen der Technik

Für den Ausbau des schnellen Internets 5G braucht es neue Sendemasten – doch es gibt Widerstand. Zu Recht?

Schnelleres Internet – das wollen viele Menschen. Die Telekom plant, bis zum Jahr 2025 insgesamt 90 Prozent der Bundesfläche und 99 Prozent der deutschen Bevölkerung mit 5G-Frequenzen zu versorgen. Laut Telekom-Sprecher Andreas Middel gilt das für jedes Bundesland, also auch für den Flächenstaat Bayern. In einem ersten Schritt soll bis 2021 im gleichen Maßstab LTE – also 4G – umgesetzt werden. Bis Ende 2020 will die Telekom im Freistaat 1000 neue Standorte schaffen. Zudem baut sie 1200 vorhandene Standorte mit zusätzlichen Diensten aus.

Doch braucht es dafür eben auch Sendemasten. Die allerdings sind weniger beliebt. Viele Menschen fürchten gesundheitliche Folgen. Zuletzt sorgte der Widerstand in den vier oberbayerischen Landkreisen Weilheim-Schongau, Landsberg am Lech, Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen für Aufsehen. Dahinter steht die im April gegründete neue Bürgerinitiative 5G-Alpenland mit Sitz in der Gemeinde Huglfing. Gut 200 Mitglieder haben sich da registriert.

Hintergrund: Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) hat schriftlich alle 2000 Bürgermeister im Freistaat darum gebeten, bei der Suche nach neuen Standorten für Sendemasten behilflich zu sein. „Zu besonders kritischen Informationsveranstaltungen vor Ort können Experten des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) oder des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) eingeladen werden, deren Vortrag in der Regel zur Versachlichung der Debatte beiträgt“, schrieb Aiwanger an die Rathauschefs. In der Gemeinde Hohenpeißenberg hatte der Minister damit schon mal keinen Erfolg. Der Gemeinderat hat einstimmig abgelehnt, bei der Suche behilflich zu sein.

Epilepsie durch Mobilfunk?

Doch wozu braucht man eigentlich 5G? Diana Nocker, die Sprecherin der Bürgerinitiative im Oberland, ist überzeugt: „5G braucht nur die Industrie.“ Das stimmt so allerdings nicht. Das wichtigste Merkmal, wirbt die Telekom, sind die „extrem hohen Übertragungsgeschwindigkeiten“. Davon profitieren auch Privatkunden. Zum Beispiel können Filme sehr viel schneller geladen werden. Auch im Bereich Smart Home soll es bessere Möglichkeiten geben. Die Wirtschaft wiederum setzt unter anderem mit Blick aufs autonome Fahren auf 5G.

Zu möglichen Gesundheitsschäden von 5G gibt es zahlreiche Studien von Ärzten, die im Wesentlichen Folgendes auflisten: Schwindel, Kopfschmerzen, Epilepsie, Schlaflosigkeit, Depression, erhöhtes Krebsrisiko. Zu den führenden Kritikern von 5G im Freistaat gehört Klaus Buchner, emeritierter Physikprofessor an der TU München und ÖDP-Abgeordneter im Europaparlament. Er verweist auf „Tausende Studien“. Ob es tatsächlich so viele sind, lässt sich nicht abschließend klären.

Die Stiftung Warentest jedoch hat jetzt nach eigenen Angaben „alle verfügbaren Studien zu Mobilfunk und Gesundheit gesichtet und in einer Expertenrunde diskutiert – einschließlich der neuesten Untersuchungen mit Versuchstieren“. Man habe die Studien „durch unabhängige Toxikologen begutachten“ lassen, schreibt die Stiftung Warentest. Ergebnis: Es lasse sich „eine relevante Gesundheitsgefährdung von Menschen nicht ableiten“. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz hat sich zu Wort gemeldet. Es verweist darauf, dass kaum Studien zu möglichen gesundheitlichen Folgen für Kinder vorliegen. Eine explizite Gefährdung spricht man 5G zwar nicht zu, aber die Behörde schränkt die Unbedenklichkeit dahingehend ein, dass sie nur „innerhalb der gültigen Grenzwerte für Mobilfunk-Sendeanlagen und bei Einhaltung der im Rahmen der Produktsicherheit an Mobiltelefonen geltenden Anforderungen“ zutreffe.

5G-Gegner wie die Bürgerinitiative um Diana Nocker setzen auf ein schnelleres Glasfasernetz und eine Technologie mit dem Namen Li-Fi (englisch: light fidelity). Das ist ein 2011 vom an der University of Edinburgh arbeitenden deutschen Forscher Harald Haas geprägter Begriff zur optischen Datenübertragung.

Und was ist mit Methoden zur Abschirmung von Strahlen? Auch dazu gibt es Studien. Im Auftrag des bayerischen Landesamts für Umwelt haben Peter Pauli, Experte für Hochfrequenz und Radartechnik an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg, und der Ingenieur Dietrich Moldan vom Büro für Umweltanalytik in Iphofen die Schirmung hochfrequenter elektromagnetischer Felder durch verschiedene Materialien untersucht. Danach sind Mauern aus Kalksandstein sinnvoll, ebenso eine Kombination von Lärchen- und Eichenholz als Baustoff. Die komplette Studie kann auf der Website des LfU heruntergeladen werden.

Der Bund Naturschutz in Bayern sagt, beim Thema Abschirmung müsse man genau hinschauen: Es gebe nämlich „auch Produkte, die nur dem Geldbeutel des Verkäufers nützen“. Dazu zählten Chips und Magnetplättchen, Gürtel, Armbänder, Halsketten, Magnetmatten fürs Bett, Kristalle oder Dosen, die im Haus aufgestellt werden. Im Internet werden auch Vorrichtungen angeboten, die ihrerseits elektromagnetische Strahlung erzeugen, um damit die von Mobilfunkantennen oder Handys ausgehende Strahlung auszulöschen. Davon rät der Bund Naturschutz dringend ab: Man hole sich dadurch „nur eine weitere Strahlungsquelle ins Haus“. (André Paul)

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