Politik

22.02.2013

Geste der Aussöhnung

Tschechiens Regierungschef Petr Necas bedauert die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg

Der Besuch des tschechischen Premierministers Petr Necas in Bayern ist schon vor seinem Eintreffen mit einem Wort beladen: historisch. Das erste Mal seit über 20 Jahren kommt ein Regierungschef aus dem Nachbarland in den Freistaat, zum ersten Mal legt ein solcher in der KZ-Gedenkstätte Dachau einen Kranz auch für die sudetendeutschen Opfer des Nazi-Terrors nieder, zum ersten Mal spricht ein Regierungschef aus Prag im bayerischen Landtag.
„Der Weg, den wir eingeschlagen haben, ist besser als die jahrzehntelange Sprachlosigkeit davor“, sagt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Unter dessen Vorvorgänger Edmund Stoiber gab es im bayerisch-tschechischen Verhältnis vor allem eines: Schweigen.

Necas'"Wir bedauern" klingt anrührend


Necas nutzt nicht nur die Geste in Dachau zur Überwindung der Lasten aus der Vergangenheit. Wahrlich historisch ist seine Rede vor dem Landtag. Als „werte Landsleute und ehemalige Mitbürger“ spricht er dort die Sudetendeutschen an. Es ist ihm ein großes Anliegen, das Gemeinsame herauszustellen. „Es gibt nur wenige Länder, die durch ihre Geschichte, kulturelle Verwandtschaft sowie 1000-jährige geistliche Tradition so eng verbunden sind wie Bayern und Böhmen“, ruft Necas. Angefangen von den keltischen Boiern, die dereinst beide Landstriche besiedelten, über den Regensburger Bischof Wolfgang, dem hier wie dort Kirchen geweiht seien, bis hin zu den Verbindungen der Herrschergeschlechter in München und Prag.
Der Prager Regierungschef macht seine Ankündigung wahr, die dunklen Seiten der gemeinsamen Vergangenheit nicht zu umschiffen. Terror und Heimatverlust habe die deutsche NS-Aggression vielen Tschechen gebracht, und das hätten „auch fast alle unsere deutschen Landsleute“ nach 1945 erlitten. „Wir bedauern, dass durch die nach dem Kriegsende erfolgte Vertreibung sowie die zwangsweise Aussiedlung der Sudetendeutschen aus der damaligen Tschechoslowakei, dass durch die Enteignung und Ausbürgerung unschuldigen Menschen viel Leid und Unrecht zugefügt wurde“, erklärt Necas.
Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, ist nach der Rede Necas’ nur noch glücklich. „Aus einer angekündigten kleinen Geste ist eine große Botschaft geworden“, würdigt er die Ansprache mit brüchiger Stimme. Dass Necas die Vertreibung auch als solche bezeichnet, ist für Posselt ein „sensationeller Schritt“. Ein „Herzenswunsch“ ist den Sudetendeutschen zudem durch die Zusage Necas’ erfüllt, das Collegium Bohemicum in Usti nad Labem (Aussig), das sich dem Kulturerbe der deutschsprachigen Bevölkerung in Böhmen widmet, aus dem tschechischen Haushalt zu unterstützen.
Auch Horst Seehofer ist zufrieden. „Wir sind einen Riesen-Riesen-Schritt vorangekommen“, resümiert er. Seehofer sieht „beste Voraussetzungen für sehr gute nachbarschaftliche Beziehungen“. Regelmäßig einmal im Jahr wollen sich Seehofer und Necas künftig treffen, die beiden funken auf einer Wellenlänge. „Ich bedanke mich für die hervorragende Zusammenarbeit und schätze die Freundschaft“, schreibt Necas zum Abschied ins Gästebuch der Regierung. (JUM)

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