Politik

Den Krankenkassen fehlt Geld. (Foto: dpa/W2Art, Klara Michel)

17.04.2026

Geplante Gesundheitsreformen: Aber doch nicht so!

Wie man im Gesundheitssystem zig Milliarden Euro einsparen kann, hat eine Kommission klar aufgezeigt. Doch die Politik will nicht alle Vorschläge umsetzen. Gerade einer der wirkungsvollsten steht auf der Kippe. Das ist keine gute Nachricht. Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Dass die Bundesregierung nach der Wahl im September erst mal Megaschulden aufnahm, kam nicht überall gut an. Einsparungen im großen Stil, von Unionsleuten großspurig angekündigt, entfielen. Das soll sich jetzt ändern. Zumindest im Gesundheitsbereich. Weil dort die Ausgaben viel stärker steigen als die Einnahmen, droht ab 2027 eine Deckungslücke von zunächst 15 Milliarden Euro, 2029 ist sie bereits doppelt so hoch. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will nun den Rotstift zücken. Grundlage ist ein Gutachten der Finanzkommission Gesundheit. So weit die gute Nachricht.

Warum soll die arbeitende Bevölkerung mit ihren Kassenbeiträgen für die Krankenversicherung nicht arbeitender Bürgergeldbezieher zahlen?

Die schlechte: Ausgerechnet einer der wirkungsvollsten Sparvorschläge der Fachleute steht auf der Kippe. Es geht um die Finanzierung der Beiträge von Bürgergeldbeziehern in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Der Großteil dieser Kosten wird über Beiträge der GKV-Mitglieder finanziert, der Bund zahlt nur rund ein Drittel. Einsparvolumen, wenn der Bund diese Leistung komplett übernähme: 12 Milliarden Euro pro Jahr. Tatsächlich stellt sich die Frage, warum die arbeitende Bevölkerung mit ihren Kassenbeiträgen für die Krankenversicherung nicht arbeitender Bürgergeldbezieher zahlen soll. Die SPD will daran aber nichts ändern. Kein Wunder: Die Mittel dafür müssten dann aus dem regulären Haushalt kommen, wo ebenfalls Geld fehlt.

Viel ließe sich auch sparen, wenn man bei Vergütungen für Ärzte, Kliniken und Pharmabranche kürzt. Bei den Patienten sind höhere Zuzahlungen für Medikamente und Leistungseinschränkungen vorgesehen. Kann man alles machen, auch wenn sich über Details wie die Abschaffung der Hautkrebsvorsorge streiten lässt. Absolut richtig wäre die teilweise Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung nicht arbeitender Ehepartner – Einsparvolumen: 3,5 Milliarden Euro. Doch wie will man Versicherten Einschnitte zumuten, wenn mit ihren Beiträgen Riesensummen für versicherungsfremde Leistungen finanziert werden, eben die GKV-Beiträge der Bürgergeldbezieher. Wer eine so einschneidende Reform plant und dafür Akzeptanz will, darf eines nicht außer Acht lassen: das Gerechtigkeitsgefühl der Menschen.

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Sollen Biolebensmittel umsatzsteuerfrei sein?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

Ralf Wintergerst, CEO von Giesecke+Devrient, weist auf einen sehr wesentlichen Umstand der deutschen Politik hin: „Es gibt hierzulande sehr viele Veto-Punkte, wo der eine aus Eigeninteresse den Vorschlag des anderen blockieren kann."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.