Politik

14.08.2025

Genderverbote: Das ist Schaufensterpolitik

Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Schon wieder hat sich ein prominenter Konservativer mit einem Genderverbot hervorgetan. Wolfram Weimer, Kulturstaatsminister im Bund, untersagt die Nutzung von Genderstern und Co in seiner Behörde. Der Minister will, dass auch öffentlich geförderte Institutionen wie Museen, Stiftungen oder Rundfunk dieser Linie folgen. Erstaunlich, mit welchem Furor Menschen, die ansonsten den Abbau staatlicher Vorschriften und die Freiheit des Einzelnen propagieren, gegen sprachliche Besonderheiten vorgehen. Muss man tatsächlich jeden Bereich des Lebens mit Ge- und Verboten regeln?

Als erstes Bundesland hat Bayern vor eineinhalb Jahren ein Genderverbot für Schulen, Hochschulen und Behörden erlassen. Der Stammtisch und die AfD fanden es super. Die Bilanz dieser Söder-Initiative interessierte niemanden. Tatsächlich gendern bayerische Hochschulen weiterhin nach Herzenslust, für Hochschulpersonal gilt die Freiheit von Forschung und Lehre. Auch Studentinnen und Studenten dürfen gendern, ebenso wie Schulkinder; Lehrkräfte aber nicht. Wer soll das verstehen?

Die meisten Leute lehnen Sonderschreibungen ab - weil es seltsam aussieht, aber auch deshalb, weil die ausufernde Wokeness-Agenda nervt

Richtig ist, dass die meisten Leute Sonderschreibungen ablehnen. Weil es seltsam aussieht, aber auch deshalb, weil die ausufernde Wokeness-Agenda vielen auf den Geist geht. Was gut gemeint war, artet aus in eine Kultur des omnipräsenten erhobenen Zeigefingers.

Sprache verändert sich, nicht immer zum Schöneren. So hat sich der Dativ nach Präpositionen wie „wegen“ oder „trotz“ leider eingebürgert. Sogar der Duden akzeptiert inzwischen gruselige Formulierungen wie „wegen dem Wetter“. Ob es der Genderstern in den Duden schafft, ist offen. Einen Kulturkampf muss man deshalb nicht vom Zaun brechen, Verbote sind albern. Jedoch sollte selbstverständlich sein, dass Einrichtungen, die mit Steuergeld arbeiten, Gespür für ihre Kundschaft zeigen. Das betrifft natürlich auch den öffentlich geförderten Rundfunk, der als einziges großes Medium unverdrossen gendert. Fast alle Zeitungen verzichten darauf. Oder haben das Gendern, so wie die Staatszeitung, wieder abgeschafft. Aus gutem Grund – und ganz ohne Verbot.

 

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